Mittwoch, 22. Mai 2013

Medien /

Social Media Multitasking lernen mit Facebook  

Der Medienjournalist Moritz Metz über Aufmerksamkeitsdefizite

Eine Krake, die mit jedem Arm eine andere Tätigkeit ausführt.
Facebook, Twitter und Co machen uns multitaskingfähig. (Xurxo Martínez | Flickr | cc-by-nc-sa-2.0)

Facebook und Co beeinflussen unsere Multitasking-Fähigkeiten, sozialen Interaktionen und die Fähigkeit sich zu fokussieren.

Mal schnell die Diplomarbeit weiter schreiben, aber erst bei Facebook nachsehen, wohin die Freunde abends feiern gehen. Kaum eine Aufgabe am Computer lösen wir noch, ohne uns zwischendurch im ewig lockenden Social-Media-Prokrastinationsbecken zu tummeln.

Ständige Unterbrechungen

Einigen Studien zufolge konnten wir vor zehn Jahren noch stolz auf eine Aufmerksamkeitsspanne von zwölf Minuten zurückblicken, inzwischen soll sie bei fünf Sekunden liegen, das sagt zumindest eine vielzitierte Infografik im Internet. Schuld daran seien offenbar ständige Unterbrechungen durch eingehende Tweets, SMS oder Facebook-Nachrichten. Der Medienjournalist Moritz Metz sagt im Gespräch bei DRadio Wissen, dass es sich bei der zitierten Statistik vermutlich um eine Fälschung handele.

Mehr Eindrücke in der gleichen Zeitspanne

Die Nutzung sozialer Medien nehme zwar rapide zu, die Aufmerksamkeitsspanne der Menschen sei aber keineswegs auf nur fünf Sekunden geschwunden. Vielmehr seien wir mit einer informativen Vielfalt konfrontiert, die es zu verarbeiten gelte. Das Gehirn muss also in der gleichen Zeit einfach mehr leisten.

Internet macht entscheidungsfreudiger

Einige Studien behaupten sogar, dass Menschen, die das Internet nutzten, es leichter hätten Probleme zu lösen und  entscheidungsfreudiger seien. Dem gegenüber steht die Tatsache, dass das Internet Menschen dazu verführe, Eindrücke nur noch in Form von kleinen Dosen zu verarbeiten. Einen Vorteil habe das Ganze, sagt Moritz Metz: Die abnehmende Konzentrationsfähigkeit habe nämlich zur Folge, dass wir schneller mehr Dinge erledigen könnten.

Der Autor Nicholas Carr über das Internet und die Konzentrationsfähigkeit


Nicholas Carr's 'The Shallows: What the Internet Is Doing to Our Brains'  (PBS Newshour | Youtube)



Mehr bei DRadio Wissen:

Abstumpfen durch Computerspiele
Eine Studie der Universität Bonn hat untersucht, wie gewalthaltige Computerspiele die Hirnaktivität beeinflussen.
(Medien vom 30.12.2011)

Weitere Informationen:

Social Media: Die Nutzung von Social Media beeinflusst unser Gehirn!
(thomashutter.com vom 10.04.2012)

The Spooky Case of the Disappearing Crap Science Article
(Neuroskeptic vom 26.11.2008)

Infographic creators have a 5 second attention span
(Halfblog vom 15.12.2011)

How we connect and thrive through emerging technologies.
(Psychology Today vom 22.05.2010)

Hilfe, unser Gehirn verändert sich
(ctrl-verlust.de vom 02.06.2010)

Is computer use changing children?
As the age at which children start to get familiar with computers, questions are starting to be asked about what that exposure is doing to our children's brains.
(bbc.co.uk vom 15.08.2008)

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