Donnerstag, 23. Mai 2013

Meine Zukunft /

Prostitution Vor Liebe blind  

Julia Fritzsche über Loverboys, eine neue Form des Zuhälters

Der rumänische Regisseur Catalin Mitulescu dreht 2011 den Film "Loverboys". Darin gerät der Loverboy über sich und seine Opfer ins Grübeln.
Schmeicheln, um den Finger wickeln, bis das Opfer verliebt ist und gefügig gemacht wird. Der Film "Loverboy" zeigt diese perfide Form der Prostitution. (Cannes Film Festival / Ho | dpa)

Loverboys haben es vor allem auf minderjährige Mädchen und junge Frauen abgesehen. Sie sprechen sie vor der Schule an oder nehmen über Facebook Kontakt mit ihnen auf. Sie spielen den Mädchen die große Liebe vor, entfremden sie ihrem Freundeskreis und der Familie, machen sie sich gefügig und zwingen sie dann zur Prostitution.

Über die Hintermänner der Loverboys ist bislang wenig bekannt, vermutlich steckt das organisierte Verbrechen hinter dieser perfiden Form der Prostitution. Denn Loverboys sind weniger Zuhälter, die eine Prostituierte schützen und dafür an den Einnahmen beteiligt sind, Loverboys halten sich Mädchen wie Sklaven, Leibeigene. Von dem durch die Prostitution verdienten Geld bekommen die Mädchen nur so viel, wie sie für Kondome, Gleitmittel, Zigaretten und Drogen benötigen.

"Du tust es für uns"

"Sie war auf jeden Fall über beide Ohren verliebt. Auch zu der Zeit, wo er sie zu dem gezwungen hat", sagt Dirk, Vater des Loverboy-Opfers Anna. Sie war 18 Jahre alt, als sie sich von einem jungen Mann täuschen ließ. Loverboys haben es vor allem auf minderjährige Mädchen und junge Frauen abgesehen und sind selbst oft nicht viel älter als 18 Jahre. Sie sprechen die Mädchen vor der Schule, im Kino, an der Imbissbude an oder nehmen per Internet Kontakt auf. Sie umwerben ihre Opfer, machen Geschenke und versprechen ihnen die große Liebe. Gleichzeitig beginnen sie, die Mädchen zu manipulieren und sie ihrem Freundes- und Bekanntenkreis sowie der Familie zu entziehen.

Vor Liebe blind

Sind die Mädchen dann in völliger Abhängigkeit des Loverboys, schnappt die Falle zu. Meist setzt der Loverboy sein Opfer zusätzlich unter Drogen, lässt es von seinen Freunden vergewaltigen. Mit Fotos der Vergewaltigung wird das Opfer erpresst und zur Prostitution gezwungen. Dabei achten Loverboys darauf, dass das Opfer weiter brav zur Schule geht und sich auch zu Hause nichts anmerken lässt.

Das Phänomen ist bisher vor allem in den Niederlanden bekannt. Seit zwei Jahren macht eine Elterninitiative auch in Deutschland darauf aufmerksam, mit bisher 350 Fällen. An jeder deutschen
Schule, an der die Inititative einen Vortrag über das Thema gehalten hat, haben sich bisher Betroffene gemeldet.



Mehr bei DRadio Wissen:

Menschenhandel: Zur Prostitution gezwungen
Stephan Oszváth hat eine ehemalige Zwangsprostituierte getroffen
(Globus vom 14.01.2013)

Prostitution: Weniger ist nackt
Über die Arbeitsbedingungen von Prostituierten am Rande der Legalität
(Agenda vom 01.06.2012)

Weitere Informationen:

Hilfeseite der Elterninitiative für Loverboy Opfer in Deutschland
(eilod.de)

Die "Loverboy"-Masche: Aufklärung ist notwendig
(weisser-ring.de)

Mit Liebe in die Falle gelockt
(zdf.de vom 03.11.2011)

Warum über Loverboys nicht geredet wird
(lawblog.de vom 17.07.2011)

"Die Mädchen sind Leibeigene"
(zdf.de vom 16.07.2011)

Loverboy - Film von Regisseur Catalin Mitulescu
(filmstarts.de)

„LOVERBOYS" - die Masche Liebe
(jetzt.sueddeutsche.de vom 05.05.2011)

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