Ökonomie Zum Wachstum verdammt
Der Schweizer Wirtschaftswissenschaftler Hans-Christoph Binswanger über wirtschaftliche Dynamik
Wenn wir es schaffen sollten, die aktuelle Finanzkrise zu überwinden, sind wir noch lange nicht aus dem Schneider. Denn die Wirtschaft bleibt krisenanfällig. Daran ist aber nicht allein der so genannte Kasino-Kapitalismus schuld, wie ein derzeit gängiges Erklärungsmuster nahelegt.
Der Schweizer Wirtschaftswissenschaftler Hans-Christoph Binswanger setzt bei seiner Ursachenforschung viel grundsätzlicher an: Unsere ganze Wirtschaft, so sagt er, unterliegt einem Wachstumszwang, der sich aus dem Verhältnis von Geldschöpfung und Wertschöpfung ergebe. Wolle man das System stabilisieren und damit auch die begrenzten Ressourcen schonen, die uns zur Verfügung stehen, müsse man das Wachstum bremsen.
Wirtschaft und Ökologie
Der emeritierte Professor für Volkswirtschaftslehre mahnt nicht erst seit die Kapitalismuskritik dank der Krise en vogue ist. Lange bevor die Krisenanfälligkeit unseres Wirtschaftssystems ins allgemeine Bewusstsein rückte, profilierte er sich als Mahner, Kritiker und Querdenker. Sein Hauptinteresse gilt seit den 1960er Jahren dem Zusammenspiel von Wirtschaft und Ökologie. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören unter anderem Geldtheorie, Dogmengeschichte sowie Umwelt- und Ressourcenökonomie.
Über die in unserem Wirtschaftssystem angelegte Wachstumsspirale und mögliche Wege der Mäßigung in Richtung einer nachhaltigen Wirtschaft sprach Hans-Christoph Binswanger am 5. Juli 2012 am Kölner Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung.