Proteste Occupy goes local
Ein Jahr nach dem Aufkeimen der Occupy-Bewegung zieht DRadio Wissen Bilanz
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- Es ist ruhiger geworden um die Occupy-Bewegung, Erfolge haben ihre Mitglieder dennoch erzielt. (picture alliance / dpa)
Vor etwa einem Jahr startete die Occupy-Bewegung in den USA. Relativ schnell fand sie prominente Fürsprecher und die Kritik am Einfluss der Banken und der Wirtschaft auf die Politk breitete sich weltweit aus. Heute sind die meisten Camps geräumt, aber die Ideen der Aktivisten sind längst nicht tot.
Die Websites, Blogs und Facebook-Seiten sind verwaist, genau wie die ehemaligen Camps, wenn sie nicht ohnehin schon von der Polizei geräumt wurden. Ein Jahr nach den weltweiten Massenprotesten ist die Occupy-Bewegung weitestgehend aus den Schlagzeilen verschwunden. Aber mit Erfolg.
Auch wenn es weniger Aktionen gibt: Occupy hat gezeigt, dass eine internationale Protestbewegung realisierbar ist, sogar ohne organisatorischen Überbau. Eine Occupy-Website listet von Aachen bis Zeulenroda mehr als 50 deutsche Occupy-Initiativen auf. Und auch politisch hat die Initiative Einfluss genommen: Um eine stärkere Regulierung der Finanzmärkte kommt die Politik nicht mehr herum.
Drei Menschen gegen die Finanzpolitik: Teilnehmer der Occupy-Proteste in Berlin. (AP)
Was von Occupy übrig blieb
Der Anthropologe und bekennende Anarchist David Graeber im Gespräch
Mitte Mai räumt die Polizei ein Occupty-Zeltlager in Frankfurt am Main. (picture alliance | dpa | Boris Roessler)David Graeber ist einer der Initiatoren und Vordenker von Occupy Wall Street. Für ihn ist die Bewegung noch längst nicht tot. Im Gegenteil - jetzt beginne die eigentliche Aufgabe erst. Graeber möchte ein System ohne Hierarchien schaffen, die Gesellschaft soll sich auf gewaltlosem Weg verändern.
Kritiker werfen ihm vor, die Occupy-Bewegung habe kein Konzept. Stimmt nicht, sagt Graeber. Occupy experimentiere mit Möglichkeiten einer direkten Demokratie. Die Proteste in den vergangenen Monaten in vielen Teilen der Welt hätten das Bewußtsein der Menschen breits verändert. Sogar US-Präsident Obama habe die Kritik der Occupy-Bewegung in seinen Wahlkampf aufgenommen. Graebers neues Buch "Inside Occupy" ist jetzt auf Deutsch erschienen.
Eingeschlafen - aber nicht tot
Hanna Ender über Aktivitäten der Occupy-Bewegung in den USA.
Occupy Wall Street war das symbolische Zentrum der Bewegung. (AP/ Kathy Willens)Die Occupy-Aktivisten setzen sich im weitesten Sinne für Gerechtigkeit ein, möchten eine Welt ohne Hierarchien schaffen. Doch der Einsatz für diese Ziele hat nachgelassen. Als der Winter kam, wurden die Camps geräumt, die Kälte vertrieb auch die Aktivsten. Ist die Occupy-Bewegung nicht mehr aus dem Winterschlaf erwacht?
Hanna Ender war im Frühjahr an der US-Westküste in Los Angeles unterwegs und hat gesehen: Occupy lebt, aber die Bewegung ist deutlich kleiner geworden und weniger sichtbar. Doch sie hat Spuren hinterlassen: in den Köpfen der Menschen. Die Debatte darüber, wie wir in Zukunft leben wollen, ist nach wie vor lebendig.
Lokale Aktionen: Occupy Köln
Paulus Müller war auf den Veranstaltungen vor Ort
In Köln ist die Occupy-Bewegung manchmal auch ein wenig jeck. (picture alliance | dpa | Rolf Vennenbernd)Occupy hat zwar in den USA begonnen, aber auch in anderen Ländern haben sich in den vergangenen Monaten Occupy-Camps gebildet - einige davon in Deutschland, etwa in Frankfurt, Berlin, Hamburg oder Köln.
Paulus Müller war auf den Veranstaltungen von Occupy-Köln und berichtet, was von der Protestbewegung in der Domstadt übrig blieb.
Proteste in Spanien: Die Begeisterung lässt nach
Reinhard Spiegelhauer über die Entzweiung der Occupy-Bewegung
Die Kapitalismus-Kritik mobilisierte voriges Jahr noch tausende Spanier. (picture alliance | dpa | Albert Olivé)In Spanien nennen sie sich die Empörten oder auch "Bewegung des 15.Mai". Und sie sind immer noch unterwegs auf den Straßen: gegen die Macht der Finanzinstitute, gegen Arbeitslosigkeit und Korruption. Doch es beteiligen sich weniger Menschen an den Protesten als im Jahr zuvor.
Auch unter den Protestlern sind sich nicht alle einig: Die einen möchten unabhängig bleiben, die anderen einen Verein gründen. Das widerspricht jedoch der Idee aus den Anfängen: wenig Angriffsfläche bieten und sich nicht von der Politik instrumentalisieren lassen.