Nordsee Begehrtes Energiedepot
Gespräche mit dem Geologen Ralf Littke, dem Wirtschaftsjournalisten Jürgen Döscher und der Direktorin des Deutschen Schifffahrtsmuseum Ursula Warnke
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- Eine Ölbohrplattform in der Nordsee vor der norwegischen Küste. (flickr.com | polandeze CC-BY-SA)
Die Nordsee ist für die Anrainerstaaten schon immer ein wichtiger Verkehrsweg. Außerdem liefert sie Fisch und Meeresfrüchte. In den 1960er Jahren wurden Ölvorkommen entdeckt, und seitdem teilen sich Norwegen, Großbritannien, die Niederlande, Dänemark und Deutschland die Fördergebiete. In der jüngsten Vergangenheit gewinnen die erneuerbaren Energien und damit die Windkraft und Windparks immer mehr an Bedeutung. Was will man mehr vom Meer?
Sämtliche Nutzungen und Schutzgebiete der Nordsee (Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie)Auch der Tourismus ist eine einträgliche Wirtschaftsquelle für die Anrainerstaaten. Doch wie lange werden all diese Quellen sprudeln? Wie sieht die Zukunft der Nordsee aus? Wird die Ausbeutung zunehmend ihr Ökosystem zerstören, die Überfischung Nahrungsgrundlagen vernichten und schließlich damit die gesamte Küstenregion und auch den Tourismus schädigen?
Die Gefahren für die Nordsee durch den Unfall der Shell-Ölplattform Gannet Alpha vor der britischen Küste sind nicht gebannt. Noch immer dringt Öl aus dem Leck der Pipeline. Dennoch geht die Suche nach Öl- und Gasvorkommen in der Nordsee weiter.
Erst suchen, dann finden
Gespräch mit Ralf Littke, Professor am Lehrstuhl für Geologie, Geochemie und Lagerstätten des Erdöls und der Kohle an der Universität Aachen
Eine Karte mit den verzeichneten Wirtschaftszonen in der Nordsee. (wikipedia.org | Copyright © 2005 Bra CC)Der größte Ölfund seit Jahrzehnten, "ein gigantischer Ölfund", so der Energiekonzern Statoil. Der norwegische Gas- und Ölkonzern hat nach eigenen Angaben vor der Küste Norwegens in der Nordsee große Ölvorkommen entdeckt. Der Konzern schätzt, dass 500 Millionen bis 1,2 Milliarden Barrel Öl in dem Ölfeld lagern. Das sind umgerechnet bis zu 190 Milliarden Liter Öl. Der Wert des Fundes wird auf 40 Milliarden Dollar geschätzt.
Es soll eines der zehn größten Vorkommen auf dem norwegischen Kontinenalsockel sein, so der Energiekonzern Statoil. Bevor aber die Energiekonzerne mit Bohrungen starten, müssen sie wissen, wo Bohrungen sinnvoll sind. Über diese Suchmethoden sprechen wir mit Ralf Littke.
Das Wattenmeer bei Keitum auf Sylt (Wikimedia Commons/Muns/CC BY-SA 2.0)
Gefährliche Öl-Autobahnen
Gespräch mit dem Wirtschaftsjournalsiten Jürgen Döschner
Eine defekte Pipeline. (flickr.com | Kevin CC BY 2.0)Das Shell-Leck ist kein Zufall: Viele Öl-Pipelines in der Nordsee sind alt, manche mehr als 40 Jahre. Durch sie fließen täglich Millionen Liter Erdöl Richtung Festland. Regierungen haben Angst um die Ölversorgung ihrer Länder, Ölkonzerne fürchten um Gewinne und für Betreiber lohnen sich Investitionen nicht. "Ein neuer Ölfund, wie der vor Norwegen, ist in dieser Hinsicht keine gute Nachricht", sagt Wissenschaftsjournalist Jürgen Döschner.
Der Druck, die alten Pipelines noch länger in Betrieb zu lassen, wächst mit jedem neuen Ölfeld. Mit einer Instandsetzung oder gar einer Erneuerung der maroden Transportwege sei nicht zu rechnen, meint Döschner. "Die Betreiber der Pipelines und die Besitzer der Ölfelder sind oft unterschiedliche Akteure", sagt er. "Da die Pipeline-Betreiber nicht einschätzen können, wie lange sie Zugriff auf die Ölfelder haben werden, investieren sie nicht". Der Neubau von Pipelines habe sich heutzutage zu einem ähnlich unsicheren Geschäft entwickelt.
Auf der Suche nach Wracks
Ein Gespräch mit der Direktorin des Deutschen Schifffahrtsmuseums, Ursula Warnke
Ein Wrack in der Nordsee. (flickr.com | voranskotti CC BY-NC-SA 2.0)In der Nordsee ist der Bau von neuen Offshore-Windparks geplant. Dadurch könnten möglicherweise wichtige archäologische Fundstätten und Schiffswracks am Meeresboden zerstört werden. Das Deutsche Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven soll nun im Auftrag des Bundes-Forschungsministeriums erfassen, was sich am Boden der Nordsee befindet. Für die Untersuchungen wird der Meeresboden mit Spezialgeräten abgetastet. Forscher vermuten, dass historische Wracks und Reste menschlicher Siedlungen aufzufinden sind. DRadio Wissen spricht mit der Direktorin des Deutschen Schiffahrtsmuseum Ursula Warnke über das Vorhaben.