News-Aggregatoren Rivva ist Geschichte
Webschau mit Konstantin Zurawski
Frank Westphal hat seine vor allem bei Bloggern sehr beliebte Plattform eingestellt.
Rivva hat Inhalte aus Blogs, Online-Nachrichten-Portalen, von Youtube oder Vimeo gesammelt und übersichtlich dargestellt. Nicht alle Inhalte, sondern die, die aktuell beliebt sind, also Themen, die häufig bei Twitter, Facebook oder in Blogs verlinkt werden.
Ein paar Reaktionen: Auf dem Pottblog ist zu lesen: "Rivva hört auf. Leider." Markus Beckedahl schreibt auf netzpolitik.org: "Das Ende von Rivva hinterlässt eine Lücke, die aktuell von keiner anderen Plattform gefüllt werden kann." Martin Weigert nennt Rivva auf seinem Blog Netzwertig sogar den "Motor der deutschen Blogosphäre".
"Merci et Adieu"
Bleibt die Frage nach den Gründen für das Ende von Rivva. Darüber wird viel spekuliert. Eine offizielle Begründung von Frank Westphal, der Rivva programmiert hat, gibt es noch nicht. Wer jetzt auf rivva.de surft, findet nur zwei Screenshots von Rivva, einmal wie es früher, einmal wie es bis zum Ende vor ein paar Tagen aussah. Darunter steht: "2007 bis 2011 – Merci et Adieu, Frank".
Dann ist da noch das Blog von Rivva, oder genauer von Frank Westphal. Auch hier ist nur eine kurze Meldung zu lesen: "War schön dich zu programmieren, Rivva, auch wenn du blöder Bot häufiger eine Schraube locker hattest. Machs gut, alter Freund."
Es gibt natürlich eine Vermutung, warum Frank Westphal Rivva nicht weiter betreibt und entwickelt: Es sei einfach zu viel Arbeit gewesen. Wir haben am Dienstag Frank Westphal angeschrieben und um ein kurzes Interview gebeten, seine Reaktion per E-Mail: "Wenn ich das Projektende hätte näher kommentieren wollen, dann im Rivva Blog. Tut mir leid, geht nicht gegen euch, habe alle Interviewfragen abgelehnt."
Inhalte abseits der großen Online-Portale
Noch einmal zurück zur Bedeutung von Rivva. Es ist auf den ersten Blick schwer vorzustellen, dass das Ende eines Ein-Mann-Projekts ein großer Verlust für die Internet-Gemeinde bedeuten soll. Was hat Rivva geleistet, dass nach seinem Ende nun angeblich eine Lücke entsteht, die von anderen Plattformen nicht gefüllt werden kann?
Netzpolitik.org hebt vor allem den Punkt hervor, dass Riva neben den klassischen Nachrichtenseiten auch Blogs, Youtube, Vimeo und andere Social-Media-Seiten eingebunden habe. Also kurz zusammengefasst: Rivva hat häufig Inhalte prominent platziert, die in den klassischen Online-Medien nicht zu finden waren.
Nicht mehr zeitgemäß?
Aber nicht alle sehen das Ende von Rivva als großen Verlust für die deutsche Blogosphäre an. So schreibt zum Beispiel Robert Basic auf seinem Blog "Written in Basic" "Es bleibt die Frage, ob eine zentrale Aggregation überhaupt zeitgemäß ist. Wer nischige Infos haben möchte, wird diese finden und abonnieren. Spiegelbildlich gilt für moderne Blogger, die mit der Zeit mitgegangen sind, dass die Verzahnung mit sozialen Netzen schon längst zum Standardrepertoire gehört, um ihre Leser dort zu erreichen, wo sie sich gerne aufhalten. Heißt: Verweise auf Twitter & Facebook, eigener Twitterkanal, eigene Facebookpage."
Wie geht es weiter? Die meisten Blogger vermuten, dass es für Rivva das endgültige Aus war. Und einige fragen sich, warum kein deutsches Medienunternehmen einen ähnlichen Service anbietet oder in Erwägung gezogen hat, Rivva zu übernehmen. Etwa Christoph Salzig, er schreibt auf seinem Blog "Primus inter Pares": "Noch mehr aber wundert mich, dass kein Verlag und auch kein Medienausschnittdienst, ja nicht einmal ein Anbieter von Social Media Monitoring bisher offenbar in Erwägung gezogen hat, das Projekt zu unterstützen oder zu übernehmen."