Quecksilber Unendlich giftig
Ein gefährliches Metall, das die Menschheit nicht mehr los wird.
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- Kein gewöhliches Metall: Quecksilber ist flüssig. (p.Gordon | Flickr | CC By 2.0)
Allgegenwärtige Gefahr: Warum Quecksilber trotz aller Risiken nicht wegzudenken ist.
Es steckt in alten Zahnfüllungen, in den längst verbotenen Fieberthermometern von früher oder in den Energiesparlampen von heute, die inzwischen millionenfach von unseren Decken baumeln: Quecksilber war und ist in unserem Alltag allgegenwärtig, obwohl dieses Schwermetall hoch toxisch ist. Eine Gefahr, auf die auch der Dokumentarfilm "Bulb Fiction" hinweist, der seit Ende Mai in unseren Kinos läuft.
Auf DRadio Wissen nehmen wir das zum Anlass um zu fragen: Welche Gefahren gehen von Quecksilber aus und warum ist dieser Stoff aus der industriellen Produktion trotzdem nicht wegzudenken?
Nervengift im Licht
Über die Verwendung von Quecksilber im Alltag berichtet Ralph Heinrich Ahrens
Alles andere als harmlos: Quecksilber. (Dnn87|Wikimedia Commons|CC BY 3.0)
Das Metall Quecksilber ist eine Ausnahme: Im Gegensatz zu Metallen wie Blei, Eisen oder Gold ist es flüssig. Daher auch der Name: Quecksilber, schnelles Silber. Es wird vielfältig genutzt: als Amalgam in Zahnlöchern, in Energiesparlampen, in Industrieanlagen zur Herstellung von Chlor und zur Goldgewinnung in Afrika und Lateinamerika. Auch jedes Kohlekraftwerk pustet große Mengen des Metalls in die Atmosphäre.
All das ist nicht harmlos. Quecksilber ist ein Nervengift – und reichert sich etwa in Fischen an. Weltweit wird daher diskutiert, wie in Zukunft auf Quecksilber verzichtet werden kann.
Mit Quecksilber gegen Syphilis
Wie das Schwermetall in der Medizin eingesetzt wurde, berichtet der Medizinhistoriker Wolfgang U. Eckart
Der Einsatz von Quecksilber im Kampf gegen Syphilis hatte katastrophale Folgen. (Domiriel | flickr.com | CC BY-NC 2.0)
Quecksilber war seit dem frühen 16. Jahrhundert das maßgebliche Therapeutikum gegen Syphilis. Es galt als das Heilmittel gegen die Krankheit. Dazu wurde Quecksilber gewöhnlich auf die Haut aufgetragen oder sogar inhaliert. "Die Kaufmannsfamilie Fugger handelte mit Quecksilber und verdiente sich damit eine goldene Nase", sagt der Medizinhistoriker Wolfgang U. Eckart.
Bis zum Ersten Weltkrieg wurde die Quecksilberfettschmiere, eine graue Salbe, zur Behandlung von Syphilis eingesetzt. Die Folgen waren katastrophal: "Es sind in Europa seit der Frühen Neuzeit sicher mehr Menschen an einer Quecksilbervergiftung gestorben, als an vielen Seuchen der Geschichte zusammen", sagt der Medizinhistoriker.
Das Gift unter unseren Füßen
Wissenschaftsjournalistin Dagmar Röhrlich berichtet über Deutschlands giftige Unterwelt
Gefährlicher Sondermüll. (Mysid | Wikimedia Commons | gemeinfrei)
Aus den Augen, aus dem Sinn? Dem Problemfall Quecksilber ist mit einfachen Lösungen nicht beizukommen. Selbst wenn wir unsere Energiesparlampen ordnungsgemäß entsorgen, der Ärger mit diesem Sondermüll bleibt.
Quecksilberhaltige Abfälle werden in Untertagedeponien mehrere hundert Meter unter der Erde gelagert. Das Problem: Selbst wenn oberirdisch eines Tages Gras über die Sache gewachsen ist, bleibt der Quecksilber-Müllberg in der Unterwelt so wie er ist – giftig wie am ersten Tag.
Symptome einer Quecksilbervergiftung
Der Chemiker und Arzt Herbert Lichtnecker über körperliche Erscheinungen einer Quecksilbervergiftung
Manche Quecksilbervergiftungen lassen sich gut behandeln. (Leigh Schilling | flickr.com | CC BY 2.0)Mediziner unterscheiden bei einer Quecksilbervergiftung zwischen drei verschiedenen Darreichungsformen: Da ist zum einen das metallische Quecksilber. Es kommt etwa in Energiesparlampen oder Thermometern zum Einsatz. Anders verhält es sich mit Quecksilbersalzen und organischen Quecksilberverbindungen, dem Methylquecksilber. Letztere Form kann auch in der Natur vorkommen, zum Beispiel in Pflanzen und Gewässern.
Die ersten Symptome einer Quecksilbervergiftung: Konzentrationsstörungen und neurologische Einschränkungen. Diese Störungen äußern sich durch eine zitternde Hand oder eine veränderte Schriftart, auch Zitterschrift genannt, sagt der Chemiker und Arzt Herbert Lichtnecker.
Wenn eine Vergiftung durch metallisches Quecksilber verursacht wird, könne das gut behandelt werden, so Lichtnecker. Gefährlicher sei eine Kontamination mit organischen Quecksilberverbindungen durch Verzehr - wie bei dem Unfall in der japanischen Hafenstadt Minamata. Mitte der 50er-Jahre kamen dort über 50 Menschen durch eine Quecksilbervergiftung ums Leben. Sie hatten mit Quecksilber verseuchte Meeresfrüchte gegessen.