Netzphänomen Shitstorm in aller Munde
Webschau mit Martina Schulte
Wenn Mainstream-Medien über Netzphänomene berichten.
Mainstream-Medien, im Netz auch Holzmedien genannt, beschäftigen sich auffällig ausführlich mit dem Netzphänomen Shitstorm. Siehe Spiegel Online, Zeit Online, Frankfurter Rundschau und Handelsblatt.
Dummheit der Masse
In der Neuen Züricher Zeitung schreibt Miriam Meckel unter der Überschrift "Die Lautsprecher" über die jüngste Empörungsdebatte und das Netz. Verkürzt kommt sie zu dem Schluss: Wer am lautesten schreit, bekommt heute die größte Aufmerksamkeit. Meckel kritisiert, dass neben der "Weisheit der vielen" gelegentlich auch die "Dummheit der Massen" im Netz zur Sprache komme und jedes Gerücht, jede Unterstellung im Rausch der ubiquitären Verbreitung durchs Internet schnell in eine Tatsache umgemünzt werde.
Interpretationsfalle
Patrick Breitenbach meint im Blog der Karlshochschule, Frau Meckel sei da in die Interpretationsfalle getappt und man müsse nur einen Blick auf die Spiegeltitel der vergangenen Jahre werfen, um das zu begreifen.
Der Tagesspiegel sieht eine zwiespältige Rolle der Medien, die einerseits Kritik aus dem Netz aufgreifen und dokumentieren, andererseits werde ein Shitstorm einfach nur zum Medienereignis.
Patrick Breitenbach fragt, ob es ohne die Berichterstattung der klassischen Medien überhaupt eine Shitstorm gäbe. Netzempörung bekommen Unternehmen, Organisationen, Parteien und Personen sehr wohl zu spüren, wenn etwa die Facebook-Seite von McDonald einen Abend lang von erbosten Tierschützern heimgesucht wird oder die Piratenpartei sich Nazi-Vorwürfe gefallen lassen muss. Heftigen Zorn zog beispielsweise Kristina Schröder (CDU) für ihr Buch "Danke, emanzipiert sind wir selber!" auf sich, und für KTZG wurde die Netzempörung zum Gau.
Schietwetter
Um die Qualität der Shitstürme zu klassifizieren haben die Schweizer Social-Media-Forscher Daniel Graf und Barbara Schwede in einem Vortrag auf einer Social Media Marketing Konferenz eine Shitstorm-Skala vorgeschlagen, die ähnlich wie die Beaufortskala beim Wetterbereicht funktioniert. Unternehmen, die in einen Shitstorm geraten sind, können sich zudem bei der Hotline gegen Shitstorms Hilfe holen.
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