Protest Shit happens
Webschau mit Michael Gessat
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- Protest in Spanien - einige User vertreten die Auffassung, dass dieses Ereignis in den Medien zu kurz kommt. (dpa | Kote Rodrigo)
Was passierte, nachdem User bei der Tagesschau Berichte über die Proteste in Spanien vermissten.
Es war einmal, da kam Journalismus noch sehr viel sakrosankter daher als heute. Zum einen hatten die vermeintlichen Profis in den Zeitungen, den Hörfunk- oder Fernsehsendern einen sehr exklusiven Zugang zu Nachrichtenquellen. Zum anderen war der klassische analoge Rückkanal, der Leserbrief, doch reichlich aufwendig. Mittlerweile hat der Medienrezipient über das Netz selbst Zugriff auf eine schier unübersehbare Zahl von Quellen – Auslandssender, Youtube-Videos und Blogs inklusive. Und außerdem steht allerorten der Rückkanal offen – über die Kommentarfunktion auf der Internetseite oder über die sozialen Netzwerke wie Facebook, Twitter oder Google Plus. Dieser Rückkanal ist natürlich nicht nur für Begeisterungsausbrüche offen, sondern auch für Kritik. Und nicht jede Kritik ist repräsentativ, berechtigt oder konstruktiv. Da kann es zu gewissen Kommunikationsstörungen kommen – und wenn die sehr massiv ausfallen, dann gibt es mittlerweile ein passendes Wort dazu: Shitstorm.
Shitstorm, was ist das?
Ein solcher Shitstorm ist kürzlich über die Nachrichtenredaktion im Ersten, die Tagesschau, hereingebrochen. Abgespielt hat sich das Ganze von Dienstagabend an, vorwiegend im Facebook-Auftritt der Tagesschau. Ein Ablauf der Ereignisse findet sich bei Meedia.de . Kurz zusammengefasst ärgerten sich viele User darüber, dass in der Hauptnachrichtensendung die Demonstrationen in Spanien nicht erwähnt wurden. Irgendwann sprach die Redaktion selbst von einem Shitstorm. Ein Begriff, der umstritten ist.
Viele User beschweren sich immer wieder, seriöse Medien sollten den Begriff nicht verwenden. Dann gibt es Stimmen, die das Wort als Verunglimpfung betrachten, in diesem Fall also als Verunglimpfung einer aus ihrer Sicht berechtigten Kritik – das sieht zum Beispiel auch der Blogger Ulf Kippke alias Oyabun in seinem Posting so, in dem er auch den Ablauf der Berichterstattung und der Online-Reaktionen darauf beschreibt.
Online zu schnell fürs Fernsehen
Im aktuellen Fall gab es neben den Einträgen des Tagesschau-Facebook-Teams eine Erklärung des stellvertretenden Chefredakteurs Thomas Hinrichs im tagesschau-Blog. Die Reaktionen darauf fielen wieder gemischt aus: Die Deutschen Wirtschaftsnachrichten betiteln ihren Bericht "Tagesschau verschläft Spanien-Krawalle und beschimpft Kritiker“.
Eine andere Sicht vertritt der Journalist Konrad Weber – er wundert sich ein wenig über die "Anspruchshaltung" der User, die Schnelligkeit und die Informationsfülle von Online-Quellen auch im Fernsehen abgebildet zu sehen.
Bei all dem sollte nicht vergessen werden, dass die zusätzlichen Informationen aus Internetquellen sehr wichtige Aspekte bringen können, die unter anderem die gesamte Bewertung eines Ereignisses völlig verändern. User bei Facebook haben etwa auf Videos von den Demos in Spanien hingewiesen, auf denen anscheinend zu sehen ist, wie Polizeiprovokateure sich gegenüber ihren Kollegen zu erkennen geben.