Samstag, 25. Mai 2013

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Pharmaindustrie Menschliche Versuchskaninchen  

Rebecca Gudisch über Pharmafirmen, die in Indien ihre Medikamente testen lassen - nicht immer mit dem Wissen der Patienten

Zwei Inder vor ihrem Elendsquartier aus Lumpen und Plastikplanen am Rande einer staubigen Straße in der indischen Stadt Indore.
In den Slums der Millionenstadt Indore haben Benjamin Best und Rebecca Gudisch recherchiert. (Matthias Schrader | dpa/picture-alliance)

Benjamin Best und Rebecca Gudisch haben in Indien Menschen getroffen, die angeben, unfreiwillig zu Probanden von Medikamententests geworden zu sein. Die Journalisten gingen den Vorwürfen, die mehrere westliche Pharmafirmen betreffen, nach.

"Mein Arzt hat mir Tabletten gegeben. Welche das genau waren, weiß ich nicht. Er sagte nur, das sind Tabletten aus dem Ausland. Die werden sie heilen", erzählt der alte Mann, der an einer chronischen Lungenkrankheit leidet. In der indischen Stadt Indore nahm er an einer klinischen Studie für einen Wirkstoff teil, der noch nicht zugelassen ist. Für eine bekannte westliche Pharma-Firma. "Ich habe davon nichts gewusst! Ich hätte das sonst niemals gemacht", so der Mann.

Im Westen sind Medikamententests teurer

Damit ein neues Medikament in Europa oder den USA zugelassen werden kann, muss es verschiedene Testphasen durchlaufen. Das verschlingt Zeit - und vor allem Geld. Medizinversuche in Entwicklungs- und Schwellenländern werden deshalb für die großen Pharmakonzerne immer interessanter: Sie sind günstiger -und es gibt dort viele potentielle Versuchsteilnehmer.

Patienten wurden angeblich nicht informiert

Die WDR-Reporter Benjamin Best und Rebecca Gudisch sind in Indien auf Unregelmäßigkeiten bei Medikamententests gestoßen, die mehrere bekannte westliche Pharmafirmen betreffen: Viele Patienten, die an Versuchen teilgenommen haben, behaupten, von ihren Ärzten nicht darüber informiert worden zu sein.

Verdeckte Ermittlungen

Um an Informationen heranzukommen, haben die WDR-Reporter mehrere Wochen in den Slums und umliegenden Dörfern der Millionenstadt Indore recherchiert. Manchmal erforderte die Recherche unübliche Wege: Weil sie bei den betroffenen Ärzten, Ethik-Kommissionen und Forschungs-Agenturen auf Schweigen stießen, sobald sie sich als Journalisten ausgaben, sammelten sie ihre Informationen auch getarnt als Pharma-Referenten oder gar als Patient.

Das Ergebnis der Recherchen zeigt das WDR-Fernsehen am 10.09.2012. Der Dokumentarfilm "Pharma-Sklaven - Medikamententests für den Westen" läuft von 22:00 bis 22:45 Uhr.



Weiterführende Information

Nigeria klagt gegen Pfizer
Internationale Menschenrechtsorganisationen und nigerianische Familien wollen Pfizer wegen Medikamententests an ihren Kindern vor Gericht bringen.
(Agenda vom 26.08.2010)

Tierversuche - Leiden für die Forschung
Die Zahl der Versuchstiere in der Grundlagenforschung steigt weiter an. In Deutschland waren im Jahr 2010 rund drei Millionen Tiere betroffen.
(Natur vom 02.12.2011)

Kosmetikindustrie - Tests an Stammzellen statt an Tieren
Humane Stammzellen könnten den Tierversuch überflüssig machen.
(Natur vom 30.06.2011)

Mehr zum Thema:

Pharma-Sklaven
Informationen zum Film von Rebecca Gudisch und Benjamin Best
(die story, WDR Fernsehen)

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