Politik Wulff tritt zurück
Gespräche mit dem Verfassungsrechtler Wolfgang Löwer und dem Kulturredakteur Stefan Koldehoff sowie die Webschau mit Thomas Reintjes
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- Bundespräsident Christian Wulff und Ehefrau Bettina am Freitag im Schloss Bellevue in Berlin. (picture alliance | dpa | Michael Kappeler)
Bundespräsident Christian Wulff legt sein Amt nieder. Damit reagiert er auf den Antrag der Staatsanwaltschaft Hannover vom 16. Februar, die Immunität des Staatsoberhauptes aufzuheben. Die Ermittlungen gegen ihn wurden am 18. Februar aufgenommen.
Bundespräsident Christian Wulff hat seinen Rücktritt erklärt. Deutschland brauche einen Bundespräsidenten, "der von dem Vertrauen nicht nur einer Mehrheit, sondern einer breiten Mehrheit der Bürger getragen wird", begründete er seinen Schritt am Freitag, 17. Februar. Wulff war knapp 20 Monate im Amt.
Bundeskanzlerin Angela Merkel will sich bei der Suche nach einem Kandidaten für die Wulff-Nachfolge mit SPD und Grünen abstimmen. Die Redaktion von DRadio Wissen hat die Ereignisse live begleitet und versucht, das Geschehen einzuordnen. SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte, er sei offen für einen gemeinsamen Kandidaten: "Die SPD steht bereit für einen Neuanfang."
Einen Tag nach dem Antrag der Staatsanwaltschaft: Christian Wulff tritt zurück. (picture alliance | dpa | Michael Kappeler)
Live vom Rücktritt
Ein Redaktionskonferenz-Spezial zum Rücktritt
"Ich wünsche allen Bürgern eine gute Zukunft und schließe Sie alle dabei ausdrücklich ein." Das sind die letzten Worte der Rücktritts-Rede von Bundespräsident Christian Wulff. Die Redaktionskonferenz hört die Rede live, diskutiert und analysiert die Rede Wulffs. DRadio-Wissen-Leiter Ralf Müller-Schmid stellt fest: "Da spricht jemand der die Aufnahme von Ermittlungen gegen sich erwartet. Man hört das an der Diktion ganz stark: Er hat sich schon ins Private zurückgezogen."
Immunität in der Verfassung
Ein Gespräch mit Wolfgang Löwer, Verfassungsrechtler an der Universität Bonn
Erst wenn die Immunität, also der Schutz vor Strafverfolgung, aufgehoben ist, kann die Staatsanwaltschaft mit den Ermittlungen beginnen und gegebenenfalls Anklage erheben. Über die Aufhebung der Immunität kann nur der Bundestag entscheiden. Doch auch wenn es nicht zu einer Aufhebung der Immunität Wulffs kommt, hat das Image des Bundespräsidenten weiter Schaden genommen.
Wir haben mit Wolfgang Löwer, Verfassungsrechtler an der Universität Bonn, über das Thema gesprochen.
Der Ort der Erklärung - der Große Saal des Schlosses Bellevue
Ein Gespräch mit dem Kulturredakteur Stefan Koldehoff
Gotthard Graubner (picture alliance | Horst Ossinger)Zu seiner Erklärung lädt der Bundespräsident in den Großen Saal des Schlosses Bellevue. Hier finden sonst Empfänge, Konzerte, Diskussionsrunden, Preis- und Ordensverleihungen statt, und hier werden auch Staatsbankette serviert.
Der Raum wird unter anderem von Werken des Künstlers Gotthard Graubner geprägt. An den Stirnseiten des Saales hängen zwei große Farbraumkörper mit dem Titel "Begegnungen" aus dem Jahr 1988. Der Kulturredakteur Stefan Koldehoff stellt den Künstler genauer vor.
Wulff ad acta
Die Webschau mit Thomas Reintjes
Christan Wulff demonstrierte Reue. (dpa | Arno Burgi)Die Reaktionen zum Rücktritt im Netz sind vielfältig. "Erschreckend, wie sehr #Wulff gealtert ist! Und noch erschreckender die Kälte seiner Frau im Gegenüber!", schreibt etwa EinAugenschmaus auf Twitter, der Journalist Jörg Wagner leidet unter Fremdschämen und der Bundesvorsitzende vom Deutschen Journalistenverband, Michael Konken, verteidigt die Medien: "Es ist die Pflicht der Journalistinnen und Journalisten, über politische Affären und Skandale kritisch zu berichten."
Der Rücktritt hat auch einige abseitige Konsequenzen: Im Kölner Karneval soll der Wulff-Wagen abgerissen und schnell ein neuer gebaut werden, schreibt koeln.de, und der Wulff-Rücktritt könnte kostenlose Warteschleifen weiter verzögern, heißt es auf teltarif.de.
Die Blogosphäre ist unterdessen mit der Suche nach einem Nachfolger beschäftigt: Udo Vetter erwähnt Joschka Fischer, eine Facebook-Gruppe "Hans Sarpei for President" hat 12.000 Fans - Sarpei vom FC Schalke 04 ist eine Kultfigur wie Chuck Norris. Der Blogger Fefe fordert die Piraten-Partei auf, Georg Schramm ins Spiel zu bringen, und bezieht sich damit auf eine Episode der Sendung "Neues aus der Anstalt".
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