Donnerstag, 23. Mai 2013

Hörsaal - Vorlesung der Woche /

Religion und Geschlecht Freiheit, staatlich verordnet  

Vortrag des Juristen Bijan Fateh-Moghadam über das Vollverschleierungs-Verbot

Das Bild zeigt ein Werk des Künstlers Robert Longo, es zeigt eine Frau in einer Burka, die eine Betrachterin direkt anschaut.
Das Werk 'Burka' von Robert Longo, auf der Art Cologne. (dpa | picture alliance | Oliver Berg)

Der Jurist Bijan Fateh-Moghadam analysiert im Rahmen der Ringvorlesung "Religion und Geschlecht" die Argumente für ein Verbot der Vollverschleierung von Frauen.

Frankreich und Belgien haben den Anfang gemacht: Als erste europäische Länder haben sie die Vollverschleierung in der Öffentlichkeit 2011 unter Strafe gestellt. Frauen, die dennoch Burka oder Niqab tragen, drohen Geldstrafen, in Belgien sogar Freiheitsentzug. Und auch Männer, die Frauen zur Komplett-Verhüllung zwingen, drohen rechtliche Konsequenzen.

Diskussion um Verbot des Ganzkörperschleiers

Im Rest Europas, auch in Deutschland, wird noch heftig über ein solches Verbot diskutiert, wobei diese Diskussion sich meist durch ihre starke Polarisierung und ihre Emotionalität auszeichnet. Da werden Bedrohungs-Szenarien gezeichnet, mit der Nötigung von Frauen argumentiert oder - gegenläufig - das Recht zur Verschleierung ins Feld geführt. Nicht selten benutzen Pro- und Kontra-Vertreter ein und dasselbe Argument: Während zum Beispiel die türkischstämmige SPD-Politikerin Lale Akgün durch eine Vollverschleierung die Menschenrechte verletzt sieht, prangert etwa Amnesty International das Verbot der Vollverschleierung als eine Verletzung von Menschenrechten an.

Das Bidl zeigt vier Varianten der Verschleierung: Hijab, Burka, Niqab, Chador.http://www.flickr.com/photos/collin_key/2818136714/http://www.flickr.com/photos/zonesdesign/3551073312/in/photostream/http://www.flickr.com/photos/shahdi/4713807899/http://www.flickr.com/photos/22972349@N02/2204314486/sizes/z/in/photostream/ Vier Varianten der Verschleierung, im Uhrzeigersinn: Hijab, Burka, Niqab, Chador. (Flickr: niomix2008:CC BY-NC-SA 2.0 | en-shahdi:CC BY-NC 2.0 | Joe Faizal Photographer:CC BY-NC 2.0 | Collin Key:CC BY-NC-SA 2.0)

 "Zwischen Gender Mainstreaming und Rechtspaternalismus"

Der Jurist Bijan Fateh-Moghadam analysiert sachlich die Haupt-Argumente, die für das Verbot einer Vollverschleierung im öffentlichen Raum ins Feld geführt werden und dekliniert diese sehr konsequent zu Ende. Am Ende steht seine Einschätzung, "dass eine Säkularisierung der Gesellschaft die säkularen und freiheitlichen Grundlagen europäischer Verfassungsstaaten eher bedroht als verteidigt".

Seinen Vortrag "Religiöse Neutralität und Geschlechterordnung – Europäische 'Burka-Verbote' zwischen Gender Mainstreaming und Rechtspaternalismus" hielt Bijan Fateh-Moghadam im Rahmen der Ringvorlesung "Als Mann und Frau schuf er sie - Religion und Geschlecht" des Exzellenzclusters "Religion und Politik" der Universität Münster am 7. Februar 2012 in Münster.

 

Weitere Vorträge aus dieser Reihe:

Mittwoch, 09.05.2012: "Kulturkampf als Geschlechterkampf? Grenzen der Säkularisierung im 19. Jahrhundert" - Der Historiker Manuel Borutta beantwortet die Frage, ob der Kulturkampf ein Geschlechterkampf war.



Mehr bei DRadio Wissen:

Religion und Geschlecht: Gendertheorie gegen verkrustete Kirchenstrukturen
Vortrag der Sozialethikerin Marianne Heimbach-Steins über Gendertheorie und Theologie
(Hörsaal)

Menschenrechte: Burkaverbot in Belgien
Vermummungsverbot: In Belgien ist es ab heute verboten, sein Gesicht in der Öffentlichkeit völlig oder größtenteils zu verhüllen.
(Globus vom 25.07.2012)

Frankreich: Strafen für Burka-Trägerinnen
Frauen, die in Frankreich eine Burka tragen, müssen 150 Euro Strafe zahlen oder einen Staatsbürgerkurs besuchen.
(Kultur vom 11.04.2011)

Islam: Schleier des Anstoßes Nicht nur in Europa, auch in der arabischen Welt sorgt der Gesichtsschleier für Diskussionsstoff.
(Tagesthema vom 10.09.2010)

Frankreich: Muslime zeigen, wer sie sind
In Frankreich gibt es nicht mehr nur die Gay Pride Bewegung, sondern neuerdings auch Muslim Pride. Der Name ist ein Hingucker, die Idee jedoch sehr umstritten. Vor allem unter Muslimen.
(Globus vom 20.04.2012)

Islam und Moderne - Sex, Drugs und Allah
Unter dem Schlagwort "Taqwacore" formiert sich eine muslimische Punk-Szene, Designer entwerfen Streetwear für Gläubige, auch im Hip-Hop und Rap ist Allah ein Thema. Der Islam hat viele Facetten und entwickelt unterschiedliche Ausprägungen, doch diese werden nicht von allen Muslimen akzeptiert und toleriert.
(Tagesthema vom 12.04.2012)

Weitere Informationen:

Informationen zur Ringvorlesung

Artikel zum Vortrag

Dieses Video der "Niqa-Bitches" spricht Fateh-Moghadam im Vortrag an.

Religionskritik in Frankreich: Minirock gegen Burka
(zeit.de vom 26.02.2010)

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