Norwegen Die Anschläge und die Folgen
Webschau mit Martina Schulte
Wie über die Attentate in Oslo und auf der Insel Utoya im Netz diskutiert wird.
Norwegen – das war in der Außenwahrnehmung bisher ein friedliches Land und eine offene Gesellschaft. Für viele Skandinavier sind die Anschläge vom Freitag (22. Juli) daher ein traumatisches Erlebnis – das ist zumindest der erste Eindruck, der bei einem Blick ins Netz entsteht.
Viel beachtet wird eine Aussage des schwedischen Außenministers und ehemaligen Premierministers Carl Bildt. "We must - and we will! - strengthen the open, tolerant and welcoming character of our Nordic societies. Terror will never close us down", twitterte er.
Veränderung der politischen Kultur
Mit der Frage, ob und wie der Doppelanschlag von Oslo und Utoya, der 76 Tote forderte, die politische Kultur Norwegens verändern könnte, beschäftigt sich auch Knut Olav Åmås, Kulturjournalist und Kolumnist der größten norwegischen Zeitung Aftenposten in einem Blogpost für den Guardian.
Seine schwedische Kollegin Anna-Lena Lodenius, Journalistin und Autorin, stellt in der Online-Ausgabe des schwedischen dagbladet am Sonntag eine andere Frage: Wie können sich Staaten vor solchen Angriffen schützen, ohne den Glauben an eine offene demokratische Gesellschaft zu verlieren?
"Manifest" im Netz
Über den Täter ist mittlerweile einiges bekannt. Er hat hat ein Geständnis abgelegt und auch im Netz hat er viele Spuren hinterlassen. Unter anderem ist ein 1500 Seiten langes Manifest aufgetaucht, das die norwegische Polizei mit dem Täter in Verbindung bringt und offenbar zurzeit sichtet.
Da es online veröffentlicht wurde, haben sich schon einige Journalisten und Blogger an die Lektüre gemacht. Zwei Analysen scheinen besonders interessant: Und zwar die des Flagship Blogs des Magazins Foreign Policy und eine Analyse im palästinensischen Blog Electronic Intifada.
Für Spiegelfechter Jens Berger entspricht der Attentäter dem Prototypen eines neuen Rechten, wie es ihn auch in Deutschland tausendfach gebe.
Kritik an Terrorexperten
Der Journalist Karim El-Gawhary kritisiert auf seinem Blog Arabesken die Rolle der Terrorexperten in den Medien. "Selten waren so viele so schnell auf dem Holzweg", schreibt er. Das Bildblog listet einige Beispiele auf, die in eine ähnliche Richtung gehen.
Stefan Niggemeier schreibt auf faz net, es handele sich um eine verheerende Kombination aus dem Zwang der Medien, Inhalte zu produzieren, und dem Wunsch des Publikums nach unmittelbaren Antworten.