Ökosysteme Der Wert der Natur
Die Forst- und Umweltwissenschaftlerin Claudia Bieling und der Geograph und Ökologe Wolfgang Cramer sprechen über Ökosystemdienstleistungen.
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- "Der Sommer" von Caspar David Friedrich - eine idealisierte Landschaftsdarstellung. (wikipedia.org public domain)
Der noch junge Ansatz der Ökosystemdienstleistungen will Bewusstsein für biologische Vielfalt und den Erhalt von Ökosystemen schaffen, indem er die Natur nach ihrem Nutzen bewertet. Dabei gibt es allerdings noch viele offene Fragen: Welche Rolle spielen etwa immaterielle Güter, wie zum Beispiel der kulturelle Wert eines Ökosystems? Und: Wie gelangt das Wissen aus dem neuen Forschungsansatz zur politischen Umsetzung?
Der Nutzen von Natur lässt sich beziffern. Und ihn zu beziffern hilft dabei, die Natur zu schützen. So lässt sich sehr stark vereinfacht das Konzept der Ökosystemdienstleistungen zusammenfassen. Dieser Ansatz setzt sich international seit etwas mehr als zehn Jahren in der Naturschutzpolitik durch. Zur Zeit wird etwa für Deutschland im Auftrag des Bundesumweltministeriums und des Bundesamts für Naturschutz die Studie "Naturkapital Deutschland" erarbeitet, um "den vielfältigen Wert der Natur und der so genannten Ökosystemleistungen in Deutschland zu verdeutlichen und besser zu kommunizieren".
Heimat, Inspiration, Erholung
Schwer quantifizierbar sind Naturleistungen immaterieller Art, wie etwa Heimatgefühl, Erholung oder Inspiration. Das hat sich schon in Vorläuferstudien gezeigt, etwa der großen TEEB-Studie unter UN-Schirmherrschaft. Die Forst- und Umweltwissenschaftlerin Claudia Bieling beschäftigt sich innerhalb des interdisziplinären Forschungsprojekts "Nachwuchsgruppe Ökosystemleistungen", das von der Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, dem Ecological Institut Berlin, dem Öko-Institut e.V. und dem Institut für Landespflege der Universität Freiburg getragen ist, mit eben dieser Frage nach den kulturellen Leistungen von Landschaft und ihrer Bedeutung für die Lebensqualität von Menschen. Im der Vorlesungsreihe "Ökosystemleistungen in Kulturlandschaften" hat sie am 23. November 2011 ihre Forschung vorgestellt.
Politikberatung im Namen der Natur
Familienfoto der Staats- und Regierungschefs der G8-Länder beim Gipfel in Heiligendamm. (picture-alliance/ dpa | Oliver Berg)Das Ziel des Ansatzes sind unter anderem konkrete Handlungsempfehlungen für Politik. Nur die muss die Ergebnisse erst mal wahrnehmen, verstehen und dann auch noch umsetzen. Wie Forschung Eingang in Politik findet, darüber weiß der Geograph und Ökologe Wolfgang Cramer aus erster Hand Bescheid. Seit 1995 ist er am Intergovernmental Panel on Climate Change beteiligt, dem Weltklimarat der Vereinten Nationen, der 2007 mit dem Friedensnobelpreis dafür ausgezeichnet wurde, dass er in Öffentlichkeit und Politik ein Bewusstsein für den vom Mensch verursachten Klimawandel schafft. Im Rahmen der Vorlesungsreihe sprach Cramer am 08. Dezember 2011 über Ökosystemleistungen und die Beratung der Politik zur globalen Nachhaltigkeit.
Hier geht es zu den Folien des Vortrags:
"Heimat, Inspiration, Erholung. Wie Landschaften auf immaterielle Weise zur Lebensqualität beitragen" von Claudia Bieling.
Zu den PDF-Folien des Vortrags: "Ökosystemleistungen und Beratung der Politik zur globalen Nachhaltigkeit" von Wolfgang Cramer.
In dieser Reihe wurden bereits folgende Vorträge gesendet:
Ökosysteme: Insekten als Wirtschaftsmacht
"Das Konzept der Ökosystemleistungen im Kontext der europäischen Landnutzung" - Vortrag von Tobias Plieninger und "Ökosystemdienstleistungen zwischen Natur und Gesellschaft - Anforderungen an eine interdisziplinäre Forschung aus Sicht der Sozialwissenschaften" - Vortrag von Christoph Görg.
Ökosysteme: Landwirtschaft vs. biologische Vielfalt
"Ökosystemdienstleistungen, Biodiversität und die Intensivierung der Landwirtschaft" - Vortrag von Teja Tscharntke.