Freitag, 24. Mai 2013

Hörsaal /

Ökosysteme Landwirtschaft vs. biologische Vielfalt  

Der Agrarökologe Teja Tscharntke spricht über das Verhältnis von biologischer Vielfalt und Landwirtschaft.

Blühstreifen mit Margeriten und Kornblumen als Ackerrand bei Booßen, Frankfurt (Oder), Deutschland.
Blühstreifen mit Margeriten und Kornblumen als Ackerrand. (wikipedia.org | Sebastian Wallroth gemeinfrei)

Intensive Landwirtschaft und biologische Vielfalt stehen im Gegensatz zueinander. Müssen sie aber nicht zwingend, zeigen Forschungsergebnisse der Agrarökologie. Der Ansatz der Ökosystemdienstleistungen soll helfen, Intensivierung von Landwirtschaft mit dem Naturschutz vereinbarer zu machen.

Intensive Landwirtschaft geht häufig mit negativen Konsequenzen für die Natur einher. So werden in Monokulturen etwa vermehrt Dünger und Pestizide eingesetzt, die wiederum natürliche Habitate von Tieren und Pflanzen verdrängen. Die Produktion unserer Nahrungsmittel und Energieressourcen steht also in einem Zielkonflikt mit dem Naturschutz: Auf der einen Seite schafft die Intensivierung von Landwirtschaft eine Maximierung von Ökosystemdienstleistungen, also zum Beispiel mehr Nahrung oder Biomasse. Auf der anderen Seite mindert sie die Ökosystemleistungen, etwa durch Verunreinigung von Grundwasser oder die Minderung von Pflanzenbestäubung durch Insekten.

Vielfalt statt Pestiziden

Agrarökosysteme lassen sich aber auch umweltfreundlicher gestalten. Der Erhalt oder die Förderung von Artenvielfalt kann Erträge sogar steigern und den Einsatz von Pestiziden wenn nicht ersetzen, so zumindest mindern. So genannte Blühstreifen am Rande von Äckern, also Flächen mit bunten Pflanzenmischungen, dienen als Lebensraum für Insekten, die wiederum unterstützend bei der Bekämpfung von Schädlingen helfen können.

Ökosystemdienstleistungen im Fokus der Forschung

"Ökosystemdienstleistungen, Biodiversität und die Intensivierung der Landwirtschaft" heißt der Vortrag, den der Agrarökologe Teja Tscharntke am 1. Dezember 2011 im Rahmen der Vorlesungsreihe "Ökosystemleistungen in Kulturlandschaften" der "Nachwuchsgruppe Ökosystemleistungen" gehalten hat. Dieses interdisziplinäre Forschungsprojekt wird von der Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, dem Ecological Institut Berlin, dem Öko-Institut e.V. und dem Institut für Landespflege der Universität Freiburg getragen und analysiert wirtschaftliche, soziale und kulturelle Aspekte der Leistungen von Ökosystemen.

In dieser Reihe wurden folgende Vorträge gesendet:

Ökosysteme: Insekten als Wirtschaftsmacht
"Das Konzept der Ökosystemleistungen im Kontext der europäischen Landnutzung" von Tobias Plieninger und "Ökosystemdienstleistungen zwischen Natur und Gesellschaft – Anforderungen an eine interdisziplinäre Forschung aus Sicht der Sozialwissenschaften" von Christoph Görg.

Ökosysteme: Der Wert der Natur
"Heimat, Inspiration, Erholung – Wie Landschaften auf immaterielle Weise zur Lebensqualität beitragen" von Claudia Bieling und "Ökosystemleistungen und die Beratung der Politik zur globalen Nachhaltigkeit" von Wolfgang Cramer.



Mehr bei DRadio Wissen:

Umweltgifte: Pestizide schwächen Bienen
Joachim Budde über die Gefahr für Bienen: Schon geringe Mengen von Insektiziden können Bienen töten.
(Natur vom 25.04.2012)

Forstwirtschaft: Wald unter Druck
Kathy Ziegler über Naturschützer und Förster, die sich über die "richtige" Forstwirtschaft streiten.
(Natur vom 06.01.2012)

Kenia: Landwirtschaft ohne chemische Keule
Antje Diekhans über die ökologische Landwirtschaft Kenias, die noch in den Kinderschuhen steckt.
(Globus vom 06.01.2012)

Rohstoffe: "Reis ist Leben"
Andreas Becker über intensive Landwirtschaft und neuen Sorten, mit denen die Erträge in den 1960er-Jahren gesteigert wurden, deren Folge jedoch heute Ernterückgänge sind.
(Agenda vom 06.09.2010)

Weitere Informationen:

Podcast des Helmholtz Zentrums für Umweltforschung zum Jahr der Biodiversität 2010

"Genetische Vielfalt ist ganz entschieden für unser Überleben"
Umweltforscher Joachim Spangenberg über das Artensterben
(dradio.de vom 29.12.2011)

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