Mittwoch, 19. Juni 2013

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Präzisionsschützen Im Fadenkreuz  

Scharfschützen – Was sie denken, wie sie schießen, wer sie sind.

Ein Scharfschütze visiert durch ein Zielfernrohr eine Person an.
Ein Scharfschütze visiert durch ein Zielfernrohr eine Person an. (Ryan Walker | Wikimedia CC | gemeinfrei)

Er ist allein und er ist auf einer tödlichen Mission: der Scharfschütze. Das ist zumindest das Bild, das Filme oder Ego-Shooter vom Scharfschützen oder Sniper zeichnen. Das stimmt nur zum Teil, denn meist hat der Scharfschütze jemanden an seiner Seite. Und das Töten ist nur eine seiner Aufgaben. Dennoch bleibt die Frage: warum Scharfschütze? Von Rekordhaltern, den technischen und psychischen Voraussetzungen des Berufs: unser Tagesthema.

 


Das Tagesthema ist eine Wiederholung vom 12.07.2012.
Hier finden Sie unsere Best Of Tagesthemen 2012 in der Übersicht.


 

Wenn ein Scharfschütze seinen Job korrekt erledigt, dann hört das Opfer nichts. Die Kugel fliegt nämlich schneller als der Schall. Wie weit sie fliegt, das ist – so makaber es klingt – ein internationaler Wettstreit unter Scharfschützen. "Military snipers are competitive types", heißt es dazu lakonisch im "Clausewitz"-Blog der Zeitschrift "The Economist". Der aktuelle Entfernungs-Rekord liegt bei 2475 Metern, aufgestellt durch die Erschießung zweier Taliban im November 2009 in Afghanistan durch den britischen Corporal Craig Harrison.

Heimtückische Kampfweise

Scharfschützen sind sehr effektive Kämpfer. Sie können mit wenigen Mitteln einen ganzen Trupp daran hindern weiterzuziehen, indem sie immer wieder aus unterschiedlichen Positionen zuschlagen.

Ein Präzisionsschütze des Spezialeinsatzkommandos der Berliner Polizei SEK. Ein Präzisionsschütze des Spezialeinsatzkommandos der Berliner Polizei SEK. (picture alliance | dpa | Falko Siewert)

Als heimtückische Kampfweise bezeichnen Soldaten das Vorgehen von Scharfschützen, denn sie schleichen sich an und erschießen ihren Feind aus sicherer Deckung. Deshalb darf ein gefangen genommener Scharfschütze auch nicht damit rechnen, besonders pfleglich behandelt zu werden. Wer Scharfschütze wird, muss eben auf Extremsituationen vorbereitet sein - in vielerlei Hinsicht.

Extreme Situationen

Oft werden Scharfschützen als Aufklärer in schwierigen Gebieten eingesetzt und müssen sich tagelang selbst am Leben halten. An ihrer Seite ist - wenn überhaupt - nur ihr Spotter, der Flugbahnen, Einschläge und Treffer im Blick behält.

 

Für Gott und Vaterland
Silke Hasselmann porträtiert den tödlichsten Scharfschützen der Welt.

United States Navy SEALs sind eine Spezialeinheit der US Navy. US Navy SEALs sind eine Spezialeinheit der US Navy. "SEAL" steht für Sea, Air, Land. (Sanandros | Wikimedia CC | gemeinfrei)Er ist der Rekordhalter: 160 offiziell bestätigte Kills stehen auf dem Konto von Chris Kyle. Der 38-Jährige war im Irak als Scharfschütze, als Sniper bei den Navy Seals. Seinen Dienst hat er mittlerweile quittiert, nun betreibt er eine Schule in Texas für angehende Scharfschützen und Security Mitarbeiter. Im Frühjahr 2012 ist seine Autobiografie erschienen, in der er von seinen Erfahrungen berichtet.

 


Die Technik des Gewehrs
 
Journalist Martin Schütz über die Technik von Scharfschützengewehre

Ein Bundeswehrsoldat und Scharfschütze sichert 2011 im Distrikt Charrah Darreh, nahe Kundus, Afghanistan, in der Wüste ein nächtliches FeldlagerEin Bundeswehrsoldat und Scharfschütze im Einsatz in Afghanistan. (picture alliance | dpa | Maurizio Gambarini)Rennen, anlegen, zielen, abdrücken – ganz so einfach ist es nicht, mit einem Gewehr zu schießen. Atmung und Druckpunkt, zeitlicher Verzug und Faktoren wie den Wind muss ein Schütze im Griff haben. Auch das Gewehr muss bestimmte technische Voraussetzungen erfüllen. Welche genau das sind und was einen guten Schützen ausmacht, erklärt Journalist Martin Schütz.

 

 

Cost per Kill
Katharina Schüller über die verzerrte Welt der Scharfschützen

Ein Scharfschütze im Kampfeinsatz. Ein Scharfschütze im Kampfeinsatz. (picture alliance | dpa | Maurizio Gambarini)

Die makaberste Statistik zum heutigen Tagesthema liefert die US Sniper School: Die Schule hat ausgerechnet, wie viel eine Tötung durch einen Scharfschützen kostet. Es ist eine preisgünstige Variante des Tötens. Und das ist nicht die einzige Zahl, die verstört – wenn sie denn überhaupt öffentlich ist.

 

 


"Sie sind heute die Angstmacher"
Der Waffen- und Militärexperten David Schiller über die Sonderstellung von Scharfschützen

Scharfschütze bei Straßenkämpfen in TripolisScharfschütze bei Straßenkämpfen in Tripolis (picture alliance | dpa | Christophe Petit Tesson)Scharfschützen gibt es seit der Erfindung des Gewehrs Mitte des 18. Jahrhunderts. Ihre Zahl ist gering, in den Truppen stellen sie ein kleines, gut ausgebildetes Spezialkommando dar. Im Stellungskampf während des Ersten Weltkriegs kam Scharfschützen eine wichtige strategische Bedeutung zu. Heute töten sie nicht nur - sie wirken auch als nachrichtendienstliche Beobachter und dienen der psychologischen Kriegsführung.

 

Extreme Selbsterfahrung
Der Truppen-Psychologe Florian Nasterlack erklärt, wie er Scharfschützen vorbereitet

Soldaten der US Army bei einem Trainingseinsatz.Soldaten der US Army bei einem Trainingseinsatz. (AN HONORABLE GERMAN | flickr | CC BY 2.0)Es sind extreme Situationen, denen Scharfschützen ausgesetzt sind. Dabei geht es nicht nur darum, andere Menschen mit einem gezielten Schuss zu töten. Denn Scharfschützen werden auch zur Aufklärung eingesetzt. Das bedeutet häufig: mehrere Tage allein im feindlichen Gebiet unterwegs sein, ganz auf sich gestellt. "Das muss man erst einmal aushalten", sagt der Truppen-Psychologe Florian Nasterlack, der 2010 selbst in Afghanistan war.

 



Mehr bei DRadio Wissen:

"American Sniper"
Chris Kyle kämpfte für die Navy Seals in unterschiedlichen US-Auslandseinsätzen. Nun hat er ein Buch geschrieben, das zum Bestseller wurde.
(Kultur vom 03.02.2012)

Computerspiele: Der Antikriegs-Shooter
Jochen Dreier hat unterschiedliche Shooter gespielt und analysiert, wie in Computergames getötet wird.
(Medien vom 12.07.2012)

Einmal Kampfflieger sein
Die Bundeswehr verzweifelt an den hochtrabenden Träumen ihrer Bewerber. Zwischen den Traumjobs Kampfpilot, Scharfschütze oder Hundeführerin und den Fähigkeiten der Bewerber liegen oft Welten.
(Meine Zukunft vom 10.05.2012)


Weitere Informationen:

Left, right, on target
("Clausewitz"-Blog der Zeitschrift "The Economist" vom 13.06.2012)

Im Fadenkreuz des Teufels
(Artikel auf spiegel.de vom 12.01.2012)

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