Pflege Waschen Sie doch hier noch etwas
Daniela Siebert hat mit betroffenen Pflegekräften über sexuelle Belästigung gesprochen
Pflegekräfte sind während der Pflege teils sexueller Belästigung ausgesetzt, sei es durch obszöne Sprüche oder auch durch konkrete Wünsche nach sexueller Befriedigung.
In Internetforen, in denen sich Pflegekräfte austauschen, sind auch sexuelle Übergriffe ein Thema, das jedoch häufig anonym diskutiert wird. In der Ausbildung zum Pfleger spielt die Sexualität alter Menschen keine Rolle.
Scham und Selbstzweifel
So werden zum Beispiel Pflegeschülerinnen nicht darauf vorbereitet, wenn ein alter Mann in ihrem Beisein onaniert. Aber auch Grabschen, Gaffen, obszöne Sprüche oder offensive Wünsche nach sexueller Befriedigung bei der Intimpflege sind Formen von sexueller Belästigung, denen Pflegepersonal im Alltag immer wieder ausgesetzt ist.
Viele reagieren mit Scham und Selbstzweifeln auf solche Übergriffe. "Ich schämte mich auch für mich selber. Ich habe gedacht, das liegt an mir. Vielleicht bin ich zu nett zu dem Patienten gewesen oder zuvorkommend. Also dass ich selber nicht die richtige Distanz gewahrt hätte", erinnert sich eine Betroffene.
Es fehlt an speziellem Training
Obwohl solche Vorkommnisse viele Krankenschwestern sowie Altenpfleger belasten, ist sexuelle Belästigung bislang ein Tabu. Mittlerweile haben die Alzheimer Gesellschaft und das Kuratorium Deutsche Altershilfe jedoch reagiert: Sie bieten spezielle Trainings für Pflegepersonal an, um sexuelle Belästigung zu erkennen und zu reagieren.
Auch Roscha Schmidt, Qualitätsmanagerin bei der Caritas Altenhilfe in Berlin, versucht das Thema aus der Tabuzone herauszuholen. "Bei uns ist eine sehr wichtige Möglichkeit, eine gemeinsame Fallbesprechung durchzuführen und zwar begleitet von erfahrenen Experten", so Schmidt.