Skeuomorphismus Technik von heute, Design von gestern
Moritz Metz über analoge Sounds in digitalen Geräten
-
- Skeumorphismus: Wenn das Smartphone wie Omas Telefon klingelt. (jenni from the block | flickr | CC BY 2.0)
Wenn Handy-Klingeltöne Omas altes Flurtelefon imitieren, dann spricht man von Skeuomorphismen. Das ist sinnfrei, aber gewollt. Retro-Elemente in modernen Geräten werden noch zunehmen, sagt Webdesigner Gerrit van Aaken.
Die Smartphonecam klingt nach Spiegelreflex-Kamera, das Wählgeräusch erinnert an die Wählscheibe von Omas Flurtelefon und das Löschen gelesener Mails hört sich an wie das Zerknüllen von Papier. Diese Vortäuschmanöver modernster Hosentaschentelefone nennt man Skeuomorphismen.
Kitschige Ablenkung vom Wesentlichen
Diese übernommenen Designelemente sind keineswegs sinnvoller Natur. Gerrit van Aaken ist Webdesigner in Würzburg und meint, dass Skeuomorphismen noch zunehmen werden: "Denn durch die Touchscreens, die diese Geräte haben, bestehen sie nur noch aus einem Bildschirm, sind entsprechend kühl und neutral und deswegen will man umso mehr in der Software gegensteuern und es ein bisschen hübscher, kuscheliger und heimeliger machen, damit die Geräte gemocht werden."
Folgt die Funktion der Form?
Bleibt die Frage, ob Skeuomorphismen die Funktion der digitalen Anwendung nicht auf die Einschränkungen der analogen Vorlage reduzieren. Moritz Metz über das Blättern von E-Books und Zeitungsarchiv-Apps in Holzregaloptik.