Trauer Wie Menschen medial aus dem Leben scheiden
Gespräch über die Kultur der Traueranzeigen mit Professorin Eva Eckkrammer
"Oma rief, Opa kam": Todesanzeigen werden immer individueller.
Getrauert wird im Todesfall überall. Doch nicht überall wird so medial getrauert wie in Deutschland. In südlichen Ländern pinnen Angehörige Din-A4-Blätter mit der Todesnachricht an Fensterläden und Bäume, und der Brite kündet eher nüchtern von Geburt und Tod.
Getrauert wird auch virtuell
Auch vor dem virtuellen Leben macht der Ernst nicht halt. Immer öfter klopft der Tod auch an der "Pinnwand" an. Diverse Unternehmen haben sich darauf spezialisiert, die Nachlässe von Netizens zu verwalten und die Facebook- und Twitter-Profile Verstorbener zur letzten Ruhe zu geleiten.
Regeln für Traueranzeigen
Der Bundesverband der Bestatter formuliert auf seiner Webseite die Regeln für die Todesanzeige: Weil die Anzeigengröße den Preis bestimmt, ist die größte Anforderung an den Text die Kürze. Im Verlauf der Jahre ist die Würdigung des Verstorbenen der Darstellung der Trauer der Hinterbliebenen gewichen.
Todesanzeigen in der Wissenschaft
Die Todesanzeige wird in Deutschland eher mit spitzen Fingern angefasst - wissenschaftlich gesehen jedenfalls. Eine Ausnahme ist jedoch die Studie von Eva Eckkrammer: "Die Todesanzeige als Spiegel kultureller Konventionen". (Studie als pdf-Datei) Sie analysiert darin die unterschiedlichen Stilformen der Todesanzeige weltweit.
DRadio Wissen spricht mit Eva Eckkrammer, Geschäftsführende Direktorin des Romanisches Seminars an der Universität Mannheim, die Todesanzeige im Wandel der Zeit und wie Menschen medial aus dem Leben scheiden.
Der Bericht wurde erstmals am 21.04.2011 gesendet.