Schaltjahr Der 29. Februar
Gespräche mit dem Physiker Heinrich Hemme, Gunnar Töpfer, der heute Geburtstag feiert, und dem Wissenschaftsjournalisten Dirk Lorenzen
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- Der 29. Februar als Bonus - jedes vierte Jahr hat 366 Tage. (danielito31 | flickr.com | CC BY-NC 2.0)
Wer an einem 29. Februar das Licht der Welt erblickte, der hat nur alle vier Jahre einen echten Geburtstagstag. Für DRadio Wissen ist es das erste Schaltjahr, seit wir auf Sendung gegangen sind - ein Grund mehr, sich diesen zusätzlichen Tag im Kalender noch einmal genauer anzusehen.
Eigentlich ist die Zeitrechnung ganz einfach: Der Tag hat 24 Stunden und wird durch die Drehung der Erde um ihre eigene Achse bestimmt. Die Drehung des Mondes um die Erde beschert uns die Einteilung in zwölf Monate. Und die Drehung der Erde um die Sonne ist für den Jahresrhythmus verantwortlich.
Tückische Nachkommastellen
Die Zahlen, mit denen Astronomen die Zeit berechnen, sind allerdings nicht ganz glatt. Stellen hinter dem Komma sorgen dafür, dass das Jahr 365 Tage und "ein paar Zerquetschte" lang ist. Aber der Mensch ist ja erfinderisch, deshalb werden die "Zerquetschten" alle vier Jahre zusammengerechnet und mit dem 29. Februar ausgeglichen - sonst würde irgendwann der Flieder im November blühen. So weit, so gut. Es gibt aber noch eine Kleinigkeit: Weil es sich bei den Nachkommastellen wirklich um Feinheiten handelt, fällt das Schaltjahr alle 100 Jahre aus. Alle 400 Jahre fällt allerdings auch das Ausfallen aus. Verwirrt?
Schweden und der 30. Februar
Ein Gespräch mit dem Physiker Heinrich Hemme
Kein Witz: In Schweden gab es 1712 einen 30. Februar. (dpa)Elisabeth Andersdotter Köhler starb am 22. Oktober 1797 im schwedischen Södra Gruvan - sie war eine betagte Frau von 85 Jahren, auch wenn sie niemals auch nur einen einzigen Geburtstag feiern konnte. Denn: Andersdotter Köhler ist am 30. Februar 1712 geboren. Diesen Tag gab es nur ein einziges Mal und auch nur in einem einzigen Land: in Schweden. Was es damit auf sich hat, klärt der Physiker Heinrich Hemme.
Nur alle vier Jahre Geburtstag
Gespräch mit einem Geburtstagskind des 29. Februar: Gunnar Töpfer, Radiomoderator bei HR3
Unser Gesprächsgast feiert heute seinen neunten, richtigen Geburtstag. (macattck | flickr | cc by-nc-sa 2.0)Radiomoderator Gunnar Töpfer feiert am 29. Februar 2012 zum neunten Mal Geburtstag, obwohl er 1976 geboren wurde. Aber eben an einem 29. Februar. Er wurde im Schaltjahr 1976 geboren und kann - zumindest theoretisch - seinen echten Geburtstag nur alle vier Jahre feiern. Wie das mit einem so seltenen Geburtstag ist, erzählt er auf DRadio Wissen.
Das Jahr lässt sich nicht glatt teilen
Gespräch mit dem Wissenschaftsjournalisten Dirk Lorenzen
Die Astronomische Uhr in Prag zeigt nicht nur die Position von Sonne und Mond an. (George M. Groutas | flickr | cc by 2.0)Die Erde hechelt hinterher - zumindest hinter unserer Zeitrechnung: Sie braucht, um genau einmal die Sonne zu umrunden und am gleichen Punkt wieder anzukommen, 365 Tage und knapp sechs Stunden. Das will sich nicht mit einer Zeitrechnung decken, die dem Mensch ein Leben nach dem Kalender ermöglicht. Denn dazu braucht man ganze Tage, die sich in 24 Stunden einteilen lassen. Kurzum: Unsere Zeitrechnung braucht verlässliche, gleichmäßige und glatte Zahlen. Die Bewegung der Gestirne im Universum hat aber ihren eigenen Kopf.
Die Folge: Wenn man ein Jahr in 365 Tage einteilt, hat die Erde am Ende noch nicht ganz ihren Ausgangspunkt erreicht. Das ist für ein Jahr zwar nur ein Viertel Tag, aber nach vier Jahren fast ein ganzer und nach 750 Jahren fast ein halbes Jahr.
Schalttage: Warten auf Sonne, Mond und Erde
Die Erde dreht sich schnell, aber nicht schnell genug für den von Menschen gemachten Kalender. (RichGrundy | flickr | cc by-nc 2.0)
Das Problem ist schon seit Jahrtausenden bekannt. Mit zusätzlichen Schaltjahren im Kalender bekommt die etwas zu langsame Erde Zeit, den hinterherhinkenden Tag wieder einzuholen. Bereits im julianischen Kalender von Cäsar sind Schaltjahre eingebaut. 1582 wurde der aber überarbeitet - zum gregorianischen Kalender. Im hebräischen Kalender richtet man sich nach dem Mond. Und der ist als Zeitgeber so ungenau, dass man alle paar Jahre einen ganzen Schaltmonat braucht. Das führt den Menschen, die sich gerne auf Zahlen verlassen, vor allem eins vor Augen: Kalender sind grundsätzlich willkürlich eingeteilt. Das sagt auch Wissenschaftsjournalist Dirk Lorenzen.
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