Sonntag, 19. Mai 2013

Hörsaal /

Soziale Medien II Obama-Effekt nicht übertragbar  

Politikwissenschaftler Christoph Bieber über die strategische Nutzung sozialer Netzwerke in der Politik

Der Screenshot des Twitter-Account von US-Präsident Barack Obama zeigt nach der Wiederwahl am 07.11.2012 den Tweet "Four more years", der innerhalb von zehn Stunden von 96.586 auf 645.310 Retweets anstieg.
US-Präsident Barack Obama ist in den sozialen Netzwerken stark vertreten. Nach seiner Wiederwahl twitterte er ein Bild mit seiner Frau. (picture alliance / dpa | Twitter)

In den USA entwickelte das Team um Kandidat Barack Obama im Wahlkampf 2008 erfolgreiche Social Media-Strategien. Den Obama-Effekt versuchten weltweit Kandidaten für ihren Wahlkampf zu kopieren, aber meist ohne Erfolg.

Die Spitzenkandidaten im Bundestagswahlkampf 2013, Angela Merkel (CDU) und Peer Steinbrück (SPD), würden gerne vom Obama-Effekt profitieren. Bislang sind ihre Social Media-Strategien nicht vom gleichen Erfolg gekrönt. Angela Merkel hat immerhin 235.000 "Likes" auf ihrem Facebook-Account, Peer Steinbrück ist mit rund 20.000 weit abgeschlagen. Doch Merkels Ansprache auf Facebook ist eher trocken und unpersönlich. Peer Steinbrück wagt schon mal ein Du oder schreibt in Ich-Form, aber der Funke will auch hier nicht überspringen.

Wie können Social Media-Strategien erfolgreich sein?

Außer gelungenen Social Media-Strategien, wie sie das Wahlkampfteam von US-Präsident Obama entwickelt hat, sind eine gute Internet-Durchdringung und eine entsprechende Nutzerkultur Voraussetzung für den Erfolg, erklärt Politikwissenschaftler Christoph Bieber. Weil diese beiden letzten Bedingungen in Europa zum Beispiel nicht so gegeben sind wie in den USA, bleibt der Obama-Effekt aus. 

Weiterentwicklung von Social Media-Konzepten

Christoph Bieber hielt seinen Vortrag  "The State of the Social Media - Was kommt nach dem Obama-Effekt?" am 20. November 2012 im Rahmen der Ringvorlesung "#WishYouWereHere - Open Technologies / Social Media" der Ruhr-Universität Bochum in Zusammenarbeit mit dem C60 | Collaboratorium für kulturelle Praxis. Bieber hat seit Mai 2011 die Johann-Wilhelm-Welker-Stiftungsprofessur für Ethik in Politikmanagement und Gesellschaft an der Universität Duisburg-Essen inne. 

Zu Biebers Forschungsinteressen gehören unter anderem Medien und Demokratie, Wahlen und Wahlkampf sowie Internet und Politik. Zuletzt hat er gemeinsam mit Claus Leggewie den Band "Unter Piraten. Erkundungen in einer neuen politischen Arena" herausgegeben.



Weiterer Vortrag dieser Reihe:

Soziale Medien I: Vernetzt mit Freunden
Der Medienwissenschaftler Oliver Leistert versucht das Phänomen Facebook theoretisch zu erklären.

 

Mehr bei DRadio Wissen:

Peerblog: Ausgebloggt
Sebastian Sonntag in der Webschau über das Ende einer PR-Aktion
(Agenda vom 11.02.2013)

Digitale Politiker: Der Mempräsident
Tobias Lenartz über den twitternden US-Präsidenten
(Netzreporter vom 26.11.2012)

US-Wahl 2012: Wahlkampf im Netz
Michael Meyer über die Internetkampagnen der US-Präsidentschaftskandidaten
(Medien vom 19.10.2012)

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