Paralympics Vergleichbar erfolgreich
Seit 1948 gibt es Paralympische Spiele, doch erst seit den Paralympics in London werden sie ernst genommen
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- Michael Teubner gewinnt Gold im Straßenradrennen bei den Paralympics in London 2012. (picture alliance / dpa | Daniel Karmann)
Ausverkaufte Stadien, begeisterte Zuschauer, Übertragung der Sportkämpfe zur besten Sendezeit - die Paralympics in London 2012 sorgen für Begeisterung. Auch die Diskussion um Techdoping und ob längere Laufprothesen unerlaubte Vorteile bringen, zeigt: Die Spiele werden ernst genommen. Aber es gibt auch Kritik: Die Überhöhung der Paralympioniken könnte andere behinderte Sportler entmutigen.
Es ist ein gewaltiger Sprung: Im Jahr 1988 beschränkte sich die Berichterstattung über die Paralympics auf zehn Minuten in einer Gesundheitssendung - kein Vergleich zu den Paralympics 2012. Die Veranstalter in London haben es geschafft, Sportler mit Behinderungen ins Rampenlicht zu stellen.
Katrin Green (l), Marlou van Rhijn (m), Thin Seng Hon (r) beim 200-Meter-Lauf in London 2012. (picture alliance / dpa | Kerim Okten)
Der große Unterschied
Etwa die Hälfte der 4200 Paralympics-Teilnehmer kommt aus neun Industrieländern - bei den Spielen sind Sportler aus mehr als 160 Ländern vertreten. Was aber Hightech-Hilfsmittel wie Carbon-Sicheln angeht, haben die reichen Länder die Nase vorn.
"Die Glorifizierung schadet"
Sportjournalist Ronny Blaschke: Hype um Superathleten schreckt Behinderte ab
Denise Schindler freut sich über Silber beim Straßenradrennen mit der US-Amerikanerin Allision Jones (picture alliance / dpa | Daniel Karmann)Die paralympischen Wettkämpfe sind im Fokus der Medien. Paralympioniken kommen mit ihren Superprothesen beinahe wie Übermenschen daher. Die mediale Glorifizierung der Behindertensportler führe bei Millionen von Menschen mit Behinderung zu einer Abwendung vom Sport, sagt Sportjournalist Ronny Blaschke. Zu Beginn der Paralympics sei es neben Leistungsfähigkeit auch um die Probleme von Behinderten gegangen.
"Prothesen mit Raketenantrieb wird es nicht geben"
Karsten Ley von der Firma Ottobock: Prothesen für Leistungssportler verbessern auch Alltags-Hilfsmittel
Woytek Czyz und Jun Haruta aus Japan während der 4x100-Meter-Staffel bei den Paralympics 2012. (picture alliance / dpa | Julian Stratenschulte)Für den Alltag sind die Carbon-Sicheln überdimensioniert, mit denen Oscar Pistorius und andere behinderte Spitzensprinter über die Laufbahn fliegen. Doch die Weiterentwicklung der Hightech-Hilfsmittel wird langfristig auch normale Prothesen verbessern, meint Karsten Ley. Heute schon sind Prothesen mit Mikrochips und Sensoren ausgestattet, die wissen, wann ihr Nutzer geht und wann er steht - und sich daran anpassen.
"Professionalisierung macht uns bekannt"
Leichtathletin Katrin Green: Übermensch-Darstellung der Paralympioniken ist angemessen
Die Leichtathletin Katrin Green beim Weitsprung während der Paralympics in London 2012. (picture alliance / dpa | Julian Stratenschulte)Natürlich sei sie kein Supermensch, sagt Katrin Green, die in London Bronze über 200 Meter Sprint holte. Eine professionelle und spektakuläre Darstellung der Paralympics-Sportler in den Medien sei aber berechtigt, um den Behindertensport bekannter zu machen. Die Goldmedaillenträgerin vom 2008 hat nichts gegen Superprothesen. Dennoch sei das Regelwerk für Techdoping veraltet und müsse dringend geändert werden.
"Ich leide nicht an der Glasknochenkrankheit, ich lebe mit ihr"
Rebecca Maskos will mit Leidmedien.de die Berichterstattung über Behinderte verändern
Rebecca Maskos leidet nicht an der Glasknochenkrankheit - sie lebt damit. (Leidmedien.de)Rebecca Maskos mag es nicht, wenn Behinderte als Opfer beschrieben werden oder als Helden, die es "trotz ihrer Behinderung" zu etwas gebracht haben. Die Journalistin und Psychologin sitzt selbst im Rollstuhl und lebt mit der Glasknochenkrankheit. Gemeinsam mit anderen behinderten und nicht-behinderten Medienmachern hat sie Leidmedien.de ins Leben gerufen.
Das Gespräch ist eine Wiederholung vom 22.8.2012.