Piraten Hinter der Augenklappe
Wer sie sind und was sie zum Global Player der Meere macht
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- Piraten: die heimliche Macht der Weltmeere - und des Weltmarktes. (Chrissie Salz)
Säbel, Holzbein und Augenklappe - dieses Bild eines klassischen Piraten stammt wohl in den meisten Fällen aus Hollywoodfilmen. Wer aber wirklich hinter den aktuellen Überfällen vor afrikanischen oder indonesischen Küsten steckt, wissen die wenigsten. In den letzten zehn Jahren hat die Piraterie auf den Weltmeeren erheblich zugenommen. Allein im Jahr 2012 griffen Piraten bis Ende August 233 Schiffe an.
Zuletzt wurde am 5. September vor der nigerianischen Hafenmetropole Lagos der Erdöltanker "Abu Dhabi Star" geentert. Für die Besatzung ging der Überfall glimpflich aus. Sie hatten das Schnellboot frühzeitig gesichtet, sich daraufhin im Sicherheitsraum eingeschlossen, die Maschinen abgestellt und einen Hilferuf abgesendet. Die nigerianische Marine befreite die Besatzung, während den Piraten die Flucht gelang.
Nicht immer gehen Piratenüberfälle so aus. Häufig setzen die Piraten ein Schiff für längere Zeit fest, fordern hohe Lösegelder, rauben das Schiff aus und töten Besatzungsmitglieder.
Somalische Piraten beschäftigen deutsche Gerichte
In Somalia sind es nicht selten ehemalige Fischer, die ihren Job gegen das Piratendasein tauschen. Mit ihren kleinen Booten üben sie eine relative Macht aus - und beschäftigen nicht zuletzt die Weltpolitik: Schließlich wurde ihretwegen die multinationale Mission Atalanta eingerichtet. An der Operation beteiligen sich unter anderem Spanien, Deutschland, Frankreich und Norwegen. In Deutschland wird darüber hinaus über die Zulassung von bewaffnetem Sicherheitspersonal auf Frachtschiffen diskutiert. Seit zwei Jahren läuft in Hamburg "der erste Prozess gegen Piraten - nach 400 Jahren", so berichten die Medien. Seit Störtebeker nämlich. Angeklagt sind zehn somalische Staatsbürger. Sie sollen an Ostern 2008 das Hamburger Containerschiff "Taipan" vor der somalischen Küste gekapert haben.
Welches Bild wir von Piraten haben, wer wirklich dahinter steckt und welche Macht Piraten auf den Weltmarkt ausüben - das Tagesthema bei DRadio Wissen.
Piraten im Film
Hendrik Efert über Seeräuber und Hollywoodklischees
Kein Pirat ohne Dreispitz - unser Bild vom Seeräuber stammt vornehmlich aus Hollywood. (Chrissie Salz)Der einbeinige Seemann mit Holzbein, ein Papagei auf der Schulter, Bart und Hakenhand - dazu das gerollte "R" einer vom Rum schweren Zunge. Die Bilder, die wir heute von Piraten haben, stammen hauptsächlich aus dem Kino. Captain Jack Sparrow ist die aktuellste Darstellung eines Seeräubers im Film - verwegen, verrückt, verführerisch. Mit dem "Fluch der Karibik" hat Hollywood dem Piratenfilm neues Leben eingehaucht.
Der Pirat als Global Player
Der Historiker Michael Kempe über den Einfluss von Piraten auf die Wirtschaft
Die Piraterie hat großen Einfluss auf die Frachtkosten von Gütern, die auf dem Seeweg transportiert werden. (Chrissie Salz)Das 16. bis 18. Jahrhundert - das "Goldene Zeitalter" der Piraterie. Neben der Karibik versprachen der Indische Ozean und der Golf von Aden fette Beute - das galt damals wie heute. Und es gibt weitere geschichtliche Parallelen. Der Kampf gegen die Piraten war ehedem die erste militärische Kooperation der Wirtschaftsmächte England, Frankreich und Niederlande. Heute ist die Aktion am Horn von Afrika der erste Kampfeinsatz der EU überhaupt.
Bilanz der Piraten
Statistikerin Katharina Schüller bilanziert das Pirateriegeschäft
Piratenschiff statt Fischerboot - viele Somalier tauschen in der Not den ehrlichen Job gegen ein kriminelles Leben als Seeräuber. (Chrissie Salz)Um es im Wirtschaftsjargon zu sagen: Die Piraterie boomt - vor allem vor der somalischen Küste. Das treibt die Kosten für die Reeder in die Höhe, denn die Angst vor Angriffen führt dazu, dass die Schiffe in den gefährdeten Gebieten schneller fahren - und die Treibstoffkosten steigen. Katharina Schüller hat den Rechenschieber ausgepackt und kalkuliert auch, ob es sich für einen somalischen Fischer lohnt, den ehrlichen Job gegen die Piraterie einzutauschen.
Mit der Schaluppe einen Ozeanriesen kapern
Der Journalist und Experte für Schifffahrt und Piraterie, Leo Walotek-Scheidegger, erklärt, wie Piraten riesige Tanker kapern
Alles klar machen zum Entern! Auch moderne Piraten bedienen sich mitunter althergebrachter Mittel. (Chrissie Salz)Erst waren sie nur in den Küstengebieten vor Somalia unterwegs. Inzwischen ist das schwieriger geworden. Deshalb überlegen sich die Piraten neue Taktiken, um an richtig große Schiffe zu kommen. Das geht am besten mit kleinen Booten. Dazu werden - nicht ganz freiwillig - arme Fischer angeheuert. Wie Piraten erfahren, welche Schiffe sich nähern, und wie sie die Mannschaft in Schach halten, erklärt Leo Walotek-Scheidegger.
Der moderne Pirat
Autor Ralph Klein über das einseitige Bild vom Piraten in Medienberichten
Täter und Opfer gleichermaßen: Ralph Klein sieht die Piraterie als eine Art Notwehr der somalischen Fischer. (Chrissie Salz)Piraten als Terroristen und Feinde - das Bild in aktuellen Berichten über Piratenangriffe ist einseitig. Ralph Klein ist Autor des Buches "Moderne Piraterie". Er hat das Phänomen von verschiedenen Seiten untersucht. Auf der einen Seite stehen internationale Reeder, die durch die Piratenüberfälle wirtschaftlichen Schaden erleiden. Auf der anderen Seite die Fischer, deren Existenzgrundlage durch industrielle Fischfangflotten und verseuchte Gewässer vernichtet wurde.