Dienstag, 21. Mai 2013

Agenda /

Proteste Occupy goes local  

Ein Jahr nach dem Aufkeimen der Occupy-Bewegung zieht DRadio Wissen Bilanz

Occupy
Es ist ruhiger geworden um die Occupy-Bewegung, Erfolge haben ihre Mitglieder dennoch erzielt. (picture alliance / dpa)

Vor etwa einem Jahr startete die Occupy-Bewegung in den USA. Relativ schnell fand sie prominente Fürsprecher und die Kritik am Einfluss der Banken und der Wirtschaft auf die Politk breitete sich weltweit aus. Heute sind die meisten Camps geräumt, aber die Ideen der Aktivisten sind längst nicht tot.

Die Websites, Blogs und Facebook-Seiten sind verwaist, genau wie die ehemaligen Camps, wenn sie nicht ohnehin schon von der Polizei geräumt wurden. Ein Jahr nach den weltweiten Massenprotesten ist die Occupy-Bewegung weitestgehend aus den Schlagzeilen verschwunden. Aber mit Erfolg.

Auch wenn es weniger Aktionen gibt: Occupy hat gezeigt, dass eine internationale Protestbewegung realisierbar ist, sogar ohne organisatorischen Überbau. Eine Occupy-Website listet von Aachen bis Zeulenroda mehr als 50 deutsche Occupy-Initiativen auf. Und auch politisch hat die Initiative Einfluss genommen: Um eine stärkere Regulierung der Finanzmärkte kommt die Politik nicht mehr herum.

 

Drei Teilnehmer einer Demonstration gegen die Macht der Banken haben sich am Samstag (15.10.11) in Berlin vor dem Reichstag symbolisch Dollarscheine auf den Mund, die Augen und das Ohr geklebt. Drei Menschen gegen die Finanzpolitik: Teilnehmer der Occupy-Proteste in Berlin. (AP)

 

Was von Occupy übrig blieb
Der Anthropologe und bekennende Anarchist David Graeber im Gespräch

Polizisten räumen am 17.05.2012 ein auf dem Römerberg in Frankfurt am Main errichtetes Zeltlager der Occupy-Aktivisten und nehmen dabei Demonstranten fest. Die Polizei will mit einem massiven Kräfteaufgebot Ausschreitungen bei den mehrtägigen Protestaktion kapitalismuskritischer Gruppierungen unterbinden. Mitte Mai räumt die Polizei ein Occupty-Zeltlager in Frankfurt am Main. (picture alliance | dpa | Boris Roessler)David Graeber ist einer der Initiatoren und Vordenker von Occupy Wall Street. Für ihn ist die Bewegung noch längst nicht tot. Im Gegenteil - jetzt beginne die eigentliche Aufgabe erst. Graeber möchte ein System ohne Hierarchien schaffen, die Gesellschaft soll sich auf gewaltlosem Weg verändern.

Kritiker werfen ihm vor, die Occupy-Bewegung habe kein Konzept. Stimmt nicht, sagt Graeber. Occupy experimentiere mit Möglichkeiten einer direkten Demokratie. Die Proteste in den vergangenen Monaten in vielen Teilen der Welt hätten das Bewußtsein der Menschen breits verändert. Sogar US-Präsident Obama habe die Kritik der Occupy-Bewegung in seinen Wahlkampf aufgenommen. Graebers neues Buch "Inside Occupy" ist jetzt auf Deutsch erschienen.


Eingeschlafen - aber nicht tot
Hanna Ender über Aktivitäten der Occupy-Bewegung in den USA.

Ein Mitglied der "Occupy Wall Street!"-Bewegung zeigt das Peace-Zeichen, trägt eine US-Flagge und hat sich den Mund mit einer Dollar-Note verklebt.Occupy Wall Street war das symbolische Zentrum der Bewegung. (AP/ Kathy Willens)Die Occupy-Aktivisten setzen sich im weitesten Sinne für Gerechtigkeit ein, möchten eine Welt ohne Hierarchien schaffen. Doch der Einsatz für diese Ziele hat nachgelassen. Als der Winter kam, wurden die Camps geräumt, die Kälte vertrieb auch die Aktivsten. Ist die Occupy-Bewegung nicht mehr aus dem Winterschlaf erwacht?

Hanna Ender war im Frühjahr an der US-Westküste in Los Angeles unterwegs und hat gesehen: Occupy lebt, aber die Bewegung ist deutlich kleiner geworden und weniger sichtbar. Doch sie hat Spuren hinterlassen: in den Köpfen der Menschen. Die Debatte darüber, wie wir in Zukunft leben wollen, ist nach wie vor lebendig.


Lokale Aktionen: Occupy Köln
Paulus Müller war auf den Veranstaltungen vor Ort

Ein als Jeck verkleideter Demonstrant nimmt am 15.10.2011 in Köln an einer Kundgebung von "Occupy Wall Street" teil.In Köln ist die Occupy-Bewegung manchmal auch ein wenig jeck. (picture alliance | dpa | Rolf Vennenbernd)Occupy hat zwar in den USA begonnen, aber auch in anderen Ländern haben sich in den vergangenen Monaten Occupy-Camps gebildet - einige davon in Deutschland, etwa in Frankfurt, Berlin, Hamburg oder Köln.

Paulus Müller war auf den Veranstaltungen von Occupy-Köln und berichtet, was von der Protestbewegung in der Domstadt übrig blieb.


Proteste in Spanien: Die Begeisterung lässt nach
Reinhard Spiegelhauer über die Entzweiung der Occupy-Bewegung

Tausende demonstrieren in Barcelona gegen das globale Finanzsystem.Die Kapitalismus-Kritik mobilisierte voriges Jahr noch tausende Spanier. (picture alliance | dpa | Albert Olivé)In Spanien nennen sie sich die Empörten oder auch "Bewegung des 15.Mai". Und sie sind immer noch unterwegs auf den Straßen: gegen die Macht der Finanzinstitute, gegen Arbeitslosigkeit und Korruption. Doch es beteiligen sich weniger Menschen an den Protesten als im Jahr zuvor.

Auch unter den Protestlern sind sich nicht alle einig: Die einen möchten unabhängig bleiben, die anderen einen Verein gründen. Das widerspricht jedoch der Idee aus den Anfängen: wenig Angriffsfläche bieten und sich nicht von der Politik  instrumentalisieren lassen.



Mehr bei DRadio Wissen:

Das Protestjahr 2011
An vielen Orten der Welt, von Kairo bis London, von New York bis Stuttgart, hieß es 2011: "Gemeinsam gegen die Elite!"
(Agenda vom 22.12.2011)

Facebook für Occupy-Aktivisten
Facebook allein genügt vielen Nutzergruppen nicht: Die Aktivisten der Occupy-Bewegung verlangen etwa nach mehr Datenschutz.
(Medien vom 11.01.2012)

Was von Occupy Wall Street bleibt
Martina Schulte über die Occupy-Bewegung.
(Webschau vom 08.12.2011)

 

Weitere Informationen:

Authors@Google: David Graeber, Debt: The First 5,000 Years (Youtube.com)

 

Occupy Frankfurt: Camp an der EZB droht das Ende
Das Protestcamp soll bis zum 31. Juli abgebaut werden.
(fr-online.de vom 21.05.2012)

Ansichten eines aufgeschlossenen Anarchisten
In seinem neuen Buch "Inside Occupy" berichtet David Graeber von der Occupy-Bewegung.
(sueddeutsche.de vom 21.05.2012)

Willkommen im Schuldenfahrtssystem
Michael Hardt und David Graeber zu den Blockupy-Protesten in Frankfurt.
(taz.de vom 20.05.2012)

Sklaven sind wir alle!
David Graebers Kapitalismuskritik
(faz.net vom 15.05.2012)

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