Donnerstag, 23. Mai 2013

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Sponsored Blogs Ganz normaler Sündenfall  

Webschau mit Michael Gessat

Udo Vetter bei einem Vortrag auf der Re:Publica 2012
Lawblogger Udo Vetter hat bereits einen Grimmepreis eingeheimst. (QSC AG | flickr | cc by-nc-sa 2.0)

Werbung machen im heutigen Medienzeitalter ist eine heikle Sache – einerseits war es noch nie so leicht, eine riesige Zahl von potentiellen Kunden anzusprechen; und das auch noch relativ zielgerichtet. Andererseits nervt Werbung, wenn sie zu zielgerichtet oder aufdringlich daher kommt. Bei Blogs ist Werbung bisher ziemlich selten - und auch ein bisschen verpönt.

Hier und da mal ein Werbebanner, viel mehr ist meist nicht drin. Doch richtig Geld verdienen lässt sich mit den wenigsten Blogs. Und vom Bloggen alleine leben kann praktisch niemand. Seit einiger Zeit kann man sich seine Arbeit per Flattr honorieren lassen, aber auch das ist oft nicht mehr als eine freundliche Anerkennung. Die meisten bloggen deshalb aus Enthusiasmus und haben hier und da einen Werbeeffekt für den Hauptberuf. So wie bei Udo Vetter, der mit seinem Lawblog seine Tätigkeit als Rechtsanwalt im Netz präsentiert.

Kooperation mit Versicherungsanbieter

Jetzt ist der Lawblogger eine Kooperation mit dem Rechtsschutzversicherer Arag eingegangen, das berichtete am Montag die Wirtschaftswoche online. Vetter wird mit den Worten zitiert, er erhalte von der Arag ein Honorar, bei dem "viele Blogger sich überlegen würden, das mach ich jetzt mal ganztags". Sein Anwaltsbüro wolle er aber nicht abgeben, so der Bericht der Wiwo. Am Dienstag berichtete dann Vetter auch selbst über die Neuigkeiten - das Blog solle aber auch mit neuem Partner "so bleiben, wie es ist."

In "gekennzeichneten Gastbeiträgen" sollen Experten der Arag extra für das Lawblog konzipierte Beiträge zu aktuellen Urteilen und rechtlichen Themen veröffentlichen. Geplant sind ein bis zwei Beiträge pro Woche. Die Reaktionen auf diese Neuerung sind kontrovers. Von "Das ist doch wohl hoffentlich ein Scherz?" bis hin zu "Glückwunsch, super Sache. Langfristig muss soviel Engagement halt gestützt werden, sonst leidet die Qualität [...]"

Verlust von Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit?

Manche Leser befürchten, dass die Kooperation mit dem Versicherer die Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit von Vetter als Autor beeinträchtigen könnte. Andere machen sich Sorgen über etwaige Konsequenzen für Vetters Hauptberuf als Anwalt: "Als potentieller Mandant mit ARAG-RSV müsste ich mich fragen, ob in diesem Fall noch mit anwaltlicher Neutralität zu rechnen ist."

Auch in Bloggerkreisen wird diskutiert. Thomas Stadler von Internet-Law hat seine User gefragt, was sie von der Kooperation halten. Bloggerin Opalkatze ist erst mal ein bisschen neidisch, wie sie selber sagt. Ganz wohl ist auch ihr bei der Konstellation Strafverteidiger und Versicherung nicht. Von anderen Kollegen kommt auch ironisch gefärbte Kritik, wie etwa von der Kanzlei Hoenig. Der Versicherer ist nämlich nicht ganz unumstritten, aber welcher Anbieter ist das schon. Für einen kleinen Aufruhr sorgte die Tatsache, dass Vetter offenbar eine Reihe von Postings von seiner Seite entfernte, die etwa auf das RSV-Blog und dort geübte Kritik an der Arag verwiesen.

Ob die entfernten Posts der Zensur zum Opfer gefallen sind, wie manche User meinen, oder aus nachvollziehbaren Gründen entfernt wurden, lässt sich von außen schwer beurteilen.

Was bei allem Für und Wider bleibt ist die Frage, ob von einer solchen Kooperation zwischen einem Unternehmen und einem Blogger langfristig beide Partner profitieren. Der erste Gastbeitrag der Versicherung wurde zumindest als wenig fundiert kritisiert und sei zum Teil an anderer Stelle bereits als Pressemitteilung veröffentlicht worden. Die Frage nach einer funktionierenden Blog-Finanzierung bleibt schwierig.

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