Mittwoch, 22. Mai 2013

Natur /

Atomkraft Die verlorenen Mädchen von Gorleben  

Der Biostatistiker Hagen Scherb über ungeborene Mädchen in der Nähe von Atomanlagen

Die Zahl neugeborener Mädchen nimmt in Gegenden mit Atomanlagen und Atomkraftwerken ab. Vermutlich sterben weibliche Embryonen in einer sehr frühen Phase der Entwicklung. Die potenziellen Eltern bemerken das nicht.

1995 kamen die ersten Castortransporte nach Gorleben. Seit dem ist, so Münchner Wissenschaftler, die Geburtenraten für Mädchen im direkten Umkreis des Atommülllagers drastisch zurückgegangen. Zu diesem Ergebnis kommt auch das Niedersächsische Landesgesundheitsamt, das die Zahlen der Forscher nachgeprüft hat. Rund um den Salzstock in Niedersachsen werden pro 100 Mädchen 109 Jungen geboren – im Bundesdurchschnitt beträgt das Verhältnis 100 zu 105.

Mehr Strahlung gleich weniger Mädchen?

Nun gibt es in der Wissenschaft eine Diskussion darüber, inwieweit die atomare Strahlung das Geschlecht von Neugeborenen beeinflusst. Denn nicht nur in Gorleben wurde dieses Phänomen beobachtet. Auch in der Region um Tschernobyl und im Umkreis anderer europäischer Atomkraftwerke und Atommülllagern wurden weniger Mädchen im Verhältnis zu Jungen geboren.

Vage Vermutungen

Ob und wie radioaktive Strahlung das Geschlecht von Neugeborenen beeinflusst, darüber gibt es bislang nur Vermutungen. Eine davon lautet: Gleich nach der Zeugung könnte das X-Chromosom des Vaters, das für die Entwicklung von Mädchen gebraucht wird, auch durch geringe Strahlung so stark beschädigt werden, dass der Embryo abstirbt, bevor die Mutter überhaupt merkt, dass sie schwanger ist.



Mehr bei DRadio Wissen:

Kernenergie: Zwischenlagern auf unbestimmte Zeit
Jedes Atomkraftwerk hat ein Zwischenlager - so auch das AKW Grohnde in Niedersachsen.
(Natur vom 27.07.2011)

Atommüll: 100.000 Jahre Sicherheit?
In Schweden soll das weltweit erste Atommüll-Endlager entstehen. Kritiker zweifeln allerdings an der Sicherheit der gewählten Endlagermethode mit Kupferkapseln.
(Natur vom 12.05.2011)

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Kommentare 3 - 1 von 3

  • 3. Kausalität!

    Bei einer derart niedrigen Abweichung vom Durchschnitt kann das die vielfältigsten Ursachen haben- und nicht zwingend Radioaktivität in homöopathischen Dosen, zumal es ja auch noch die Hintergrundstrahlung gibt, der wir so oder so ausgesetzt sind. Es wird sicherlich Regionen in Deutschland geben, in denen die Geburtenabweichung stärker ist als in Gorleben- und die meisten davon werden wahrscheinlich *nicht* in der Nähe kerntechnischer Anlagen liegen. Im Klartext: Das riecht sehr nach statistischen Fehlern, die unter offensichtlich suggestiven Aspekten billigend in Kauf genommen wurden. Statistik führt nicht per sé zu verwertbaren Aussagen- wir erinnern uns an den Klapperstorch-Effekt. Wissenschaftlich sauber ist sowas auf keinen Fall!

    teijo 16.05.2012 19:12 Uhr

  • 2. Da ist so nicht ganz richtig.

    Bzw. falsch interpretiert. Wenn man lange genug an den Fakten dreht und bestimmte Fakten einfach ausblendet dann kommt man zu so einem Ergebnis. Ich habe diese Statistik hier genauer unter die Lupe genommen: http://serinar.de/?p=2308

    Serinar 16.05.2012 08:48 Uhr

  • 1. mehr jungs um akw

    da hat man einen wichtigen sozialen-biologischen aspekt definitiv außer acht gelassen: die viel höhere wahrscheinlichkeit, daß es mehr jungs gibt, wenn die regelmäßiger arbeitenden und somit auch lebenden angestellten der akws, die dann auch in der nähe deren arbeitsplätze wohnenden angestellten der akws eben auch rechtzeitiger zu beginn der fruchtbarkeitsphase kinder zeugen können - DAS sind dann bekanntermaßen auch mehr männliche nachkommen! ein bekanntes aber nicht bedachter punkt also! NOCHMAL ABER GENAUER DANN!

    JonFox 15.05.2012 20:26 Uhr

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