Mittwoch, 22. Mai 2013

Kultur /

Serie: Rote Sekretäre Tito: Partisan und Staatsmann  

Ein Beitrag von Matthias von Hellfeld

Josip Tito posiert in Militäruniform mit Pfeife, Bild aus den 1940er Jahren
Marschall Josip Tito posiert in Militäruniform, 1940er Jahre. (Former Yugoslavian Armed Forces | Wikimedia Commons | public domain)

Tito war beim Volk beliebt, pflegte den Mythos des legendären Partisanen, der seine Heimat gegen die deutschen Besatzer verteidigt hat und fügte durch eine Moskau-kritische Haltung einen weiteren Mythos - den des legendären Staatsmannes - hinzu.

Tito – Partisan und Staatsmann

Josip Broz wird am 7. Mai 1892 geboren. Seine Familie wohnt in Kroatien und hat österreichisch-ungarische, slowenische und italienische Wurzeln. Seine multi-ethnische Herkunft ist nicht untypisch für diese Region des Balkans. Der junge Josip wird Maschinenschlosser und arbeitet unter anderem in Mannheim und Wien. 1910 tritt er der Sozialdemokratischen Partei bei, wird 1913 zum Militärdienst eingezogen und ein Jahr später in den Ersten Weltkrieg geschickt. 1915 gerät er in russische Gefangenschaft. Nach der Entlassung im Februar 1917 wird er Augenzeuge der Oktoberrevolution in Moskau.

Aus Josip Broz wird Tito

Als er 1920 in das neu geschaffene Königreich Jugoslawien zurückkehrt, schließt er sich der kommunistischen Partei an, wird wegen verschiedener krimineller Delikte gesucht, verhaftet und zu mehreren Gefängnisstrafen verurteilt. Neben seiner Tätigkeit für die verbotene Kommunistische Partei Jugoslawiens ist er als Sekretär bei der Metallgewerkschaft beschäftigt. Wegen politischer Agitation wird er 1928 zu sechs Jahren Haft verurteilt. Nach seiner Entlassung nimmt er den Namen Tito an und emigriert nach Paris.

Während des spanischen Bürgerkriegs kämpft Tito auf der Seite der Republikaner. Er ist verantwortlich für die Einschleusung von mehr als 10.000 Jugoslawen nach Spanien, die in den Internationalen Brigaden kämpfen. Tito ist zuverlässiger Anhänger Stalins und wird deswegen in die Komintern gewählt, den weltweiten Zusammenschluss der kommunistischen Parteien.

 Josip Broz: 4. Mai 1928, als Gefangener des Königreichs JugoslawienMai 1928: Tito als Gefangener des Königreichs Jugoslawien (Wikimedia Commons | Military Museum Police city of Zagreb | public domain)Held des Partisanenkampfs gegen die deutschen Besatzer: Tito vorne rechts im Mai 1944.Tito (vr) während des Zweiten Weltkriegs in Jugoslawien, Mai 1944 (Slade, M J (Sgt) No 2 Army Film and Photographic Unit | Wikimedia Commons | public domain)Titos Begräbnis am 8. Mai 1980. Als Tito am 4. Mai 1980 stirbt, ist in Jugoslawien eine Ära zu Ende. Die große Zahl ausländischer Staatsgäste, die an seiner Beerdigung teilnehmen, zeigt das hohe Ansehen, das Tito in Ost und West genossen hat.Titos Staatsbegräbnis am 8. Mai 1980 in Belgrad (Wikimedia Commons | PD-YUGOSLAVIA | public domain)

 

 

 

 

Der Partisan

Nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Jugoslawien und der Invasion in die Sowjetunion im Juni 1941 taucht Tito unter und geht in den bewaffneten Widerstand. Dort erreicht er einen legendären Ruf, den er bis zu seinem Tod behalten wird: Der Partisan, der mit waghalsigen Aktionen den deutschen Besatzern das Leben schwer macht. Tito wird zum Marschall ernannt und steht seit Ende November 1943 an der Spitze der Nationalen Befreiungsbewegung Jugoslawiens.

Den Partisanen gelingt es nach 1944, weite Teile Jugoslawiens zu beherrschen und von den Alliierten als Gesprächspartner anerkannt zu werden. Tito nutzt die Gunst dieser Konstellation und lässt sich nach dem Ende des Krieges in einer Volksbefragung als Regierungschef bestätigen. In den kommenden fünf Jahren verändert er das Land in einen sozialistischen Staat.

Zwischen Ost und West

Tito bemüht sich von Anfang an um Distanz sowohl zur Sowjetunion als auch zu den Westmächten. Das macht ihn in den Augen der Kremlchefs suspekt, während westliche Staatsmänner Tito gerne in ihre Diplomatie einbinden, um einen Keil zwischen Moskau und die osteuropäischen Satellitenstaaten zu treiben. Tito herrscht in Jugoslawien wie ein Diktator, erlaubt aber gleichzeitig gewisse Freiräume für die Menschen und die unterschiedlichen Ethnien.

Tito übernimmt eine führende Rolle in der Bewegung der Blockfreien. Diese Staatengemeinschaft wird 1955 im indonesischen Bandung gegründet und bemüht sich, den bis zu 108 Mitgliedstaaten eine Stimme gegenüber den beiden großen Blöcken zu verleihen.

Kroatischer Frühling

Während Tito außenpolitisch einen auf Ausgleich bedachten Kurs verfolgt, ist er innenpolitisch unnachgiebig. Als 1971 in Kroatien Demonstranten nach mehr nationaler Eigenständigkeit rufen, unterdrückt er diesen "kroatischen Frühling" mit militärischen Mitteln. Drei Jahre später reagiert er dennoch auf die Forderungen der Kroaten, indem er eine neue Verfassung erarbeiten lässt, die den Volksgruppen im jugoslawischen Vielvölkerstaat mehr Autonomie einräumt.

Tito wird durch die neue Verfassung als Staatspräsident auf Lebenszeit mit umfangreichen Rechten ausgestattet. Aber trotz seiner unangefochtenen Stellung entzieht er sich der alltäglichen Politik immer mehr durch teilweise lange Aufenthalte auf einer der brionischen Inseln. Als Tito am 4. Mai 1980 stirbt, geht in Jugoslawien eine Ära zu Ende. Die große Zahl ausländischer Staatsgäste, die an seiner Beerdigung teilnehmen, zeigt das hohe Ansehen, das Tito in Ost und West genossen hat.

Alle Beiträge unserer Serie "Rote Sekretäre" im Überblick.



Literatur:

Gottfried Prunkl und Axel Rühle: Josip Tito. Rowohlt Taschenbuch Reinbek, 1973

Milovan Djilas: Tito - eine kritische Biographie. Molden Verlag Wien, 1980

Phyllis Auty: Tito - Staatsmann aus dem Widerstand. C.Bertelsmann-Verlag München, 1970

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