Sitzordnung Dein Platz in der Gesellschaft
Eine Sitzordnung ist Abbild des sozialen Gefüges
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- Wer seinen Platz in der Gesellschaft gefunden hat, weiß wo er sich hinsetzen muss. (picture alliance | dpa | Arno Burgi)
Im neuen Landtag von NRW wird künftig auch die Piratenpartei Platz nehmen. Nur wo? Am äußeren linken Rand wollen die Piraten nicht sitzen, weil sie sich politisch nicht dort verorten. Lieber wollen sie zwischen Grünen und CDU Platz nehmen.
Bislang hat der Landtag aber entschieden, die Piraten am äußeren linken Rand zu platzieren. Der Streit um die Sitzordnung klingt zunächst banal. Doch dabei geht es um Konventionen und Symbolik, schließlich präsentiert die parlamentarische Sitzordnung die Positionen der politischen Parteien.
Die Symbolkraft der Sitzordnung
Auch andere Sitzordnungen haben Symbolkraft: bei Hochzeiten und im Klassenzimmer, im Stadion und in der Kirche. Das DRadio-Wissen-Tagesthema widmet sich der Funktion und Geschichte von Sitzordnungen und fragt, wie schwer es ist, sich ihrem Zwang zu entziehen.
Mein linker, linker Platz ist frei
Der Politik- und Verwaltungswissenschaftler Ulrich Sieberer erklärt, welche Fraktion wo sitzen darf
Der Plenarsaal in Düsseldorf - die Piraten würden gerne recht mittig sitzen. (Landtag NRW | Bernd Schälte | A0601/2910/094)Bloß nicht links! Sondern bitte in die Mitte! Das ist der Wunsch der Piratenpartei in Nordrhein-Westfalen. Im neuen Landtag wollen die Landtagsneulinge gerne zwischen CDU- und Grünen-Fraktion Platz nehmen, weil sie sich weder politisch links noch rechts einordnen lassen wollen.
Die Sitzordnung der Fraktion im Deutschen Bundestag und in den Länderparlamenten geht bis auf die Französische Revolution zurück. Nach dem Sturz von Napoleon Bonaparte nahm der Adel rechts und der dritte Stand links den Platz ein. Der Bundestag orientiert sich noch an dem Rechts-Links-Schema, doch dies ist nicht immer Indiz für die politische Ausrichtung der einzelnen Politiker: Ein Abgeordneter kann während einer Debatte jeden Platz einnehmen, der nicht besetzt ist. Nur die ersten Reihen sind für den Fraktionsvorstand reserviert.
Eine Hochzeit, viele Sitzordnungen
Die Hochzeitsplanerin Melanie Schmitz über die Sitzordnung bei Familienfesten
Bei Hochzeiten, insbesondere bei königlichen, gelten besondere Regeln für die Sitzordnung. (picture alliance | dpa | Fredrik Sandberg)Hochzeitsplaner stehen vor schwierigen Aufgaben: Sie müssen bei der Festlegung der Sitzordnung bestimmte Konventionen einhalten, aber auch mit viel Kreativität familieninterne Konfliktherde umschiffen.
Melanie Schmitz, Inhaberin der Hamburger Hochzeitsagentur "marry me", berichtet, welche Kriterien für sie bei der Sitzordnung eine Rolle spielen und wie sie Familienstreitigkeiten in den Griff bekommt.
Stammplatz im Leben
Die DRadio-Wissen-Statistikerin Katharina Schüller über den richtigen Platz im Leben
Seinen Platz in der Gesellschaft zu finden, dauert eine Weile. (Ed Yourdon | Flickr | cc-by-nc-sa)Studien behaupten, dass ein Sitzplatz viel über den Platz im Leben eines Menschen aussagen kann. Nicht ohne Grund wählen wir die erste, die mittlere oder letzte Reihe in der Schule, an der Universität, in Konferenzen oder aber auch im Bus aus. Auch die Anordnung der Sitzmöglichkeiten sei entscheidend für die Harmonie in Gruppen, haben Forscher festgestellt.
Wo ist also unser Stammplatz im Leben? Außerdem spricht die Statistikerin Katharina Schüller über den Gehalt einiger Studien zur Sitzordnung.
Fehl am Platz - wer neben dem Chef sitzen darf und wer nicht
Der Psychologe Michael Thiel erklärt, warum wir uns auf manchen Plätzen unwohl fühlen
Einen Stammplatz im Leben zu finden, ist keine leichte Aufgabe. (Tom Magliery | Flickr | cc-by-nc-sa)Am Arbeitsplatz und vor allem in Konferenzen gilt eine ungeschriebene Sitzordnung. Neben dem Chef nimmt in der Konferenz meist nicht der Praktikant Platz, sondern der Stellvertreter des Chefs oder derjenige, der selbst gerne Chef wäre. Landet man als Praktikant versehentlich neben dem Chefsessel, fühlt man sich unwohl - wünscht sich an einen anderen Ort.
Der Diplom-Psychologe Michael Thiel sagt dazu: "Man hat in solchen Fällen ein unsichtbares Revierverhalten missachtet und Grenzen überschritten. Man wird zu einem Außenseiter." Außerdem seien Sitzordnungen in Unternehmen und auf Arbeitsplätzen eine Art Sicherheit für alle Beteiligte - dadurch fühlten sich sowohl Mitarbeiter als auch Chefs wohl in ihrem Rollenverständnis.