Pharmazie Das Geschäft mit gefälschten Medikamenten
Über die Risiken von falscher Medizin - und mit welchen Schutzmaßnahmen sie bekämpft werden soll.
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- Diese Pillen sehen zwar wie Medizin aus, sind es aber nicht. Es sind lediglich... (Ian Hayhurst | Flickr | CC BY-NC-SA 2.0)
Für den Verbraucher sind Original und Fälschung oft nicht zu unterscheiden: Die Zeiten nämlich, in denen die Verpackungen mangelhaft oder die Beipackzettel in einem schlechten Deutsch verfasst waren, sind vorbei. Falsche Medikamente - wie beispielsweise Viagra-Fälschungen - werden oft über Internetshops vertrieben. 10,5 Milliarden Euro Umsatz machen die Medikamentenfälscher damit allein in Europa jedes Jahr.
Für kriminelle Fälscherbanden ist es ein Milliardengeschäft, für Verbraucher kann der Konsum illegaler Medikamente im schlimmsten Fall tödlich enden. Aber auch wenn es nicht so dramatisch enden muss - die Verwendung gefälschter Arzneimittel ist mit einem hohen Risiko behaftet. Vor allem Lifestyle-Produkte oder Potenz- und Schlankheitsmittel zeigen oft nicht die gewünschte Wirkung.
Keine Medizin im Netz kaufen
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn ist verantwortlich für die Zulassung von Medikamenten in Deutschland. Die Gesundheitsbehörde warnt davor, Medikamente im Internet zu kaufen, weil gefälschte Präparate zu langfristigen und irreparablen Gesundheitsschäden führen können. Beispielsweise sei ein Produkt sichergestellt worden, dem gelbe Straßenfarbe beigemischt worden sei, um das Aussehen des Originals nachzuempfinden.
Der Markt der falschen Medizin
"Verlässliche Zahlen über den Markt der Medikamentenfäschungen sind nicht bekannt" sagt der Chemiker Christian Wagner-Ahlfs.
...ein paar weiße Süßigkeiten... (Brice Foto | Flickr | CC BY-NC-SA 2.0)Unterschieden werden müsse zwischen dem gut kontrollierten europäischen Markt und dem sehr schlecht überwachten weltweiten Geschäft mit gefälschten Medikamenten. Der Chemiker Christian Wagner-Ahlfs über den Unterschied zwischen Fälschungen und Generika, die Rolle so genannter Sub-Standard-Medikamente sowie die Interessen der Pharma-Industrie.
Medikamente, die nur vorgeben, welche zu sein
Der Wissenschaftsjournalist Lars Westermann über den globalen Kampf gegen gefälschte Medikamente.
...viele rote süße Drops... (Mykl Roventine | Flickr | CC BY-NC-SA 2.0)In Deutschland sind gefälschte Medikamente selten: Das Risiko liegt bei unter einem Prozent, schätzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO). In Afrika, Asien und Südamerika ist das anders: Bis zu 30 Prozent der Medikamente seien Fälschungen ohne oder gar mit schädlicher Wirkung. Lars Westermann erklärt, wie Medikamente auf dem globalen Markt geschützt werden.
Wie funktioniert Medikamentenfälschung?
Der Chemiker Axel Thiele vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM ) über die Herstellung gefälschter Medikamente.
...viele weiße Minz-Bonbons... (stee | Flickr | CC BY-SA 2.0)Mit Hilfe einfacher Medikamentenpressen werden Fälschungen hergestellt, die über das Internet in deutschen Haushalten landen. Die meisten Fälschungen enthalten zwar keine giftigen Substanzen, haben aber nicht den Inhalt, den die Verpackung verspricht. Der Chemiker Axel Thiele vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte BfArM warnt vor Internet-Einkäufen.
Gefälschte Medikamente können lebensgefährlich sein
In gefälschten Medikamenten ist "nicht nur kein Wirkstoff, sondern Dinge, die da absolut nicht hineingehören", sagt Wissenschaftsjournalist Hellmuth Nordwig.
...pinkes Naschwerk - und eine echte, blaue, medizinisch brauchbare Pille. (seadigs | Flickr | CC BY-NC 2.0)Der Zoll hat 2010 etwa zehn Millionen Tabletten beschlagnahmt. Sechs Jahre zuvor waren es lediglich eine halbe Million. Rund 50 Prozent der im Internet bestellten Medikamente sind gefälscht - vor allem, wenn es sich um Potenzmittel, Schlankmacher, aber auch Antibiotika, blutdrucksenkende Mittel oder Aids-Präparate handelt. Im Extremfall können sie lebensgefährlich sein, warnt der Wissenschaftsjournalist Hellmuth Nordwig.
Dieses Gespräch ist eine Wiederholung vom 07.10.2011.