Schildkröten 220 Millionen Jahre Panzer
Reptilien der ganz besonderen Art: Schildkröten haben über Millionen von Jahren sehr wirksame Überlebensstrategien entwickelt.
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- Schildkröten sind eine sehr alte Spezies. (Judith74/flickr cc-by-nc-sa 2.0)
Seit mehr als 220 Millionen Jahren gibt es Schildkröten - und während viele Tierarten seither wieder von der Erde verschwunden sind, haben sie alle Wandel des Klimas und der Kontinente überstanden. Ihr Erfolgsgeheimnis: Sie leben langsamer. Einer ihrer prominentesten Vertreter lebte auf den Galápagosinseln im Pazifik: Lonesome George war der letzte einer Unterart. Am 24. Juni 2012 ist er gestorben. Er wurde 100 Jahre alt, oder auch nur 70 - genau weiß es keiner.
Schildkröten gibt es fast überall auf der Welt, in den Meeren wie an Land. Auch in Deutschland findet man sie in Tümpeln und Seen. 313 Arten zählen die Biologen. Viele davon sind inzwischen vom Aussterben bedroht. In China kommen sie immer noch auf den Tisch.
So harmlos sie aussehen - einige können ganz schön zubeißen. Zu einem echten Problem werden in Deutschland immer wieder Schnappschildkröten. Diese wurden noch in den 90er-Jahren in Zoohandlungen ganz legal verkauft. Wenn sie den Besitzern irgendwann zu lästig werden, werden sie ausgesetzt und verbreiten am Badesee Schrecken.
Die Geschichte des Lonesome George
Manfred Niekisch, Direktor des Frankfurter Zoos, sagt, was der Tod des Lonesome George für die Artenvielfalt bedeutet.
Der einsame Georg, Lonesome George, Galapagos Schildkröte (David Cook Wildlife Photography/flickr cc-by-nc 2.0)Er wurde etwa 100 Jahre alt und galt als der Letzte seiner Art: Lonesome George gehörte zur Unterart Geochelone nigra abingdoni. Das 90 Kilogramm schwere Tier wurde 1972 auf der Galápagosinsel Pinta entdeckt. Alle Versuche, George zum Vater zu machen, scheiterten - die Eier der Weibchen, die mit ihm zusammenlebten, blieben alle unbefruchtet.
Erfolgsmodell Schildkröte
Wenig bewegen, viel Energie sparen – so werden Schildkröten uralt, sagt der Buchautor und Biologe Jörg Zittlau.
Schildkröte (matt.forestpath/flickr cc-by-nc-sa 2.0)Geschätzte 100 Jahre hatte der einsame Georg auf dem Panzer. Es soll sogar Schildkröten geben, die es auf über 200 Jahre gebracht haben. Warum sind sie so zäh? Weil sie behäbig sind und sparsam umgehen mit ihrem Energieverbrauch. Ein Fettpolster unter dem Schild stabilisiert ihre Körpertemperatur. So frieren sie nicht und kommen in vielen ökologischen Nischen über die Jahrzehnte hinweg.
Schildkröten im Weiher
Schnappschildkröten sind am Anfang süß, dann beißen sie richtig zu, weiß Rudolf Hoffmann von der Reptilienauffangstation München
Schnappschildkröte (Oberazzi/flickr cc-by-nc-sa) Vor etwa 15 Jahren waren sie der Renner im Münchner Tierhandel: Schnappschildkröten. Gerade mal vier bis fünf Zentimeter groß, sehr putzig und billig. Dass die Tiere aber nach zehn Jahren um die sieben bis acht Kilo wiegen und ganz schön fest zubeißen können, das haben die Händler damals verschwiegen. Also landeten viele Tiere im örtlichen Weiher und dann später in der Reptilienauffangstation München.