Erowid Halluzinationen aus dem Netz
Drogen sind verführerisch und illegal. Wer sie einnimmt, kann hohe gesundheitliche Risiken eingehen. Um zumindest ungefähr zu wissen, auf was man sich bei bestimmten Pillen einlässt, tauschen Nutzer auf der Internetseite Erowid ihre Erfahrungen aus.
"Irgendwann merkte ich langsam, okay, irgendwas verändert sich jetzt gerade an meinem Bewusstsein. Dann wurde mir schummrig und ich merkte, dass mein Kreislauf anfing, mir wegzusacken." - Nicolas Langlitz ist eigentlich ein ganz seriöser Professor an der New School for Social Research in New York. Sein Forschungsgebiet allerdings ist heikel. Ihn interessiert, wie Menschen mit Drogen umgehen und wie dieser Umgang - auch medial - am besten geregelt werden kann. Und um genauer zu wissen, worüber er spricht, testet er manchmal solche Substanzen an sich selbst.
"An den Wänden des Tunnels gab es so eigenartige Farbspiele..."
"Und in dem Moment bin ich dann nur noch in einen tiefen schwarzen Tunnel gefallen und immer weiter gestürzt", erzählt er. "An den Wänden des Tunnels gab es so eigenartige Farbflecken und Farbspiele und ich habe gedacht, jetzt geht alles zu Ende und ich bin völlig hilflos, ich stürze immer tiefer und tiefer. Und dann hab ich plötzlich einfach losgelassen und habe dann einfach gedacht, gut, so ist es dann jetzt und dann habe ich mich recht schnell dann wieder eingekriegt."
Was Nicolas Langlitz hier im Rahmen eines völlig legalen wissenschaftlichen Experiments erfahren hat, erleben Drogenbenutzer immer wieder unkontrolliert im Alltag. Sie probieren neue Substanzen aus, deren Wirkungen noch niemand kennt. Die Folgen sind unübersehbar. Aber das Netz, so Nicolas Langlitz, hat auf dieses Problem reagiert - mit einer selbst organisierten digitalen Drogenberatung. "Eine Reaktion darauf, um dieses Risiko zu minimieren, ist, dass man Informationen über die eigenen Selbstexperimente anschließend online stellt und anderen die Möglichkeit gibt, aus den Erfahrungen von Leuten, die das selbst schon vorher ausprobiert haben, zu lernen." Erowid sei beispielweise eine Webseite, wo Informationen von Usern ausgetauscht werden, die mit psychoaktiven Substanzen in einer Grauzone selbst Experimente betreiben, die zum Teil auch illegal sind.
Eine Art Drogenberatung im Netz
Erowid schreibt über sich selbst: "Erowid ist eine nicht-kommerzielle Organisation mit Sitz in Kalifornien, die Informationen über alle nur erdenklichen Substanzen sammelt und auf ihrer Webseite präsentiert. Durchschnittlich 55.000 Besucher surfen auf ihr täglich durch mehr als 50.000 Dokumente. Damit ist Erowid die größte und freizügigste Website dieser Art. Unsere Informationen sind Zusammenstellungen der Erfahrungen tausender Individuen: von Dogennutzern, Eltern, Mitarbeitern von Gesundheitsbehörden, von Ärzten, Therapeuten, Chemikern, Forschern, Lehrern und Juristen."
Das Wort "Erowid" basiert auf indoeuropäischen Wurzeln und bedeutet so viel wie "Weisheit der Erde".