Schulprojekt Hansa Rostock auf dem Stundenplan
Pia Volk hat in Rostock mit Verein und Fans gesprochen.
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- Die Fans von Hans Rostock sind bekannt für Randale im und um das Stadion. (picture alliance | dpa | Arne Dedert)
Vermummte werfen Steine auf Fanbusse, greifen Profis auf offener Straße an und prügeln sich mit Polizei und gegnerischen Fangruppen. Krawalle im Fußball sorgten in jüngster Zeit immer wieder für Schlagzeilen.
In Genua wurden kürzlich mehrere Hooligans verhaftet, in den Niederlande erhielten 17 Den Haag-Fans Stadionverbot und in Polen rüstet sich der Grenzschutz kurz vor Beginn der Uefa Europameisterschaft für die Einreise gewaltbereiter Fußballfans. Unvergessen bleibt auch der Fall Nivel. Vier deutsche Hooligans hatten bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1998 den französischen Polizisten Daniel Nivel fast tot geprügelt. Die Bilder schockierten damals die Welt.
Abenteuerliche Szenen auf der Autobahn
Hierzulande machten die Fans des 1. FC Köln zuletzt immer wieder von sich reden. Anfang März hatten Kölner Ultras auf der Autobahn A 3 versucht, einen Fanbus des Erzrivalen Borussia Mönchengladbach abzudrängen. Vermummte hatten den Bus dann auf einer Raststätte angegriffen. Zu einem ähnlichen Vorfall kam es auch nach dem Auswärtsspiel gegen die Borussia am 15. April. Damals wurde ein Bus eines belgischen Fanklubs von vermummten belgischen Köln-Fans mit Steinen attackiert. Doch damit nicht genug: Ende April hatten zwei Kölner Fans dem Fußball-Profi Kadlec vom Erzrivalen Bayer Leverkusen vor einer Disco die Nase gebrochen.
Gewaltbereite Rostock-Fans
Keine Einzelfälle. Im März wurden nach einem Bundesligaspiel beim FC Augsburg Mainzer Ultras mit Dachlatten und Schraubschlüssel von Rowdys des 1. FC Kaiserslautern angegriffen. In Leipzig werden während der Fußballspiele Parkanlagen abgesperrt, weil es dort sonst zu Krawallen kommt. In Rostock kam es vor der Zweitliga-Partie gegen Frankfurt ebenfalls zu abenteuerlichen Szenen auf der Autobahn, als Vermummte die Kontrahenten mehrfach attackierten. Sie wurden der gewalttätigen Fußballfanszene von Hansa Rostock zugerechnet werden.
Fans müssen draußen bleiben
Der Verein kämpft seit Jahren mit gewaltbereiten Fans. Hansa Rostock musste wegen Fan-Ausschreitungen Auswärtsspiele mehrmals ohne seine Anhänger bestreiten und satte Geldstrafen zahlen. Im Duell gegen St. Pauli kam es am 19. November 2011 fast zum Spielabbruch. Im Hamburger Fanblock waren bengalische Feuer abgebrannt worden, worauf die Rostocker Leuchtraketen in den Gästeblock schossen. Auch nach Spielschluss gingen die Ausschreitungen weiter. Das hatte Konsequenzen für den Verein.
Geisterspiel vor leeren Rängen
Die Rostocker mussten am 18. Dezember 2011 ausgerechnet im Ost-Derby gegen Dynamo Dresden ein "Geisterspiel" bestreiten. Es war die zweite Partie in der Zweiten-Fußballbundesliga, die damit unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand. Am 26. Januar 2004 spielte bereits Alemannia Aachen gegen den 1. FC Nürnberg vor leeren Zuschauerrängen. Solche Geisterspiele sind vor allem finanziell schmerzhaft für die betroffenen Vereine.
Jungen Fans frühzeitig erziehen
Sportlich lief es für den Verein auch nicht besonders. Erst vor wenigen Tagen wurde der Abstieg in die dritte Liga besiegelt. In der niedrigeren Spielklasse dürfte das Problem mit gewaltbereiten Fans noch größer werden. Um die Anhänger - schon aus eigenem Interesse - auf lange Sicht zu erziehen, fängt der Verein nun bei den Jüngsten an und hat das Schulfach "Hansa und ich" eingerichtet. Die Kinder besuchen Fußballspiele, treffen Spieler oder entwerfen neue Fanshirts und Schals. Dieses Schuljahr läuft das Projekt "Hansa und ich"an drei Schulen in Rostock, im nächsten werden es schon sieben sein - mit insgesamt rund 100 Schülern.