Biologie Blattreich: Die Baumreihe
Eine DRadio-Wissen-Serie über heimische Bäume in zehn Teilen.
-
- Der Pfälzer Wald (flickr.com | Rabe Ralf CC BY 2.0)
Für die DRadio Wissen-Baumreihe hat unsere Reporterin Annegret Faber Förster, Tischler und natürlich auch Bäume getroffen.
Zehn heimische Arten stellt sie vor - und klärt dabei nicht nur, ob die Blätter gefiedert, gewimpert oder gesägt sind, die Rinde glatt oder rau ist und die Früchte zu den Nüssen, Kapseln oder Zapfen zählen - sondern auch, welche Bäume bei Vollmond leuchten, wie man Wälder im Reagenzglas züchtet und unter was für einem Baum Napoleon begraben werden wollte.
Ein Ahornblatt des Zucker-Ahorns (Crusier | Wikimedia Commons | CC BY-SA 3.0)Sein Blatt ziert die kanadische Staatsflagge, durch seinen Stamm fließt die Grundlage für süßen Sirup - und seine geflügelten Früchte sehen aus wie kleine Hubschrauber. Hierzulande wachsen vor allem Spitzahorn, Bergahorn und Feldahorn. Die mächtigen Bäume können bis zu 500 Jahre alt werden. Was wohl wäre, wenn sie ein Gedächtnis hätten? Ein reizvoller Gedanke, dem einige Forscher nachgehen.
Die Blätter einer Weide (PinkMoose | flickr | CC BY 2.0)Sie wächst so schnell, dass man ihr beim Größerwerden zuschauen kann. Ihre Zweige sind extrem biegsam und lassen sich zu Körben flechten. Früher hielten sie deshalb auch Weinfässer zusammen und Strohbündel auf dem Dach. Einst glaubte man, dass sich Hexen in den Weiden verstecken. Auch heute sind Weiden noch von Mystik umgeben: Bei Vollmond lässt sich angeblich beobachten, dass die Bäume leuchten.
Blätter einer Eiche (J Brew | Wikimedia Commons | CC BY-SA 2.0)Ihr Holz ist fest und beständig und ziert als Schrankwand deutsche Wohnzimmer. Ihre Früchte, die Eicheln, sind eine beliebte Delikatesse bei Schweinen. Aber die Eiche kann nichts erschüttern, sie überdauert mitunter viele Jahrhunderte: In Mecklenburg steht eine Eiche, die auf 1200 Jahre geschätzt wird. Ein Forscher aus Halle zieht die jungen Triebe vor: Er hat einen ganzen Eichenwald in seinem Labor gezüchtet - in Reagenzgläsern.
Die Blätter eines Walnuss-Baums (bortescristian | flickr | CC BY 2.0)Ist die Walnuss eine Nuss? Oder zählt sie doch zum Kernobst? Diese Frage konnte erst vor fünf Jahren geklärt werden. Und der Walnussbaum hat noch mehr Geheimnisse: Er hält sich mit einem Gift wild wuchernde Nachbarpflanzen und gefräßige Insekten vom Leib. Früher wurden Walnussbäume deshalb direkt neben die Häuser gepflanzt, um Mücken und andere Insekten zu vertreiben.
Blätter einer Esche (Sten Porse | Wikimedia Commons | CC BY-SA 3.0)Nach der nordischen Schöpfungsgeschichte wurde aus einer Esche der erste Mann geformt. Bis zu 40 Meter kann sie in den Himmel ragen und zählt dadurch zu den höchsten Bäumen Europas. Vom Menschen hat sie sich nie zähmen lassen, weil ihr Wurzelwerk so tief und weit durch die Erde ragt, dass sie dadurch auch Häuser schädigen kann.
Der Farbstoff Betulin färbt die Birkenborke weiß. (Olaf Schanz | flickr | CC BY-NC-SA 2.0)Die Birke ist, wie die Fichte oder die Kiefer, ein Baum, der beinahe überall wächst und als Nutzbaum bei uns Karriere gemacht hat. Die Pollen der Birke gehören zu den stärksten Heuschnupfenerregern. Vor allem in Russland gibt es ausgedehnte Birkenwälder. Der weiße Farbstoff Betulin schützt den Baum vor Frost und Feuchtigkeit. In Sibirien avancierte die Birke zum Weltenbaum. Vermutlich, weil sie eine Symbiose mit dem Fliegenpilz eingeht.
Blätter am Ast einer Silberlinde (Siebrand | Wikimedia Commons | CC BY-SA 3.0)Linden werden gerne von Blattläusen besucht, deren Ausscheidungen alles verkleben, was unter dem Baum steht. Doch nicht nur Blattläuse lieben den wohlduftenden Baum. Seit Jahrhunderten rückt der Mensch die Linde ins Zentrum des Geschehens. Linden markieren den Dorfmittelpunkt. Unter diesem Baum wurde beraten, Gericht gehalten oder getanzt. Auch in der Mitte Deutschlands wurde 1991 eine Linde gepflanzt. Und man sagt, nicht die Eiche, sondern die Linde, wäre der Baum des Volkes.
Blatt einer Rotbuche. Die Rotbuche ist der häufigste Laubbaum in deutschen Wäldern. (Willow | Wikimedia Commons | CC BY-SA 3.0)Hätte der Mensch das ursprüngliche Waldbild nicht verändert, wären die tiefen Lagen Mitteleuropas noch heute hauptsächlich von Buchen bewachsen. Ihre Früchte, die Bucheckern, sind wichtige Nahrung für Eichhörnchen, Eichelhäher und andere Tiere. Der Mensch sollte täglich nicht mehr als eine Handvoll davon essen. Sie enthalten nämlich giftige Alkaloide. Viele Bucheckern im Herbst sollen auf einen strengen Winter hindeuten. Deshalb sagen die Schweizer: "Viel Buech, viel Fluech."
Die Blätter einer Vogelbeere, die auch Eberesche genannt wird. (Xevi V | flickr | CC BY-NC-SA 2.0)Die Eberesche kennen wir alle unter dem Namen Vogelbeerbaum. 63 verschiedene Vogelarten fressen seine Früchte, die angeblich giftig sein sollen. Diese Behauptung hält sich seit Jahrhunderten, ist aber nicht wahr. Vogelbeerbäume sind bei uns heimisch und sind Futtergrundlage für viele Vogelarten. Leider wird der Baum nur noch selten angepflanzt. Vielleicht, weil sich der Aberglaube hält, dass sich Kinder mit den Früchten vergiften könnten.
Die Spitze eines Kiefernzweiges (ressaure | flickr | CC BY-NC-SA 2.0)Die Waldkiefer ist eine Pionierpflanze. Sie wächst da, wo noch alle anderen Bäume auf sich warten lassen. Der Grund: Sie ist sehr anspruchslos. Mittlerweile gehört sie zu den wichtigsten Nutzgehölzen und wächst in Deutschland auf einer Fläche von 28 Prozent. Neben der Lerche gehört die Kiefer zu den harzreichsten, einheimischen Gewächsen. Ihr Harz wird in Millionen Jahren zu Bernstein. Die Japaner verehren die Kiefer als Sitz der Götter.