Nuklearterrorismus Die atomare Bedrohung
Vom 26. bis zum 27. März findet im südkoreanischen Seoul der Gipfel zur Nuklearen Sicherheit statt.
-
- Wie kann man atomwaffenfähiges Material besser vor Terroristen schützen? Auch darum geht es beim Atomgipfel. (CHUCKAge | Flickr | cc-by-nc-2.0)
Atombomben, nukleares Material, Uran sind ein kaum beherrschbares Sicherheitsrisiko - nicht nur im Kalten Krieg, sondern auch heute, wo nukleares Material in die Hände von Terroristen geraten könnte. Beim Gipfel zur Nuklearen Sicherheit, der heute (26.03.) in Seoul beginnt, diskutieren Vertreter aus 53 Ländern über die nukleare Bedrohung der Welt.
Die weltweit existierenden Vorräte an hochangereichertem Uran (HEU) und Plutonium sind so groß, dass aus ihnen gleich mehrere Atombomben gebaut werden könnten. Dieses Material könnte im schlimmsten Fall in die Hände von Terroristen geraten: zum Bau von Atomwaffen und sogenannten "schmutzigen Bomben", also konventionellen Waffen, bei deren Explosion Radioaktivität freigesetzt wird.
Gipfel zur Nuklearen Sicherheit
Nuklearterrorismus ist Thema des zweitägigen internationalen Gipfels zur Nuklearen Sicherheit, der heute (26.03.) in Seoul startet. Regierungsvertreter aus 53 Ländern treffen sich in Südkorea, darunter auch US-Präsident Barack Obama und die Staatschefs von China und Russland.
Wie könnte Nuklearterrorismus aussehen?
DRadio Wissen macht Nuklearterrorismus zum Tagesthema und fragt, welche Formen von Nuklearterrorismus denkbar sind – von sabotierten Kernkraftwerken bis zum Diebstahl atomarer Sprengköpfe. Außerdem klären wir, ob und wie atomwaffenfähiges Material unschädlich gemacht werden kann.
"Atomterrorismus ist möglich"
Gespräch mit Wolfgang Rosenstock, Diplomphysiker am Fraunhofer-Institut für Naturwissenschaftlich-Technische Trendanalysen INT
In der Ukraine lagert noch immer hochangereichterets Uran - Restbestände aus dem Kalten Krieg. (joerodz | flickr | cc by-nc-sa 2.0)Der Kalte Krieg war eine Zeit der atomaren Bedrohung. Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs ist diese Bedrohung keinesfalls gewichen. Allein in der Ukraine lagerten bis vor wenigen Tagen noch Restbestände hochangereicherten Urans. Das Material wurde laut ukrainischem Außenministerium mittlerweile nach Russland überführt. Hintergrund ist ein bilaterales Abkommen zwischen den USA und der Ukraine. Demnach musste die Ukraine ihr Uran bis zum März 2012 komplett entfernen. Geriete solches Material allerdings in die Hände von Schmugglern, könnte es leicht für terroristische Zwecke missbraucht werden, sagt Wolfgang Rosenstock.
"Wie real die Bedrohung tatsächlich ist, lässt sich allerdings nicht sagen." Die US-Amerikaner würden behaupten, es könnte in fünf bis zehn Jahren soweit sein. Wolfgang Rosenstock hält das für unwahrscheinlich. Mit seinen Kollegen vom Fraunhofer-Institut INT arbeitet er am sogenannten Tacis-Verfahren. Damit soll nukleares Material entdeckt werden, ohne es zu berühren. So will man den internationalen Schmuggel mit nuklearem Material überwachen.
Die einen drohen, anderen locken - Diplomatie gegen atomare Bedrohung
Gespräch mit Peter Kujath, ARD-Korrespondent in Ostasien
Mittelstreckenraketen bei einer Militärparade: Nordkorea ist bitterarm, rüstet aber weiter auf. (picture alliance | dpa)Iran und Nordkorea: Beide Länder haben wenig gemein, dennoch fürchtet sich die westliche Welt vor ihnen. 2005 hatte Nordkorea zugegeben, Atomwaffen zu besitzen. Für April kündigte Nordkorea einen erneuten Raketentest an. Die USA und Südkorea vermuten, es könne sich um eine militärische Rakete mit Atomsprengkopf handeln. Auch der Iran betreibt ein Atomprogramm – zu friedlichen Zwecken, behauptet das iranische Regime. Mit dem Ziel, eine Atombombe zu bauen und das Machtgefüge im Nahen Osten umzuwerfen, befürchten Israel und die USA.
Die Vereinigten Staaten wollen das verhindern – möglichst mit diplomatischen Mitteln. Sie bieten Nordkorea Unterstützung an, für den Fall, dass das Land sich der ausschließlich friedlichen Nutzung der nuklearen Forschung verpflichtet. Konkret werden Lebensmittel- und Heizöllieferungen, Hilfen beim Bau etwa von Leichtwasser-Reaktoren und die Aufnahme in die Welthandelsorganisation (WTO) in Aussicht gestellt.
Nukleares Material unschädlich machen
Gespräch mit der Wissenschaftsjournalistin Dagmar Röhrlich
Der Kampf gegen Atomwaffen dauert seit den 50er Jahren an. Doch ihre Entschärfung ist schwierig. (picture alliance | dpa )Damit aus radioaktivem Material eine Atombombe werden kann, muss das Material angereichert werden. Dabei werden in besonders leistungsstarken Zentrifugen bestimmte Isotope aus einem Stoffgemisch aussortiert. Hochangereichertes Uran (HEU) enthält mehr als 20 Prozent des Isotops U. Ab 85 Prozent kann das Material für Atomwaffen benutzt werden. Der Vorgang lässt sich aber auch umkehren. Beim Abreichern werden hochradioaktive Stoffe wieder ungefährlicher. Wie das geht, erklärt Dagmar Röhrlich im Gespräch.
Für einfachere Sprengsätze, die "schmutzigen Bomben", benötigt man wiederum gar kein hochangereichertes Uran. Sollte so eine Bombe bei einem Terroranschlag eingesetzt werden, gäbe es anschließend eine immense Verschmutzung, und große Materialmengen müssten beseitigt werden.
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser
Gespräch mit Giorgio Franceschini von der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung (HSFK)
Beim Atomgipfel 2010 setzte sich Obama für die sichere Lagerung atomwaffenfähigen Materials ein. (AP)Der erste Gipfel zur nuklearen Sicherheit im Jahr 2010 sollte eine Zäsur markieren: 47 Staaten einigten sich in der Abschlusserklärung darauf, ihr atomwaffenfähiges Material künftig besser zu sichern – auch vor Terroristen. Diese Zusage erfolgte jedoch unverbindlich und ohne Einführung unabhängiger Kontrollen. Seitdem wurde zwar einiges an Material sichergestellt, feste Kontrollen gibt es immer noch nicht.
Beim diesjährigen Gipfel wolle die USA genau solche Kontrollprozesse vorantreiben. Doch Giorgio Franceschini ist skeptisch, ob die Staaten sich dazu durchringen können. Schließlich wolle sich niemand in die Karten schauen lassen. Unbedingt eingebunden werden sollten die Atommächte China, Indien, Pakistan und Russland. Doch genau die hätten noch nie einen Inspektor der IAEO ins Land gelassen, sagt Giorgio Franceschini.
Der atomare Terrorismus - eine reale Bedrohung oder eher nicht? Sprechen Sie über das Tagesthema bei Facebook.