Dienstag, 21. Mai 2013

Hörsaal /

Ökonomie Zum Wachstum verdammt  

Der Schweizer Wirtschaftswissenschaftler Hans-Christoph Binswanger über wirtschaftliche Dynamik

Die Automobilbranche lebt von ständigem Wachstum.
Die Automobilbranche lebt von ständigem Wachstum. (picture alliance / dpa | Chinafotopress)

Wenn wir es schaffen sollten, die aktuelle Finanzkrise zu überwinden, sind wir noch lange nicht aus dem Schneider. Denn die Wirtschaft bleibt krisenanfällig. Daran ist aber nicht allein der so genannte Kasino-Kapitalismus schuld, wie ein derzeit gängiges Erklärungsmuster nahelegt.

Der Schweizer Wirtschaftswissenschaftler Hans-Christoph Binswanger setzt bei seiner Ursachenforschung viel grundsätzlicher an: Unsere ganze Wirtschaft, so sagt er, unterliegt einem Wachstumszwang, der sich aus dem Verhältnis von Geldschöpfung und Wertschöpfung ergebe. Wolle man das System stabilisieren und damit auch die begrenzten Ressourcen schonen, die uns zur Verfügung stehen, müsse man das Wachstum bremsen.

Wirtschaft und Ökologie

Der emeritierte Professor für Volkswirtschaftslehre mahnt nicht erst seit die Kapitalismuskritik dank der Krise en vogue ist. Lange bevor die Krisenanfälligkeit unseres Wirtschaftssystems ins allgemeine Bewusstsein rückte, profilierte er sich als Mahner, Kritiker und Querdenker. Sein Hauptinteresse gilt seit den 1960er Jahren dem Zusammenspiel von Wirtschaft und Ökologie. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören unter anderem Geldtheorie, Dogmengeschichte sowie Umwelt- und Ressourcenökonomie.

Über die in unserem Wirtschaftssystem angelegte Wachstumsspirale und mögliche Wege der Mäßigung in Richtung einer nachhaltigen Wirtschaft sprach Hans-Christoph Binswanger am 5. Juli 2012 am Kölner Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung.



Mehr bei DRadio Wissen:

Gesellschaft: Status: Nachhaltig?
Über den schwierigen Weg zur echten Nachhaltigkeit
(Agenda vom 14.09.2012)

Wirtschaftswachstum: Der Kollaps kann warten
Über Prognosen, die Berrechenbarkeit zukünftiger Entwicklungen und ihre Wahrscheinlichkeit.
(Agenda vom 16.03.2012)

Wirtschaftsphilosophie: Ökonomie und Ethik
Julian Nida-Rümelin über die Chancen einer humanen Ökonomie und die Risiken einer entfesselten ökonomischen Rationalität.
(Hörsaal)

Weitere Informationen:

Wachstumszwang und Nachhaltigkeit
Vortrag Binswangers zum Thema als PDF inklusive der im Vortrag angesprochenen Folien
(postwachstumsoekonomie.org)

Geldpolitik: Mehr Kompetenz für die Zentralbank
(ftd.de vom 17.12.2009)

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