Satire Papst gegen Titanic
Sebastian Sonntag berichtet in der Webschau über Papst Benedikt XVI., der das Satire-Magazin Titanic zu einer Unterlassungserklärung aufgefordert hat.
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- Das verbotene Titelblatt der Titanic-Ausgabe Nummer 7, Juli 2012. (Titanic-Magazin | Bearbeitung DRadio Wissen)
Papst Benedikt XVI. fühlt sich durch das Titanic-Titelblatt in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt.
Auf dem Titelbild der aktuellen Ausgabe des Titanic Magazins ist der Papst zu sehen, der einen gelben Fleck mitten auf seinem Gewand hat. Darüber steht in großer Schrift: "Die undichte Stelle ist gefunden!"
Heft per einstweiliger Verfügung aus dem Handel
Mittlerweile ist über den meisten Kopien des Titelbilds ein schwarzer Balken über der vermeintlich undichten Stelle. Das gleiche gilt übrigens auch für die Rückseite des Magazins. Da sieht man den Papst von hinten mit einem braunen Fleck an exponierter Stelle. Wie genau der Vatikan die Klage begründen möchte, ist noch nicht klar. Im Namen von Papst Benedikt XVI. hat Erzbischof Angelo Becciu eine Bonner Anwaltskanzlei beauftragt, die Unterlassung durchzusetzen.
Reines Missverständnis
Titanic-Chefredakteur Leo Fischer glaubt, dass es sich um ein Missverständnis handelt. Daher wird Fischer auch die Unterlassungserklärung, die mit der einstweiligen Verfügung kam, nicht unterzeichnen.
Der Düsseldorfer Rechtsanwalt Udo Vetter glaubt allerdings nicht, dass der Papst mit der Klage Erfolg haben wird. Er schreibt auf Lawblog: "In ähnlich religiösem Kontext hat übrigens vor Jahren schon Jürgen Klinsmann gegen die taz verloren. Das Blatt hatte den damaligen Bayerntrainer als Jesus ans Kreuz genagelt. Selbst ein bayerisches Gericht kam nicht umhin, darin eine zulässige Satire zu sehen."
Humorloses Kirchenoberhaupt
Die Kommentatoren im Netz amüsieren sich darüber, dass der Papst das Satire-Magazin verklagt, und attestieren ihm fehlenden Humor wie Chopps auf dem Blog Blubberfisch. Die Nachrichtenseite Regensburg Digital erinnert daran, dass der Papst sich schon 2006 als "recht klagefreudig erwiesen hat". Hier bezieht man sich auf die Aktion eine Künstlergruppe in Regensburg, die am Wohnhaus des Papstes Wasser abgezapft hat, um es zu verkaufen. Damit wollten sie gegen die Vermarktung des Papstbesuches demonstrieren. Ein Journalist, der an der Aktion beteiligt war, wurde wegen Diebstahl verurteilt, nachdem der Papst Anzeige erstattet hatte.
Satire über Satire
Auf Domradio.de kommen Facebook-Fans des Senders zu Wort, die sich durchaus empört über das Titelbild zeigen. Allerdings kommt die Domradio-Redaktion auch zu dem Schluss, dass "Papst und Vatikan neue Angriffsflächen bieten".
Ein Blogger, der sich selbst Papsttreuer nennt, versucht auf seinem Blog mit einer ähnlichen Satiregeschichte - mit Titanic-Chefredakteur Leo Fischer in der Hauptrolle - zu beweisen, dass das nicht lustig ist, was Titanic da gemacht hat. Diese Satiregeschichte hat einen regelrechten Shitstorm ausgelöst, den der Blogger dann auch zum Teil veröffentlicht hat, um zu demonstrieren, auf welchem Niveau die Antworten verfasst sind. Da kann man auch als nicht so ganz Papsttreuer für die Titanic-Redaktion nur hoffen, dass das nicht die Leser des Magazins sind.