Politikberatung III Dissens als Taktik
Naomi Oreskes erläutert ihre Thesen über den politischen Missbrauch wissenschaftlicher Kontroversen
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- Dissens über die Ursachen der Erderwärmung nutzt Interessengruppen (flickr.com | Hiasinho CC BY 2.0)
Im gleichen Maße wie der Expertenrat an Bedeutung für politische Entscheidungen gewinnt, steigt auch das Risiko, dass wissenschaftliche Expertisen für politische Zwecke missbraucht werden. Zweifel am wissenschaftlichen Konsens etwa über den Klimawandel zu streuen, kann sich für bestimmte Interessengruppen auszahlen.
Denn die Beantwortung der Frage nach den Gründen der Erderwärmung kann massive wirtschaftliche und soziale Konsequenzen nach sich ziehen - für die Industrie etwa ein Mehr an Regulierung, für Privathaushalte beispielsweise eine Einschränkung des Lebensstandards.
Wider besseres Wissen
Die amerikanische Wissenschaftshistorikerin und Geologin Naomi Oreskes befasst sich schon lange mit der Frage, wie wissenschaftlicher Konsens oder Dissens entstehen und welche Rolle dieser jeweils spielt. Dazu hat sie eine ganze Reihe von Essays und Büchern geschrieben und herausgebracht - zuletzt zusammen mit Erik Conway: "Merchants of Doubt. How a Handful of Scientists Obscured the Truth on Issues from Tobacco to Global Warming“. In diesem Buch argumentiert sie, dass Interessengruppen wissenschaftlichen Dissens nutzen und sogar wider besseres Wissen Zweifel an wissenschaftlichen Erkenntnissen streuen, um politische Ziele durchzusetzen. Im Falle der Debatte um den Klimawandel sei das zum Beispiel die Abwehr einer Regulierung des Marktes durch den Staat.
Beispiel Klimawandel
Ihre Recherchen und Thesen dazu hat sie am 20. März 2012 in Berlin erläutert. Ihr Vortrag "From Nuclear Winter to Climate Change - The Political Uses of Scientific Dissent“ ist Teil der Vortragsreihe "Wissenschaftliche Politikberatung“ (Teil I und Teil II), mit der die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften mit der Leibniz-Gemeinschaft die komplexen Beziehungen zwischen wissenschaftlichen Experten und Politikern in den Fokus rücken.