Soziale Beziehungen Feindschaften
Wenn Feindschaft zum Lebenselixier wird
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- Born to be wild oder einfach nur gemeinsam sind wir stark? Die ganz harten Jungs der Hells Angels. (picture alliance / dpa/Ingo Wagner)
Die Hells Angels sind die Feinde der Bandidos. Deren Aachener Niederlassung wurde am 26. April durchsucht und geschlossen, die Bande verboten. Rockerbanden oder auch Fußballfans stärken durch Feindbilder die eigene Identität. Denn innerhalb einer verschworenen Gruppe lassen sich Vorurteile und die eigene Überlegenheit bestätigen. Doch treffen die verfeindeten Individuen einzeln aufeinander, wissen sie manchmal nicht mehr, wieso sie sich hassen.
Besonders extreme Feindbilder pflegen verfeindete Rockerbanden wie die vor kurzem verbotenen Bandidos und die Hells Angels. Die Angehörigen beider Gruppen sehen in den jeweils anderen den Feind schlechthin. Solange diese Banden bestehen, werden sie sich in tiefer Feindschaft gegenüberstehen.
In der Tierwelt ideologiefrei - beim Menschen Identität stiftend
Nach einem ähnlichen Muster verlaufen die Fan-Feindschaften im Sport. Gerade im Fußballsport häufen sich derzeit die gewalttätigen Ausschreitungen vor oder nach den Spielen unter den verfeindeten Fan-Clubs. Diese Feindschaften sind ideologisch begründet oder haben sich durch familiäre Traditionen gefestigt.
In der Tierwelt wiederum ist das anders. Dort gibt es handfeste Gründe für Feindschaft: Nahrungsmittelknappheit, Konkurrenz um Futter und die Herrschaft im Rudel.
Logo der Hells Angels (dwhartwig|Flickr|CC BY 2.0)
Feindschaft in der Natur
Der Biologe Jörg Zittlau über Feindschaften in der Tierwelt, die ideologiefrei aber notwendig sind
Nicht immer siegt der Größere. (Flickr.com | peretzp | CC BY-SA 2.0)Im Gegensatz zu Menschen lassen sich Tiere nicht vor den Karren einer Ideologie spannen. Sie bekämpfen sich aus nachvollziehbaren Gründen: Nahrung, Revierkämpfe und Herrschaft innerhalb des Rudels. Feindschaft ist bei Tieren Teil ihrer Überlebensstrategie und sie kennt keine Grenzen - weder vor Angehörigen anderer Tierarten noch vor der eigenen Art. Der Biologe Jörg Zittlau berichtet über Verhaltensweisen in der Tierwelt – von echter Feindschaft bis zu Gemeinheiten, die Tiere einander, aber auch Menschen antun können.
Berühmte Musikfeindschaften
Die Musikszene verfällt in Subgenres, die musikalischen Fehden sind vorbei, so Klaus Walter, Moderator bei ByteFM
Auch in der Musik gibt es Feindschaften. (Flickr.com | AndYaDontStop | CC BY 2.0)In den frühen 1990er-Jahren zeichnete sich die amerikanische HipHop-Szene durch eine starke Rivalität zwischen Westcoast und Eastcoast aus. Der HipHop-Krieg gipfelte in den Morden an den Rappern Tupac Shakur (Westcoast) und Notorious B.I.G. (Eastcoast). Damals waren die Grenzen und damit die Feindschaft klar umrissen.
Das ist heute anders: Die Musikszene hat sich in unzählige kleine Subgenres zersplittert. Einen Dualismus wie einst zwischen Punks und Poppern aufzuspüren, ist schwieriger geworden. Klaus Walter, Moderator beim Hamburger Musiksender ByteFm, sagt: "Man kann heute im Grunde sein ganzes musikalisches Dasein fristen, indem man sich auf einen ganz speziellen Zweig der Dubstep- oder der Neofolk-Spezialität kapriziert." Im Gespräch mit Walter gehen wir der Frage nach, wie sich Feindschaft musikalisch ausdrückt, und welchen Identitätsgewinn man durch ein eigenes musikalisches Feindbild haben kann.
Feindschaft als Glücksbringer
Der Sozialpsychologe Ulrich Wagner über die Konstruktion und den Nutzen von Feindbildern
Auch Fußballfans pflegen ihre Feindschaften. (dpa | picture alliance | Uwe Anspach)Die Fans der Fußballvereine Schalke und Dortmund sind Erzfeinde. Ähnliches gilt für Köln und Mönchengladbach. Doch wofür das Ganze? Ulrich Wagner, Professor der Sozialpsychologie an der Universität Marburg sagt: "Wer sich ein Feindbild konstruiert, schärft die eigene Identität. Und werden die Feinde bekämpft, sorgt das sogar dafür, die eigene Angst zu mildern."
Konstruierte Feindschaften als Phänomen der Gruppe
Wieso Gruppen von Feindbildern profitieren, darüber spricht der Soziologe Armin Nassehi
Auch im Sport ist der Zusammenhalt der Gruppe entscheidend. (fat dad | flickr | cc by-nc-sa 2.0)In der Gruppe wird die Feindschaft in Abgrenzung zu anderen Gruppen gepflegt: Die Konstruktion des "bösen Anderen" funktioniert so gut, weil Klischees und Vorurteile gegenseitig bestätigt werden. "Sobald sich die eigentlich befeindeten Individuen aber persönlich und einzeln gegenüber sitzen, wissen sie plötzlich nicht mehr, was sie am anderen doof finden sollen", sagt Armin Nassehi, Professor der Soziologie an der LMU München.
Die Feindschaft ist also häufig ein Konstrukt der Gruppe. Als Beispiel nennt Nassehi die Ökumene, in der Einzelpersonen sehr wohl gut zusammenarbeiten. Eine Konstruktion von Feindbildern lohnt sich auch für Staaten. Denn wenn klar ist, wer der Böse ist, ist die eigene Identität gestärkt. "Im Krieg ist die Gesellschaft am besten integriert", so Nassehi weiter.