Neurowissenschaften Der Allmachtswahn der Hirnforschung
Der Soziologe Torsten Heinemann kritisiert den Hype um die Neurowissenschaften
Viel heiße Luft. Die Neurowissenschaften bekommen mehr Aufmerksamkeit als sie verdienen, sagt Torsten Heinemann. Grund seien wirtschaftliche Interessen, aber auch unser Drang, auf alles eine Antwort haben zu wollen.
Die Hirnforschung findet seit Jahren viel Beachtung in Wissenschaft und Medien. Sie wird als Schlüsseldisziplin zur Lösung gesellschaftlicher Probleme und existenzieller Fragen angesehen. Sie verspricht Antworten auf Fragen nach der Entstehung und Heilung von Krankheiten, Faktoren für schulischen Erfolg, Auswirkungen von Stress oder unser Selbstverständnis als Mensch.
"Verspricht zu viel, liefert zu wenig"
Doch meistens bleibt es beim Versprechen. Und da setzt die Kritik des Soziologen Torsten Heinemann an. Die Erkenntnisse, welche die Neurowissenschaften bisher geliefert hätten, stünden in keinem Verhältnis zum Erfolg dieser Wissenschaft in der Öffentlichkeit, sagt er. In seinem gerade erschienenen Buch "Populäre Wissenschaft. Hirnforschung zwischen Labor und Talkshow" zeigt er auf, warum diese Art der Popularisierung von Wissen problematisch ist.
Gründe für die Popularisierung
Er nennt drei Gründe: Erstens seien die vermeintlich neuen Erkenntnisse oft Jahrzehnte alt oder schlicht banal, zweitens liege den Deutungsangeboten ein neuronaler Determinismus (Reduktionismus) zugrunde und drittens werde Wissen allein auf seinen praktischen Nutzen und die ökonomische Verwertbarkeit reduziert.