Dienstag, 21. Mai 2013

Agenda /

Netzphänomen Shitstorm in aller Munde  

Webschau mit Martina Schulte

Das Wort Shitstorm ist auf einem Computerbildschirm zu lesen.
Das Wort Shitstorm ist der Anglizismus des Jahres 2011. (picture alliance / dpa | Patrick Pleul)

Wenn Mainstream-Medien über Netzphänomene berichten.

Mainstream-Medien, im Netz auch Holzmedien genannt, beschäftigen sich auffällig ausführlich mit dem Netzphänomen Shitstorm. Siehe Spiegel Online, Zeit Online, Frankfurter Rundschau und Handelsblatt.

Dummheit der Masse

In der Neuen Züricher Zeitung schreibt Miriam Meckel unter der Überschrift "Die Lautsprecher" über die jüngste Empörungsdebatte und das Netz. Verkürzt kommt sie zu dem Schluss: Wer am lautesten schreit, bekommt heute die größte Aufmerksamkeit. Meckel kritisiert, dass neben der "Weisheit der vielen" gelegentlich auch die "Dummheit der Massen" im Netz zur Sprache komme und jedes Gerücht, jede Unterstellung im Rausch der ubiquitären Verbreitung durchs Internet schnell in eine Tatsache umgemünzt werde.

Interpretationsfalle

Patrick Breitenbach meint im Blog der Karlshochschule, Frau Meckel sei da in die Interpretationsfalle getappt und man müsse nur einen Blick auf die Spiegeltitel der vergangenen Jahre werfen, um das zu begreifen.

Der Tagesspiegel sieht eine zwiespältige Rolle der Medien, die einerseits Kritik aus dem Netz aufgreifen und dokumentieren, andererseits werde ein Shitstorm einfach nur zum Medienereignis.

Patrick Breitenbach fragt, ob es ohne die Berichterstattung der klassischen Medien überhaupt eine Shitstorm gäbe. Netzempörung bekommen Unternehmen, Organisationen, Parteien und Personen sehr wohl zu spüren, wenn etwa die Facebook-Seite von McDonald einen Abend lang von erbosten Tierschützern heimgesucht wird oder die Piratenpartei sich Nazi-Vorwürfe gefallen lassen muss. Heftigen Zorn zog beispielsweise Kristina Schröder (CDU) für ihr Buch "Danke, emanzipiert sind wir selber!" auf sich, und für KTZG wurde die Netzempörung zum Gau.

Schietwetter

Um die Qualität der Shitstürme zu klassifizieren haben die Schweizer Social-Media-Forscher Daniel Graf und Barbara Schwede in einem Vortrag auf einer Social Media Marketing Konferenz eine Shitstorm-Skala vorgeschlagen,  die ähnlich wie die Beaufortskala beim Wetterbereicht funktioniert. Unternehmen, die in einen Shitstorm geraten sind, können sich zudem bei der Hotline gegen Shitstorms Hilfe holen.

Linktipp:

Mit Adorno durch den Shitstorm

Ein Shitstorm, eine Troll-Frau und ein Jungunternehmer mit Reputationsnöten
Was dabei herauskommt, wenn man mit Würzburger Studenten im Internet spielt ...

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Kommentare 1 - 1 von 1

  • 1. Shitstorm auf Facebook

    Wer reale Fälle auf Facebook betrachten möchte, hier sind drei kleine Beispiele (siehe Links) und meine Gedanken zum Thema: Vorab, hier geht es um die Leute, die sich der Moral bedienen, um richtig auszuteilen. Ich zitiere mich einfach selbst: "...... Ist es die Diktatur der Informierten? Ggf. glaubt diese Gruppe, auf denen rumtrampeln zu können, die etwas weniger wissen oder auch nur leichtsinniger weise ne Kerbe bieten. Warum wird das gemacht? Weil es geht und weil man sich damit die Gesprächsführung sichert. Und weil es Aggressionen abbaut. Beispiel 1: Auf den DRadio-Seiten war ein Bericht über eine mediz. Neuheit- ein Bluttest (nix Hohlnadel), mit dem man in der Schwangerschaft einen Hinweis erhalten kann bzgl. Down-Syndrom. Wer - wie ich - den Test ok fand, dem wurde ständig unterstellt, dass er Menschen mit Behinderung gering schätzt (verkürzt dargestellt, kompl. unter: http://www.facebook.com/dkultur/posts/396290580382556). Und das wurde gemacht, damit man mich in Schritt 2 dafür angreifen konnte. Soweit so schlecht. Dann kam im DLF der Beitrag "Surfen auf der Empörungswelle" . http://www.facebook.com/deutschlandfunk/posts/355851964453123 Da hab ich von og. Fall berichtet und dabei das Wort Gutmensch verwendet. Wegen des Gebrauchs des Wortes wollte man mich auf bieten und brechen platt machen. Mein Fazit: Die Leute sind aggressiv, ich weiß auch warum, aber das führt hier zu weit. Besonders Damen nutzen die Distanz im Netz um auszuteilen, das überraschte mich. Aber jetzt nicht mehr. 3ter Fall: DLF-Beitrag "ADHS: Droht uns eine "Generation Ritalin"? " http://www.facebook.com/dkultur/posts/417023254975380. Da habe ich Zweifel angemeldet, ob dieses Medikament wirklich so oft verschrieben werden muss. Das führte zu harmlosen Beschimpfungen ("eitles Geschwätz") von Betroffenen. Wer betroffen ist, der macht keine Gefangenen. Ich kann die Lektüre der drei Fälle empfehlen. In allen Fällen gehen die Angreifen nachher nicht mehr auf Gegenargumente ein. Frau Palmers Beispiel bemüht den alten "ewigen" Israel-Palästinenser-Konflikt. Das ist nicht mal nötig. Verminte Gebiete lauern überall ! ! ! Siehe die drei Beispiele. Man darf eigentlich gar nichts mehr sagen. Wer glaubt, die Masse auf seiner Seite zu haben, oder als Betroffener keine Regeln beachten zu müssen, der teilt richtig aus." Zitat Ende. Gruß Thomas Ermentrud

    ermentrud 29.04.2012 22:24 Uhr

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