Samstag, 25. Mai 2013

Kultur /

Serie: Rote Sekretäre Stalin - Der rote Zar  

Ein Beitrag von Matthias von Hellfeld

Josef Stalin, am Schreibtisch sitzend und Pfeife rauchend
Josef Stalin (Bundesarchiv | Bild 183-R80329 | CC-BY-SA)

Wie kein zweiter hat Stalin die Sowjetunion geprägt und eine brutale Herrschaft über die Satellitenstaaten ausgeübt. Aber er hat aus dem rückständigen Agrarstaat Russland nach dem Zweiten Weltkrieg neben den USA die zweite Weltmacht gemacht.


Stalin – der rote Zar

Josef Stalin wird als Iosseb Bessarionis dse Dschughaschwili am 6. Dezember 1878 im georgischen Gori geboren. Seine Jugend ist geprägt von seinem alkoholsüchtigen Vater, der ihn mehrfach schwer misshandelt. Stalin verlässt die Schule als Klassenbester und wird auf ein Priesterseminar in Tiflis vermittelt. Als 15-Jähriger kommt er in Kontakt mit einer sozialistischen Oppositionsgruppe, schmuggelt deren Schriften ins Seminar, wird erwischt und 1899 ausgeschlossen.

Kriminalität und Revolution

Die Jahre bis zur Oktoberrevolution verbringt Stalin in verschiedenen Haftanstalten, im Untergrund oder in Verbannungsorten. Dabei vermischen sich kriminelle Aktionen mit illegalen Aktivitäten für die sozialdemokratische Arbeiterpartei Russlands. Während dieser Zeit lernt er Lenin kennen, geht zeitweise ebenfalls ins Exil. 1913 kehrt er nach Russland zurück, wird erneut verhaftet und an den Polarkreis in die Verbannung geschickt. Um nicht von der zaristischen Armee eingezogen und in den Ersten Weltkrieg geschickt zu werden, bleibt er bis 1917 an seinem Verbannungsort.

Nach der Oktoberrevolution wird Stalin in der ersten bolschewistischen Regierung Kommissar für Nationalitätenfragen und Befehlshaber der Roten Armee unter der Verantwortung von Leo Trotzky. Als Lenin sich wegen seines Gesundheitszustands aus der Politik zurückziehen muss, gelingt es Stalin, seinen Einfluss ständig zu erweitern. Nach dem Tod Lenins gewinnt Stalin die parteiinternen Auseinandersetzungen um die Nachfolge.

Verfolgungen und Schauprozesse

In den folgenden Jahren treibt Stalin die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft weiter. Im Zuge der „Kulakenverfolgung" werden rund fünf Millionen Bauern ermordet, die vorher Land besessen und die Kollektivierung kritisiert oder abgelehnt haben. Aber der brutale Vernichtungswille Stalins, der all jene trifft, die sich ihm tatsächlich oder vermeintlich in den Weg stellen, macht auch vor der Partei und Roten Armee nicht Halt. In Schauprozessen werden Millionen Todesurteile oder langjährige Haftstrafen ausgesprochen.

Stalin leidet offenbar an Verfolgungswahn, er zeigt alle Zutaten einer schweren Psychose. Seine Verdächtigungen können jeden treffen, Freundschaften kennt er nicht, seinem Machterhalt ordnet er alle politischen Aktionen unter. Stalin verordnet dem Land einen dauerhaften Personenkult: Städte, Veranstaltungen oder Fabriken tragen seinen Namen. Zahlreiche Lobpreisungen werden in Zeitungen und Büchern gedruckt. Die theoretischen Schriften Stalins werden millionenfach unter die Leute gebracht und geben ihm einen ähnlichen Stellenwert wie Marx oder Lenin.

Abschluss des Nichtangriffspaktes (sogenannter Hitler-Stalin-Pakt) am 24. August 1939. Hinten links: Richard Schulze-Kossens (Ribbentrops Adjutant), Boris Schaposchnikow (Generalstabschef der Roten Armee), Joachim von Ribbentrop (dt. Außenminister), Josef Stalin, Vladimir Pavlov (sowjetischer Übersetzer); vorne: Gustav Hilger (deutscher Übersetzer) und Wjatscheslaw Molotow (sowj. Außenminister). Unterzeichnung des "Hitler-Stalin-Paktes" 1939 (Wikimedia Commons | National Archives & Records Administration 540196 | public domain) Ausschnitt aus einem offiziellen Foto von Generalsekretär Josef Stalin 1942 Der Generalsekretär - offizielles Foto 1942 (Wikimedia Commons | Library of Congress | public domain)

Alliierte Kriegskonferenz von Jalta 1945: Winston Churchill (brit. Premierminister), Franklin Roosevelt (amerik. Präsident) und Stalin (vordere Reihe, sitzend) teilen weite Teile der Welt in ihre Einflusszonen auf.Alliierte Kriegskonferenz von Jalta 1945 (Wikimedia Commons | Army Signal Corps Collection in the U.S. National Archives | public domain) 

 

 

 

 

 

 


Zweiter  Weltkrieg

Mit der Machtübertragung an Adolf Hitler am 30. Januar 1933 herrschen in zwei großen Ländern auf dem europäischen Kontinent Diktatoren. Auch wenn die Unterschiede zwischen beiden nicht größer sein können, schließen sie am 23. August 1939 einen Nichtangriffspakt. In einem geheimen Zusatzprotokoll teilen sie ferner die Einflussgebiete in Polen und dem Baltikum auf. Mit den Unterschriften unter diesen Vertrag ist der Startschuss zum Zweiten Weltkrieg gefallen. Am 1. September 1939 marschieren deutsche Truppen in Polen ein, am 17. September folgt die Rote Armee. Polen wird zwischen beiden aufgeteilt.

Aber der Frieden zwischen dem braunen und dem roten Diktator trügt. Denn am 22. Juni 1941 überfällt die deutsche Armee die Sowjetunion. Stalin fühlt sich betrogen, er zieht sich in die Privaträume des Kreml zurück und meldet sich erst zwei Wochen nach dem Überfall mit einer Radioansprache. Angesichts des schnellen Vormarsches der deutschen Wehrmacht rechnet er mit einer Niederlage. Aber der früh einsetzende Winter und die überlegene Militärmacht der Alliierten führen am 8. Mai 1945 zur deutschen Kapitulation und damit zum Sieg Stalins im „Großen Vaterländischen Krieg".

Sowjetisches Imperium

In den alliierten Kriegs- und Nachkriegskonferenzen setzt Stalin eine geostrategische Machterweiterung der Sowjetunion durch. Das Baltikum und östliche Teile Polens bleiben zwangsintegriert, weitere Staaten Osteuropas geraten unter sowjetischen Einfluss und bilden einen Puffer zu den kapitalistischen Staaten des Westens. Stalin ruft aber kein rotes Commonwealth ins Leben, sondern billigt diesen Staaten weder Eigenleben noch Freiräume zu. Er baut damit ein sowjetisches Imperium auf, sät aber gleichzeitig auch den Keim der eigenen Zerstörung.

Stalin bespitzelt zwar die eigene Bevölkerung und überzieht das Land mit Terror, dennoch ist sein Ansehen hoch. Schließlich hat er das Land erfolgreich im Zweiten Weltkrieg geführt und die Sowjetunion zur zweiten Weltmacht neben den USA etabliert. Als Stalin am 5. März 1953 stirbt, versammeln sich Hunderttausende auf dem Roten Platz in Moskau und erweisen dem roten Diktator die letzte Ehre.

Alle Beiträge unserer Serie "Rote Sekretäre" im Überblick.



Literatur:

Simon Sebag Montefiore: Der junge Stalin und Am Hof des roten Zaren. 2 Bände, S. Fischer-Verlag Frankfurt, 2005/2006

Maximilien Rubel: Stalin. Rowohlt-Verlag Reinbek, 1975

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