Mittwoch, 19. Juni 2013

Agenda /

Soziale Netzwerke Kinderfotos bei Facebook  

Webschau mit Thomas Reintjes

Persönliche Daten europäischer Bürger sollen künftig besser geschützt sein.
Welche Fotos gehören ins Netz und welche nicht? (picture alliance / dpa / Oliver Berg)

Gehören Kinderfotos ins Netz? Immerhin können sich die Kinder kaum dagegen wehren und kennen die Folgen nicht. Welche Rolle kommt den Eltern zu? Wie kommen Lehrer auf die Idee, Schüler auszuschließen, weil ihr Bild nicht ins Netz soll? Und sollten Schulen und Kindergärten überhaupt Facebook-Auftritte haben?

Die Goslarsche Zeitung meldete: "Die Wurmbergschule in Braunlage hat jetzt sechs Schüler von einer Schulstunde mit einem Geschichtenerzähler ausgeschlossen, weil deren Eltern nicht wollten, dass Fotos von ihren Kindern bei Facebook veröffentlicht werden sollten. Stattdessen mussten die Schüler in anderen Klassen Unterricht mitmachen."

Einverständnis der Eltern nötig

Die kleine Randnotiz aus der Lokalzeitung führte im Netz zu zahlreichen Diskussionen. Andere Journalisten griffen die Meldung auf, zum Beispiel das Computermagazin golem.de. Golem stellt klar: "Grundsätzlich müssen Eltern gefragt werden, bevor Bilder ihrer Kinder auf Facebook gepostet werden dürfen. Die Betroffenen müssen vorher über die Risiken wie weltweite Abrufbarkeit, Veränderbarkeit und Nutzung in anderen Zusammenhängen ausreichend informiert werden und schriftlich ihr Einverständnis erklären."

Facebook-Fotos standen im Vertrag mit dem Sponsor

Spiegel Online hat die Schulleiterin der Wurmbergschule in Braunlage interviewt. Demnach gab es wohl einen Sponsor, der den Geschichtenerzähler in die Schule geschickt hat. Und im Vertrag mit dem Sponsor stand etwas von den Facebook-Fotos. Dementsprechend gab es einen Brief an die Eltern mit einer Einverständniserklärung zur Veröffentlichung der Fotos. Dazu, dass die Kinder ohne Einverständniserklärung ausgeschlossen wurden, schreibt Spiegel Online: "In anderen Fällen, zum Beispiel bei einer Fernsehaufzeichnung, würde das wohl ähnlich laufen, eine Empörungswelle gäbe es in so einem Fall womöglich nicht." Die Schulleiterin sagte zu Spiegel Online, zur Lesung sei übrigens letztendlich gar kein Fotograf gekommen. Veröffentlicht wurde auch nichts.

Persönlichkeitsrechte des Kindes

Viele Eltern veröffentlichen selbst die Fotos ihrer Kinder auf Facebook und anderen sozialen Netzwerken. Dagegen, so das Computermagazin Golem, spricht die Gefahr, dass Pädophile gezielt im Social Web nach Opfern suchen.

Der Blogger Stefan Freise argumentiert grundsätzlicher: "Es ist in jedem Fall ein Eingriff in das Persönlichkeitsrecht des Kindes und bleibt nie ohne Folge." Freise hat schon vor längerer Zeit eine Facebook-Seite veröffentlicht mit dem Titel: "Keine Kinderfotos im Social Web". Die Seite hat in den letzten Tagen deutlichen Zulauf erfahren. Über Posts wie "Zeigt den Kindern die Welt, und nicht die Kinder der Welt" diskutieren die Leute.

Eine Mutter schreibt: "Ich weiß ja nicht, was andere so für Fotos von ihren Kindern ins Netz stellen, aber wenn ich ein Foto von meinem Sohn im Skianzug auf der Piste für Freunde poste, finde ich das ziemlich unkritisch, selbst wenn ein Fremder das sehen würde. Ich finde da kann man schon differenzieren." Die Gegenseite: Eine andere Mutter, die keine Fotos ihrer Kinder ins Netz stellt, berichtet, dass sie sich von anderen Müttern fragen lassen muss, ob ihr Kind hässlich oder behindert sei.

Unerwünschte Grüße aus der Vergangenheit

Ein User weißt auf eine weitere Gefahr hin: "Wenn ich nach alten Bildern von mir suche, tauchen erschreckenderweise viele sehr alte Bilder doch noch auf, zusammen mit Beiträgen, die ich heute lieber vergessen würde."

Unbekümmertheit und Unwissenheit

Das Problem: Viele Eltern posten gedankenlose. Stefan Freise: "Die Eltern wissen das nicht besser. Woher auch. Wir sind die erste Generation, die medienkompetent erziehen muss. Das haben wir nicht gelernt – nicht gezeigt bekommen.“

Die Unwissenheit betrifft aber nicht nur die Eltern, sondern auch die Kinder selbst. Peter Piksa, der regelmäßig über den Bezug von Internet und echter Welt bloggt, schreibt: "Kinder wissen nicht um die Konsequenzen, sie gehen arglos mit allem Neuen um. Umso argloser werden sie, wenn schon die eigenen Eltern ihnen scheinbar harmloses Posten von Fotos in den digitalen Gedächtnissen von Facebook, Google und Konsorten vormachen."

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