Samstag, 18. Mai 2013

Kultur /

Serie: Rote Sekretäre Walter Ulbricht - Stalins Vasall  

Ein Bericht von Matthias von Hellfeld

Walter Ulbricht sitzt am Schreibtisch.
Walter Ulbricht war von 1950 bis 1971 Generalsekretär und Erster Sekretär des ZK der SED. (Wikipedia | Deutsche Fotothek | CC BY-SA 3.0)

Die DDR war im geostrategischen Konzept der Sowjetunion der am weitesten nach Westen vorgeschobene sozialistische Staat des Ostblocks. Deshalb brauchten Stalin und seine Nachfolger einen besonders treuen Vasallen an der Spitze des Staates.

Walter Ulbricht wird am 30. Juni 1893 in Leipzig geboren. Schon als junger Mann tritt er dem Arbeiterjugendverein bei, vier Jahre später wird er Mitglied der SPD. Im Ersten Weltkrieg  kämpft er sowohl an der West- als auch an der Ostfront. 1917 verlässt Ulbricht die SPD und schließt sich der USPD (Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands) an, die gegen die Kriegspolitik der restlichen Parteien im deutschen Parlament agitiert.

Erich Honecker (l.), Gustav Husak (m.) und Walter Ulbricht winken. Gustav Husak (m.) von der tschechoslowakischen KP mit Erich Honecker (l.) und Walter Ulbricht (Bundesarchiv, Bild 183-K0614-0006-003 / CC-BY-SA) Walter Ulbricht in einem Pulk von Menschen Walter Ulbricht in einem Pulk von Menschen (Wikipedia | Deutsche Fotothek | CC BY-SA 3.0) Walter Ulbricht und Chruschtschow beim VI. Parteitag der SED 1963 in Berlin. Sie winken, greifen einander an den Händen und wedeln mit Blumensträußen. Walter Ulbricht und Nikita Chruschtschow beim VI. Parteitag der SED 1963 in Berlin (Bundesarchiv, Bild 183-B0121-0010-052 / Sturm, Horst / CC-BY-SA)

 

Weg in die Politik

Während der Weimarer Republik beginnt Ulbrichts Politikerkarriere. 1919 ist er Mitbegründer der örtlichen Kommunistischen Partei in Leipzig, 1926 wird er Abgeordneter des sächsischen Landtags, zwei Jahre sitzt er im Reichstag und wird kurz danach ins Zentralkomitee der Partei berufen. Nach der Machtübertragung an die NSDAP geht Walter Ulbricht für einige Monate in den Untergrund. Als die illegale Arbeit im Untergrund immer schwieriger wird, emigriert er nach Paris.

Von dort geht es weiter über Prag nach Moskau, wo er im Hotel Lux unterkommt. Er gilt als Gefolgsmann Stalins, verteidigt vehement den Hitler-Stalin-Pakt vom 23. August 1939, weil Hitler dadurch zu einem friedlicheren Kurs gegenüber der Sowjetunion gezwungen sei. Nach dem deutschen Überfall auf die UdSSR am 22. Juni 1941 arbeitet er in einem deutschsprachigen Radiosender, versucht deutsche Soldaten zur Kapitulation zu überreden und ist 1943 einer der Gründer des "Nationalkomitees Freies Deutschland".

Gruppe Ulbricht

Auf Stalins Geheiß wird in den letzten Kriegsmonaten in Moskau eine Gruppe zusammengestellt, die den Aufbau eines sozialistischen Staates in der sowjetischen Besatzungszone im Osten Deutschlands organisieren soll. Die "Gruppe Ulbricht“ erreicht am 30. April 1945 das zerstörte Ost-Berlin. In den folgenden Monaten treibt Ulbricht die Vereinigung von KPD und SPD voran. Sie verschmelzen am 7. April 1946 zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands - SED. Gegenüber den Funktionsträgern der SPD wird massiver Druck angewendet, der in vielen Fällen zur erzwungenen Zustimmung führt.

DDR-Gründung

Sichtbarster Ausdruck der Spaltung des europäischen Kontinents ist die Gründung von zwei deutschen Staaten: am 23. Mai 1949 in den westlichen Besatzungszonen die Bundesrepublik Deutschland und am 7. Oktober 1949 in der sowjetischen Besatzungszone die Deutsche Demokratische Republik. Nach sowjetischem Vorbild soll in der DDR ein sozialistischer Staat entstehen. Also werden Betriebe verstaatlicht, Bauernhöfe kollektiviert und die Wirtschaft einer staatlichen Planungs- und Kontrollkommission unterstellt.

Damit einher gehen repressive Maßnahmen gegen Regimekritiker und Anhänger der beiden Kirchen. Als Reaktion darauf verlassen immer mehr Menschen das Land und siedeln in die Bundesrepublik über. Als im Juni 1953 auch noch die Arbeitsnormen erhöht werden, kommt es zum Aufstand in der DDR.

VII. Parteitag der SED - 17.4.1967. Der Erste Sekretär des ZK der SED, Walter Ulbricht (rechts), begrüsst den Generalsekretär des ZK der KPdSU, Leonid Breshnew, während der Eröffnung in der Werner-Seelenbinder-Halle im Präsidium. Walter Ulbricht (r.) begrüßt Leonid Breschnew bei der Eröffnung des VII: Parteitages der SED 1967. (Bundesarchiv, Bild 183-F0417-0001-024 / Gahlbeck, Friedrich / CC-BY-SA) Vereinigungsparteitag von Kommunistischer Partei Deutschlands und Sozialdemokratischer Partei Deutschlands zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands am 21./22. April 1946 in Berlin. In der 1. Reihe (v.r.n.l.): Walter Ulbricht, Otto Grotewohl und Wilhelm Pieck bei ihrem historischen Händedruck. Walter Ulbricht, Otto Grotewohl und Wilhelm Pieck bei ihrem historischen Händedruck 1946 (Bundesarchiv, Bild 183-W0910-305 / CC-BY-SA)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

17. Juni 1953

Innerhalb weniger Stunden sind überall in der DDR Arbeiter auf den Straßen und demonstrieren für die Rücknahme der Normerhöhungen. Aber sie wollen auch demokratische Reformen und eine veränderte Wirtschaftspolitik. Drei Monate nach dem Tod Stalins sind diese Forderungen drastischer Ausdruck des Wunsches nach einer Entstalinisierung des Staates. Walter Ulbricht reagiert mit Unverständnis auf die Demonstrationen und flüchtet in die sowjetische Militärkommandantur nach Berlin-Karlshorst. Der Aufstand wird am 17. Juni 1953 von 20.000 sowjetischen und 8.000 ostdeutschen Soldaten niedergeschlagen.  

Für Ulbricht ist der 17. Juni 1953 eine traumatische Erfahrung, denn die Arbeiterschaft hat ihm und seiner Regierung unübersehbar das Vertrauen entzogen. Die sowjetische Führung gibt ihm die Schuld an den Verhältnissen, belässt ihn aber im Amt, weil sie Ulbrichts Absetzung als Zeichen der eigenen Schwäche werten.  

Mauerbau

Der "planmäßige Aufbau des Sozialismus“ führt in der DDR in den folgenden Jahren zu Versorgungsengpässen und weiteren Maßnahmen, die die Freiheit der Bürger einschränken. Walter Ulbricht beklagt gegenüber Nikita Chruschtschow die anhaltende Abwanderung von DDR-Bürgern in den Westen. Sein Vorschlag, eine Absperrung zwischen beiden deutschen Staaten zu errichten, wird im Kreml immer wieder abgelehnt. Chruschtschow verfolgt einen anderen Plan, den er erst nach Verhandlungen mit dem amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy in Wien Anfang Juni 1961 aufgibt. In der österreichischen Metropole lehnt Kennedy einen Rückzug der Alliierten aus dem Westteil Berlins entschieden ab. Der Plan, Berlin zur entmilitarisierten, freien Stadt zu machen, ist endgültig gescheitert.

Daraufhin signalisiert Chruschtschow sein Einverständnis zur Abriegelung der DDR. Am Morgen des 13. August 1961 beginnen Bauarbeiter der DDR, die Mauer in Berlin zu errichten. Für die kommenden 28 Jahre trennt dieses Bauwerk Deutsche von Deutschen. Zahlreiche Menschen werden beim Versuch erschossen, die Mauer von Ost nach West zu überwinden.

Entmachtung

In den folgenden Jahren regt sich in der SED mehr und mehr Kritik am unnahbaren Führungsstil Ulbrichts und an seiner fehlenden Reformbereitschaft. Sein Zögling Erich Honecker stellt sich Ende der 60er Jahre gegen ihn, versichert sich der Unterstützung durch den KPdSU-Generalsekretär Leonid Breschnew und stürzt Walter Ulbricht Anfang Mai 1971.

Alle Beiträge unserer Serie "Rote Sekretäre" im Überblick.



Literatur:

Mario Frank: Walter Ulbricht. Eine deutsche Biografie, Siedler-Verlag München, 2000

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