Sport Olympia nach Maß
Auf die Genauigkeit kommt es an - eine Hundertstelsekunde entscheidet über Medaillenjubel und Tränen der Enttäuschung
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- Nathan Adrian gewinnt die 100-Meter-Freistil gegen den Australier James Magnussen. (EPA | Picture Alliance | Patrick B. Kraemer)
Die Spannung ist greifbar im Aquatic Center von London. Die letzte Bahn im Finale über 100 Meter Freistil der Männer. Weltmeister James Magnussen aus Australien und der US-Amerikaner Nathan Adrian pflügen durchs Wasser, unaufhaltsam dem letzten Anschlag entgegen. Dann ist es geschafft. Wer gewonnen hat, ist mit bloßem Auge nicht auszumachen.
Auch der Reporter stockt kurz - dann wird das Ergebnis eingeblendet: Der neue Olympiasieger heißt Nathan Adrian. Mit einem Vorsprung von einer Hundertstelsekunde.
Wenn es auf Millimeter und Hundertstelsekunden ankommt
In anderen Sportarten sind es Millimeter oder komplizierte Punktsysteme, die über Sieg und Niederlage entscheiden. Wie werden solche Ergebnisse gemessen? Wie lassen sich Fehler ausschließen? Und welche Rolle spielt der Faktor Mensch? Darüber sprechen wir in unserem Tagesthema.
Wenn das Maß versagt
Der Sportjournalist Philipp May erinnert an Fehlentscheidungen der olympischen Geschichte
Olympia 2012 - Fechten, Halbfinale. Britta Heidemann gegen die Südkoreanerin Shin A Lam. War die letzte Sekunde abgelaufen oder nicht? (dpa | picture alliance | Christian Charisius)Die Stoppuhr streikt, das Maßband reißt oder der Startschuss fällt zu früh. Beim Kampf um olympische Medaillen geht es um Millimeter und Hundertstelsekunden. Aber nicht immer können die Messtechniken mithalten - wie zuletzt der heiß diskutierte Halbfinalkampf im Fechten zwischen Britta Heidemann und Shin A Lam bei den Olympischen Spielen in London gezeigt hat.
Höher, schneller, weiter
Die Sportjournalistin Felicia Mutterer hat zum Thema Zeitmessung recherchiert
Im Hochleistungssport kommt es auf Hundertstel-Sekunden und wenige Zentimeter Vorsprung an. (dpa | picture alliance | Omega/HO)Sie entschlüsselt die sportliche Leistung bis ins kleinste Detail - die Zeit- und Weitenmessung bei den Olympischen Spielen. Dass es sie gibt, ist für uns selbstverständlich - wie sie funktioniert, wissen nur wenige. Felicia Mutterer hat sich bei Experten und Sportlern umgehört. Dazu gehört Peter Hürzeler von der Swatch Group, die bei den Olympischen Spielen in London mit 430 Mitarbeitern und 400 Tonnen Material für exakte Ergebnisse sorgt.
Die Variable Mensch
Kampfrichter Holger Albrecht erklärt, wie beim Turnen über Sieg und Niederlage entschieden wird
Beim Turnen entscheiden Kampfrichter über die Wertung. (picture alliance / dpa / Friso Gentsch)Bei Sportarten wie Schwimmen oder den Laufdisziplinen ist es einfach. Eine Stoppuhr entscheidet über Sieg oder Niederlage. Beim Turnen sieht das anders aus. Es gibt eine D-Note, die die Schwierigkeit der Übung bewertet. Dann ist da aber noch die E-Note. Bei ihr geht es um die Ausführung der Übungen. Und als ob das noch nicht kompliziert genug wäre, müssen sich neun Kampfrichter auf eine Note einigen.