Phrasen Es gilt das gedroschene Wort
Welchen Zweck Worthülsen in der Politik erfüllen.
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- Politiker schießen beim TV-Duell höchstens mit Worthülsen um sich... (picture alliance | dpa | Federico Gambarini)
Wenn Politiker sich nicht festlegen möchten, dann greifen sie oft auf Gemeinplätze zurück.
Für viele Politiker gilt: keine Rede ohne Phrasen und Gemeinplätze. Geht es um den Zusammenhalt in der Gesellschaft, sprechen Volksvertreter gern von der "Schere zwischen Arm und Reich". Oder der Wunsch von Politikern, nah bei den Menschen sein zu wollen. Das ist kein Outing eines Stalkers, was der Politiker damit eigentlich sagen will: "Trotz all meiner Verdienste habe ich nicht die Bodenhaftung verloren - ich weiß, was die Bürger bewegt."
Die Phrase als kleinster gemeinsamer Nenner
Besonders raffiniert sind diese Worthülsen nicht. Warum werden sie den Politikern trotzdem nicht von ihren Rhetorik-Trainern ausgetrieben? Der Verdacht: Die Phrasen werden gebraucht, damit sich Politiker bei komplizierten Sachverhalten nicht in Widersprüche verwickeln. Oder die Phrase dient als kleinster gemeinsamer Nenner: ein Ausdruck, den fast jeder kennt und mit dem man möglichst viele Zuhörer erreicht.
"Es gilt das gedroschene Wort" - das Tagesthema bei DRadio Wissen. (Hier geht es zum Trailer der Sendung. )
Politiker vermeiden negativ belegte Worthülsen, wie das Unwort des Jahres 2004: "Humankapital". (picture alliance | dpa | Rolf Haid)
Wenn Politiker reden, aber nichts sagen
Die ehemalige Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer über die politische Phrase
Die ehemalige Gesundheitsministerin Andrea Fischer kennt sich aus mit geschickter Gesprächsführung. (picture alliance | dpa | Michael Jung)Am Sonntag (13.05.2012) werden Politiker sich ab 20 Uhr in provisorischen Fernsehstudios zum Ausgang der Landtagswahl in NRW äußern. Was dort gesagt wird, ist bereits jetzt vorstellbar und lässt sich mit einem Wort zusammenfassen: Phrasen.
Warum nutzen Politiker - nicht nur am Wahlabend - die ewig gleichen Worte und Satzbausteine? Wollen sie widersprüchliche Aussagen vermeiden? Oder ist es die in Ministerien und Ausschüssen übliche Sprache, die den Politikern vom Ministerialreferenten ins Manuskript geschrieben werden? Antworten gibt uns eine Frau, die all das miterlebt hat: die ehemalige Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer (Die Grünen).
Die Phrasenmanufaktur
Durch diese hohle Phrase muss er kommen. Sein Name: Henning Bornemann
Manchmal hört man nichts als BlahBlahBlah... (David Elfanbaum|flickr|CC BY-NC 2.0)Es dampft, kocht und brodelt in Nordrhein-Westfalen. Während die Phrasen-Werte in Schleswig-Holstein in Richtung Normalität tendieren, steigt der Verbrauch zwischen Rhein und Ruhr merklich an. Der Wahlkampf erfordert einen hohen Verbrauch. Maßgeschneiderte Phrasen, wie "Ich möchte mich für mein Vaterland zerreißen“ für Edmund Stoiber, werden auf der Zielgeraden zur Mangelware. Es kann zu Engpässen kommen. Bei kurzfristigen Bestellungen bürgt selbst der Hersteller nicht mehr für die Qualität der Phrasen. Eine der größten, ältesten und einzigen Munitionsfabriken für Wahlkämpfe steht in Niefern-Öschelbronn. Henning Bornemann war vor Ort.
Aus der Phrase schöpfen
Der Kabarettist Matthias Deutschmann über seinen Umgang mit Politikerphrasen
Politikerphrasen – ein gefundenes Fressen für Kabarettisten (picture alliance | dpa | Erwin Elsner)Das politische Kabarett nimmt die Politiker auf die Schippe. Einfach ist das, wenn die Mächtigen offensichtliche Fehler begehen – zum Beispiel Guttenberg oder Wulff. "Dann hat man als Kabarettist die Pflicht, das ins Programm aufzunehmen" sagt Deutschmann. Um sich in der Öffentlichkeit nicht in Widersprüche zu verheddern, nutzen Politiker gerne die Phrase. Ist die Worthülse ein Hindernis oder gar eine Steilvorlage für die Verarbeitung durch den Kabarettisten? Darüber sprechen wir mit Matthias Deutschmann.
Redenschreiben: 90 Prozent kann man lernen
Was eine gute Rede ausmacht, erklärt der Reden-Coach Bernd Weber
Rhetorik lernen Studierende der Sprechwissenschaft ebenfalls. (southtyrolean/flickr/cc-by)Eine gute Rede funktioniert nach einer einfachen Regel: Verwende gewöhnliche Wörter und sage ungewöhnliche Dinge. Das soll einmal der deutsche Philosoph Arthur Schopenhauer in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gesagt haben - und das gilt bis heute. "Dabei muss man gerade mit Zitaten vorsichtig sein", sagt der Trainer für Redenschreiber Bernd Weber. Denn oft wird nicht korrekt zitiert, die Zitate werden aus dem Kontext gerissen oder belegen gar nicht das, was sie sollen.
Weber trainiert seit Jahren Redenschreiber und Redner. Zu seinen Kunden gehören Bundestagsabgeordnete genau so wie Mitarbeiter von Bundesministerien. Die häufigsten Fehler: zu komplizierte Sätze, Nominalstil, falsch verstandene Höflichkeit. Das führt zu den Sätzen, die alle kennen, aber keiner mehr hören kann. Bei DRadio Wissen erklärt Bernd Weber, wie es richtig geht.