Psychopharmaka Zurück zum Ich
Susanne Arlt über ein Heim, das die Medikation von Menschen mit geistiger Behinderung reduziert hat.
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- Weniger ist mehr? Die Macher des Regenbogenhauses sind davon überzeugt. (Desadaptado | flickr.com | CC BY 2.0)
Im "Regenbogenhaus" in Magdeburg können Menschen mit geistigen oder mehrfachen Behinderungen von jahrelanger Medikamentierung weg und hin zu sich selbst kommen. Durch die vielen Psychopharmaka ist ihre Identität häufig verschüttet.
80 Prozent der Bewohner des Behindertenwohnheims Regenbogenhaus in Magdeburg kommen aus den psychiatrischen Kliniken des Landes. Meistens haben sie dort schon seit Jahren Psychopharmaka bekommen - in der Regel Mittel, die sie beruhigen und Aggressionen gegen sich selbst oder andere verhindern sollen. Die Nebenwirkungen sind jedoch zahlreich und zum Teil drastisch.
Nicht einfacher, aber mehr "Ich"
Bis vor drei Jahren stellten die aufnehmenden Ärzte des "Regenbogenhauses" die Medikamentierung der Landeskliniken nicht in Frage, doch dann startete das Heim ein deutschlandweit einmaliges Projekt: Die Menge an Psychopharmaka sollte reduziert werden - auch gegen die Zweifel mancher Mitarbeiter.
Mehr man selbst sein
Die Skepsis ist mittlerweile einigermaßen verflogen: 19 geistig und mehrfach behinderte Bewohner des Heimes haben schrittweise die Menge ihrer Psychopharmaka herunter gesetzt - und sind nun wieder mehr sie selbst. Jetzt will eine Einrichtung in Baden-Württemberg die Idee sogar übernehmen und auch in Magdeburg soll trotz des offiziellen Projektendes die Reduzierung weiterlaufen.