Olympia Twitter und die fünf Ringe
Twitter will attraktiver für Werbekunden werden - und die Olympiade dafür nutzen. Alexander Becker von Meedia.de ist skeptisch.
NBC und Twitter kooperieren für die Olympischen Spiele. Der Kurznachrichtendienst will dadurch neue Nutzer gewinnen und endlich Geld verdienen.
Die deutschen Sportler, so offenbarte kürzlich eine Studie, tun sich mit den sozialen Netzwerken noch etwas schwer. Noch nicht einmal die Hälfte aller Athleten des Olympia-Teams haben eine eigene Homepage. Nur 18,2 Prozent benutzen den Kurznachrichtendienst Twitter. Die Hockeyspieler liegen mit 32,4 Prozent zwar noch hinter den Seglern (33,3 Prozent), glänzen aber seit einigen Tagen mit erhöhter Aktivität.
Sportler aus gleich sieben Disziplinen verweigern sich hier komplett: Bogenschießen, Fünfkampf, Gewichtheben, Reiten, Ringen, Schießen und Taekwondo. Weltweit allerdings benutzen über 80 Prozent der Sportler den Dienst, um mit Fans und auch untereinander zu kommunizieren. Radsportlerin Miriam Welte informierte den Weitspringer Christian Reif beispielsweise via Twitter, dass die Berichte über zu kurze Betten im Olympischen Dorf nicht der Wahrheit entsprächen: "Du wirst auch rein passen."
Twitter will endlich mehr Geld verdienen
Diese Entwicklung will Twitter für sich nutzen, um neue Nutzer zu gewinnen - und um Geld zu verdienen. Seit sechs Jahren gibt es den Kurznachrichtendienst, in dieser Zeit hat man sich eine aktive Nutzerzahl von 140 Millionen erarbeitet. Das Unternehmen nimmt 2012 geschätzt 260 Millionen Dollar durch Werbung ein. Im Vergleich zur Konkurrenz ein Kleckerbetrag: Facebook zum Beispiel verdiente 2011 nach eigenen Angaben 3,15 Milliarden Dollar.
Das London Eye soll die Stimmung der Twitternutzer farblich widerspiegeln. (gritty-but-pretty | flickr | cc by-nc-sa 2.0)
Zusammenarbeit mit NBC
Gelingen soll der Zuwachs an Nutzern durch eine Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Sender NBC. Ein gemeinsames Team soll die Tweets von Athleten, ihren Angehörigen, Fans und Programmhinweise der NBC in einem einzigen Kanal zusammenfassen. Die Olympia-Seite soll den Nutzern mithilfe der Tweets von Sportlern und Reportern den Blick hinter die Kulissen ermöglichen.
Gleichzeitig werden die User ermutigt, die TV- und Online-Berichterstattung von NBC zu verfolgen. Und Twitter wird nicht nur online oder auf dem Bildschirm präsent sein. Jede Nacht soll das große Riesenrad in London, das London Eye, in unterschiedlichen Farben aufleuchten, basierend auf der in den Tweets über Olympia dominierenden Tagesstimmung.
Stolperfalle Twitter
Die Kommunikation in 140 Zeichen hat aber auch ihre Tücken: Die griechische Dreispringerin Paraskevi Papachristou musste nach einem rassistischen Tweet ihre Koffer packen und darf nicht an den Spielen teilnehmen.