Politikberatung VI Gentechnik zwischen Wissenschaft und Politik
Jens Reich und Peter Weingart diskutieren mit dem Publikum
Überschreiten wissenschaftliche Berater ihre Grenzen, wenn sie in ethischen Fragen politisch Stellung beziehen? Um diese Frage drehten sich die Vorträge des vorherigen Hörsaals (4.3.2013) mit Jens Reich und Peter Weingart. Jetzt folgt die Diskussion darüber.
Wissenschaftler, so eine Äußerung der Diskutanten, neigten oft zur Selbstüberschätzung. Gerade in ihrem Fachgebiet, aber auch darüber hinaus. Und wenn dann auch noch Politiker die Empfehlungen von Expertenkommissionen ungefiltert übernähmen, sei die Demokratie gefährdet.
Zahl von Gremien und Beratungskreisen nimmt zu
In diesem Zusammenhang wurde beispielhaft auf die ursprünglich geplante „Eins-zu-Eins-Übernahme“ der Hartz-IV-Empfehlungen durch Alt-Kanzler Gerhard Schröder hingewiesen. Mittlerweile nähmen solche Kommissionen, Gremien, Fachrunden und Beratungskreise zahlenmäßig zu, so dass das Risiko für Bewertungen außerhalb von reinen Politikerrunden steige.
Mahnende Stimmen durch anerkannte Denker
"Gentechnologie im Spannungsfeld von Wissenschaft und Politik“ lautet der Titel der Veranstaltung der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, auf der Jens Reich und Peter Weingart am 11. Dezember 2012 geredet und anschließend diskutiert haben. Auch das Publikum konnte sich an der Diskussion beteiligen. Die Veranstaltung gehört zum zweiten Teil der Akademievorlesungsreihe "Wissenschaftliche Politikberatung“.
Auf dem Podium
Jens Reich ist Mediziner und Molekularbiologe. Bekannt wurde er als Bürgerrechtler in der DDR. Zwölf Jahre lang war Reich Mitglied des Nationalen und dann des Deutschen Ethikrats.
Peter Weingart hat als Professor an der Universität Bielefeld jahrzehntelang zum Verhältnis von Politik und Wissenschaft geforscht.
Die Diskussionsleitung hat Gert Wagner vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung Berlin.