Sonntag, 19. Mai 2013

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Onlinemedien Kein Kommentar  

Michael Gessat in der Webschau über die Kommentarkultur in Onlinemedien

Auf einem Schild steht: Vorsicht, spielende Trolle. Ein Pictogramm-Männchen tritt vor einen Wikipedia-Ball
Kommentare können nerven - aber abschalten ist auch keine Lösung (betsythedevine | flickr | cc by-nc-sa 2.0)

Es gab einmal eine Zeit, da musste man zum Füllfederhalter greifen und einen Brief verfassen, wenn einem in der Zeitung, im Fernsehen oder im Radio irgendetwas missfallen oder auch gefallen hatte. Und ob der Brief dann auch beantwortet oder gar abgedruckt wurde, war noch einmal eine ganz andere Frage.

In Onlinemedien ist der Aufwand für einen Leserkommentar viel geringer - das Feedback, der Dialog, die Diskussion ist ausdrücklich erwünscht – aber so ganz heil und unproblematisch ist diese schöne neue Kommunikationswelt auch wieder nicht. Ein bekannter Blogger hat jetzt einen digitalen Stoßseufzer abgegeben: Markus Beckedahl beklagt auf von Netzpolitik.org das fehlende Niveau der meisten Onlinekommentare. Beleidigungen und Unterstellungen seien an der Tagesordnung, (zu) viele Kommentatoren hätten simple Weltbilder oder huldigten gar Verschwörungstheorien.

Kommentar mit Kommentaren

Auf netzpolitik.org gibt es geradezu eine Kommentar-Lawine - viele Postings bestätigen das von Beckedahl diagnostizierte Problem. Das Medienportal Meedia hat als Reaktion auf den Artikel herumgefragt in deutschen Online-Redaktionen, wie man es dort mit den Leser-Kommentaren hält.

Praktikanten und Social-Media-Redakteure

Bei DRadio Wissen beobachten und beantworten Social-Media-Redakteure die Hörer und Leserreaktionen auf Facebook, Twitter und Google+. In manchen Redaktionen werden aus Kostengründen Praktikanten oder Aushilfen für die Betreuung der Kommentare eingesetzt, das kritisiert der Deutsche Journalisten-Verband DJV.

Kampf den Trollen

Aber auch wenn gestandene Redakteure die Leserkommentare sichten und gegebenenfalls darauf antworten - die von Beckedahl kritisierte inhaltliche Unkultur stellt auch sie vor Probleme. Bei der Zeit-Online-Redaktion versucht man mit Hinweisen wie "Bleiben Sie sachlich" oder "Gelöscht. Vermeiden Sie Beleidigungen" gegen Trolle vorzugehen.

Abschalten ist keine Lösung

Manche Leser empfinden das jedoch als oberlehrerhaft und protestieren gegen die "Zensur". Kai Biermann hat bei Zeit Online auch noch einmal in die Runde geschaut nach möglichen Lösungen und zieht das Fazit: "Kommentare im Netz sind ein noch lange nicht beendetes Experiment. Jede Seite, jeder Anbieter muss für sich entscheiden, wie viele und welche er wie zulassen will. Sie abzuschalten ist keine Lösung, denn damit hat niemand gewonnen. Weder Betreiber, noch Leser, noch die, die sich beteiligen wollen."

FAZ setzt auf Print

In der FAZ plädiert Jürgen Kaube für den Zeitungskommentar - mit einem Augenzwinkern, denn auch bei Faz.net gibt es die Kommentarfunktion.  Aber eine Diskussion in vergleichsweise homöopathischer Dosis, von Redakteuren ausgewählt aus inhaltlichen und aus Platzgründen zusammengekürzt und erst dann veröffentlicht: das ist der klassische Leserbrief-Ansatz mit allen seinen Vor- und Nachteilen - nicht so ganz der letzte Schrei.



Mehr bei DRadio Wissen:

Trolle als Kunstform
Netzexperte Stefan Krappitz sieht das positive der Netznerver
(Medien 29.06.2012)

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