Niederlagen Verloren!
So unterschiedlich das Scheitern ist, so unterschiedlich ist auch der Umgang damit.
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- So kann's gehen... Spieler von Hertha BSC liegen nach dem verlorenen Relegationsspiel gegen Fortuna Düsseldorf niedergeschlagen auf dem grünen Rasen. (dpa | Kay Nietfeld)
Tränen in den Augen oder die Flucht nach vorne. Auf politischer wie auf sportlicher Ebene haben die letzten großen Niederlagen vor allem auch gezeigt, wie unterschiedlich der Umgang mit ihnen sein kann.
Neben CDU-Spitzenkandidat Norbert Röttgen musste sich – nach dem Pokalfinale gegen Dortmund – auch der FC Bayern München eingestehen, dass die Niederlage eindeutig ausfiel. Auch die Damen des 1. FFC Frankfurt hatten das Nachsehen: Sie verloren das Pokalfinale der Frauen und mussten mit anschauen, wie das Team von Bayern München den Pokal in die Höhe streckte.
Niederlagen gehören zum Leben, doch warum fällt uns der Umgang mit ihnen so schwer? "Wer gewinnen will, muss auch verlieren können", sagt der Philosoph Hans-Jürgen Stöhr. Er vertritt die Meinung, dass über das Scheitern viel zu wenig gesprochen wird. Auf DRadio Wissen wollen wir das ändern. Wir befassen uns mit dem Scheitern und der Niederlage aus der Perspektive der Unterlegenen: Wie gehen sie mit dem Scheitern um? Und wie geht es nach einer Niederlage weiter?
Die Verlierer vom Wochenende
Eine Collage von Michael Böddeker über den Umgang mit den jüngsten Niederlagen. Aus urheberrechtlichen Gründen können wir diesen Beitrag nicht zum Nachhören anbieten.
Bayern-Manager Christian Nerlinger enttäuscht über die Niederlage des FC Bayern im DFB-Pokalspiel. (picture alliance / ZB | Thomas Eisenhuth)Nach dem verlorenen Pokalspiel FC Bayern München gegen Borussia Dortmund war Bayern-Trainer Jupp Heynckes wie sein Kapitän Philipp Lahm der Meinung, dass die Mannschaft in der ersten Halbzeit "überragend gespielt" hätte. Bayern-Präsident Karl-Heinz Rummenigge sprach hingegen von einer „Blamage". Mit hängenden Köpfen schlichen auch die erfolgsverwöhnten Spielerinnen des 1. FFC Frankfurt über den Rasen und mussten dem FC Bayern zum Pokalerfolg gratulieren.
NRW-Wahl
Norbert Röttgen kann nicht zufrieden sein mit dem Ergebnis. (dpa | Federico Gambarini)Ganz anders trat hingegen CDU-Spitzenkandidat Norbert Röttgen auf, der in Düsseldorf schnell seine Niederlage bei der NRW-Landtagswahl einräumte. DRadio Wissen hat den Sound der Niederlage vom Wochenende zusammengefasst.
Scheitern muss sein
Über das Scheitern wird viel zu wenig gesprochen, sagt der Philosoph Hans-Jürgen Stöhr.
Franck Ribéry und die Bayern müssen den Pokal stehen lassen. (dpa | Kay Nietfeld)
Den Leitfaden für richtiges Scheitern hat der Philosoph Hans-Jürgen Stöhr lange Zeit vermisst. In unserer Gesellschaft gehe es oft vor allem um den Erfolg. Über die andere Seite, das Scheitern, werde selten gesprochen. Dabei sei den meisten Menschen ein wichtiger Unterschied nicht bewusst: Scheitern und Verlieren seien nicht identisch.
"Verlieren ist eine besondere Facette des Scheiterns," sagt Stöhr. Beim Verlieren hat man ein Gegenüber, nämlich den Gewinner, der einen so zum Verlierer macht. Beim Scheitern geht es dagegen um ein Ziel, das man nicht erreichen konnte. Ist man an diesem Punkt, ist es nicht immer einfach, darauf zu reagieren. Stöhr versichert, in jedem Scheitern stecke eine Chance. Dafür müsse man jedoch richtig scheitern. Soll heißen: Man müsse sich von alten Wegen verabschieden und auch neue zulassen, um sein Ziel zu erreichen. Von Gewinnertypen hält Stöhr wenig. "Wer gewinnen will, muss auch verlieren können."
Zuerst kein Glück und dann kam das Pech hinzu
Wie man mit Niederlagen im Sport richtig umgeht, erklärt der Diplomsportlehrer und Unternehmensberater Peter Boltersdorf.
Der 1. FC Köln muss im Moment mit vielen Niederlagen umgehen. (dpa | Maximilian Schönherr)Monatelang wird für das große Match trainiert, doch am Ende findet man seinen eigenen Namen nur als Verlierer in der Zeitung. Das schmerzt jeden Sportler. Zwar gehört ein Verlierer zu jedem Duell, doch der Umgang damit fällt schwer. Sportler scheitern an bestimmten Gegnern, an Sekunden, am Startblock oder an der Hürde. Die Niederlage lässt einige für immer aufgeben, die meisten aber kämpfen sich wieder nach oben. Wie der FC Bayern München mit der Niederlage umgehen sollte, erklärt der Diplom-Sportlehrer Peter Boltersdorf. Er berät die deutsche Handballnationalmannschaft und einige Fußballbundesligisten.
So klingt die Niederlage
Annika Zeitler erinnert an Augenblicke der Niederlage, die man nie vergisst.
Michael Stich tröstet seinen Rivalen Boris Becker. (AFP | epa)Es sind genau solche Momente, die Geschichte schreiben und im Gedächtnis bleiben: Helmut Kohl verliert 1998 die Wahl gegen Gerhard Schröder, der verliert sie dann 2005 gegen Angela Merkel.
Und die Menschheit unterliegt der eigenen Technologie - 1986 in Tschernobyl. Es war ein gesellschaftliches Scheitern und schmerzhaft vor allem für die Arbeiter, die nahezu ungeschützt versuchten, das Schlimmste zu verhindern. Bis heute steht Tschernobyl sinnbildlich für das Scheitern - das menschliche Versagen.
Scheitern kann eine ganze Gesellschaft, eine Partei oder ein einzelner Mensch. Niederlagen können viele Facetten haben: Mit am Schlimmsten ist die Niederlage im Duell mit dem Erzrivalen, wie DRadio Wissen mit dem Blick in die Geschichte zeigt - ein bekanntes Beispiel: Boris Becker unterliegt 1991 Michael Stich im Finale von Wimbledon.
Stark in der Krise
Resilienz kann man lernen, sagt die Psychologin und Pädagogin Monika Schumann.
Wer in sich ruht, kommt über Niederlagen besser hinweg. (*~sTeRnDaL~* | flickr.com | CC BY-ND 2.0)Der eine bricht nach einer Niederlage dauerhaft zusammen, der andere kommt schnell wieder auf die Beine. Woran liegt das? An der emotionalen Widerstandsfähigkeit. Experten nennen diese Kraft Resilienz. Sie ist nicht angeboren, jeder Mensch kann sie erlernen. Gut ist es, wenn man sie möglichst früh in der Kindheit erlernt, damit sich Defizite gar nicht erst festsetzen. Ganz wichtig in dieser Phase: eine liebevolle Bezugsperson. Nur so kann sich eine enge Bindung entwickeln, die dem Menschen im späteren Leben Kraft gibt, aus schwierigen Situationen herauszufinden. Für viele Pädagogen ist die Resilienz das eigentliche Rüstzeug fürs Leben. Und man erkennt diese Menschen in aller Regel, erklärt Monika Schumann. Denn sie haben ein paar besondere Eigenschaften.
Das Gespräch ist eine Wiederholung vom 01.06.2011.
Wie kommt man wieder auf die Beine? (Redaktionskonferenz ab 18 Uhr)
In der Redaktionskonferenz sprechen wir mit Stefan Frädrich über die richtige Strategie nach dem Scheitern.
Mit einer Belohnung vor Auge, lassen sich Aufgaben leichter lösen. (opensourceway | Flickr | cc-by-sa)Eine Niederlage schmerzt und wird ungerne akzeptiert, sagt Dr. med. Stefan Frädrich. Die wahre Kunst bestehe darin, sich anschließend wieder für neue Herausforderungen zu motivieren.
Frädrich arbeitet als Motivationscoach. Anhand von Norbert Röttgen und den Unterlegenen des Pokalfinals erklärt er in in der Redaktionskonferenz, wie eine Selbstmotivation nach der Niederlage aussehen kann.