Donnerstag, 23. Mai 2013

Netzreporter /

Prekariatssurvival Neoliberale Träume und Hartz-IV-Möbel  

Von Christoph Spittler, Kooperative Berlin

Ein Trödelladen mit günstigen Möbeln für knappe Kassen.
Ein Trödelladen mit günstigen Möbeln für knappe Kassen. (flickr.com | gynti_46 CC BY-NC-SA 2.0)

Ambitioniertes Prekariat aufgemerkt: auf der Seite hartzivmoebel.de kann man sich Baupläne für Designermöbel zum Selberbasteln herunterladen. Gratis. Kostnix.

Die Möbelstücke heißen "Kreuzberg 36 chair", "Neukölln desk" oder "Beta Block" und sind Design-Meilensteinen der klassischen Moderne von Mies van der RoheGerrit Rietveld und so weiter nachempfunden. Das nonkommerzielle Projekt des Berliner Architekten Le Van Bo hat es bis zur Taiwan Design Expo gebracht.

Neo-Bohèmien

Genau das Richtige also für den verarmten mega chic-chic Neo-Bohèmien: Er kann stolz seine DIY-Holzsplitter in den Fingern vorführen und sich dann arm, aber sexy auf dem Multifunktions-Schlafsofa „SiWo" (kurz für Single-Wohnung) räkeln.

Zu teuer für Hartz IV

Allerdings bleibt am Ende die Erkenntnis: selber bauen ist immer noch teurer als Ikea, und echte Hartzler kommen bei 348 Euro Materialkosten für ein Schlafsofa wahrscheinlich auch ins Grübeln.

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