Mittwoch, 19. Juni 2013

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Regenbogenfamilien Wenn der Alltag nicht nur bunt ist  

Über schwule Väter und lesbische Mütter mit Kind

Regenbogenfamilie
Wenn gleichgeschlechtliche Paare eine Familie gründen. (Raphael Perez/ Flickr/ cc by-nc-sa/2.0)

Eine Familie zu gründen, ist für homosexuelle Paare kompliziert: Es gilt juristische und bürokratische Hürden zu überwinden. Samenspende, künstliche Befruchtung, Adoption - vieles ist möglich, aber nicht immer gesellschaftlich akzeptiert.

 


Das Tagesthema ist eine Wiederholung vom 05.05.2012.
Hier finden Sie unsere Best Of Tagesthemen 2012 in der Übersicht.


 

Eine Regenbogenfamilie, so schreibt der Duden seit 2009, ist eine Familie mit gleichgeschlechtlichem Elternpaar, also eine Familie, die aus zwei Müttern oder zwei Vätern und einem oder mehreren Kindern besteht.

Im Tagesthema erzählen Väter, Mütter und Kinder von ihren Erfahrungen in solch einer Familienkonstellation. Wir erläutern die gesetzlichen Rahmenbedingungen und sprechen mit einem Experten für Erbrechtsfragen bei Regenbogenfamilien.

 

Papa und Papi
Veronika Grandke hat zwei Väter und ihr Kind besucht

Zwei Väter und ein Kind sitzen am TischErst die Bürokratie, dann die Familie: zwei Väter, ein Kind. (Raphael Perez/ Flickr/ cc by-nc-sa/2.0)Fabius lebt in einer Regenbogenfamilie. Er ist zwei Jahre alt und seine Väter heißen Matthias und Christian. Sie sind seit 14 Jahren ein Paar. Und sie sind glücklich. Dass sich ihr Kinderwunsch tatsächlich erfüllt, damit hatten sie lange Zeit nicht gerechnet. Ihre einzige Chance: eine Adoption.

Nach vielen Kursen und einer Menge Bürokratie kam eines Tages ein Anruf vom Jugendamt: "Neben der Euphorie waren auch Momente des Zweifels dabei", erinnert sich Matthias. "Sind wir dem gewachsen? Brauchen wir mehr Zeit?"  Veronika Grandke hat die Regenbogenfamilie aus Dresden getroffen.

 

Einfach geht anders
Die Soziologin Marina Rupp berichtet vom Kinderwunsch homosexueller Paare

Eine Frau demonstriert für die Gleichbehandlung lesbischer Paare.Adoption ist schwierig: Auf zehn Bewerber kommt ein Kind. (alanak/ flickr/ cc by-nc-sa/ 2.0)Anonyme Samenspende, künstliche Befruchtung, Adoption - es gibt durchaus Möglichkeiten für homosexuelle Paare, Kinder zu bekommen. Einfach ist das allerdings nicht, denn eine künstliche Befruchtung ist für lesbische Paare in Deutschland nicht möglich. Dieser reproduktionsmedizinische Eingriff ist nur Ehefrauen erlaubt.

Auch schwule Lebenspartner haben es schwer: Die Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten. Darum gibt es für schwule Paare nur zwei Wege, wenn sie sich ein Kind wünschen: Entweder sie finden eine Frau, die es ihnen möglich macht, ein Kind zu bekommen. Oder sie adoptieren ein Kind. Allerdings ist die Adoption komplizierter als bei heterosexuellen Paaren. Und die Konkurrenz ist groß: Laut Statistischem Bundesamt kamen im Jahr 2009 zehn Bewerber auf ein Kind. Oft werden Ehepaare vorgezogen.


Meine Mutter und ihre Frau - eine Tochter erzählt
O-Ton-Collage von Bianca Künzel

Zwei Frauen küssen sichSchwierige Jugend mit homosexuellen Eltern. (bluemacgirl/ flickr/ cc by-nc-sa/2.0/ deed.de)Wichtige Botschaften kommen eigentlich in Hauptsätzen daher. Doch dass die eigene Mutter lesbisch ist, erwähnte die Protagonistin dieses Berichts häufig nur in einem Nebensatz. Vorsichtig ausgedrückt war das keine einfache Situation für das damals 12-jährige Mädchen, das in unserem Porträt anonym bleiben will. Als es zwei Jahre später ihren ersten Freund kennenlernte, stellt sich heraus, dass dessen Mutter ebenfalls lesbisch ist. Das machte es einfacher, erzählt die junge Frau heute, weil ihr ihre familiäre Situation nicht mehr peinlich sein musste.

Wie sie heute über das Coming-out ihrer Mutter und ihre Patchwork-Regenbogenfamilie denkt, erzählt sie bei DRadio Wissen.

 

Erbrecht in Regenbogenfamilien
Fachanwalt Stephan Konrad gibt Tipps

Ein Schirm in Regenbogenfarben Auch in Regenbogenfamilien kann geerbt werden. (VJnet/ Flickr/ cc by-nc/2.0/ deed.de)

Die Definition hört sich eigentlich eindeutig an: Kinder aus einer Ehe sind Erben ersten Grades von Mutter und Vater. Bei Kindern, die innerhalb bestehender Lebenspartnerschaften geboren werden oder adoptiert sind, gibt es weitere Konstellationen. Da kann ein Kind auch von mehr als zwei Elternteilen erben.

Der Bielefelder Fachanwalt Stephan Konrad vom Netzwerk deutscher Erbrechtsexperten erläutert in Grundzügen die Rechtslage in Regenbogenfamilien.



Mehr bei DRadio Wissen:

Gesellschaft: Im Familien-Allerlei
Es gibt viele Patchwork-Familien in Deutschland. Aber nicht immer finden die neuen Familienmitglieder problemlos zusammen.
(Tagesthema vom 31.08.2011)

Familie: Meine Eltern sind gehörlos
Schon als Kinder müssen sich die Kinder Gehörloser um ihre Eltern kümmern.
(Meine Zukunft vom 21.04.2011)

Familie: Von den Kindern verlassen
Familiäre Funkstille - Wenn Kinder den Kontakt zu den Eltern abbrechen.
(Meine Zukunft vom 21.12.2010)

Mehr zum Thema:

Eine Regenbogengeschichte
(Informationen bei bpb.de zum Thema)

Regenbogenfamilien
(Informationen des Lesben- und Schwulenverbands Deutschland LSVD)

Ein Kind, zwei Väter
(wdr5.de vom Oktober 2011)

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Kommentare 2 - 1 von 2

  • 2. biologische Ideologie oder längst Realität? @Ingo71

    Lieber Ingo1971, ich habe keine Kinder, aber ihre Zukunft sollte im Mittelpunkt der Debatte stehen, keine ideologischen Großtheorien, weder die der Konservativen, noch die der Reformer. Es gibt längst zahlreiche Regenbogenfamilien, und in ihnen gibt es zahlreiche glückliche Kinder und ganz normale Familienprobleme, aber auch ganz spezifische Fragen, viele davon sind denen von Patchworkfamilien gar nicht so unähnlich. Scheidungen, Alleinerziehende, abwesende Väter, all das sind Realitäten der Gegenwart, denen man mit biologischen Gründen nicht aus dem Weg gehen kann. In einer Welt der Fortpflanzungslogik (die Eheidee der katholischen Kirche beruht ja darauf) gab es auch Kinder, die man Alleinerziehenden weggenommen und ins Heim genommen hat. Und es gab Diskriminierung solcher Kinder von allen Seiten. Am liebsten wäre mir, man ermöglicht jedem Erwachsenen, Verantwortung für Kinder zu übernehmen, aber das braucht sicher noch Zeit. dradio Wissen zeigte den Alltag, das hat mich mehr interessiert als die Frage, wie kompatibel Geschlechtsorgane sein sollen. Auch der Alltag von Schwulen und Lesben dreht sich nicht nur um Sex, sie wollen da gar nicht so viel anderes als Sie: Teil dieser Gesellschaft sein, auch damit, Netzwerke und Familien zu bilden.

    abel 05.05.2012 10:57 Uhr

  • 1. DRadio Wissen oder DRadio Ideologie?

    "Eine Familie zu gründen, ist für homosexuelle Paare kompliziert: Es gilt juristische und bürokratische Hürden zu überwinden." Fehlt hier nicht die biologische Inkompatiblität in den Mittelpunkt zu rücken. Von Natur aus sind homosexuelle Paare unfähig gemeinsame Kinder zu zeugen. Sie besitzen weder kompatibe Geschlechtsorgane noch sonstige Anlagen damit ein Kind auf natürlichem Wege zustande kommen könnte.

    Ingo1971 04.05.2012 16:07 Uhr

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